Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Berufe mit Zukunft

Eine junge Frau arbeitet am Computer.
Als Frau in der IT-Branche arbeiten? Auf dem Arbeitsmarkt werden Frauen mehr denn je gesucht.
Foto: Christof Stache

Arbeitsmarkt

Berufe mit Zukunft

Mutig sein und einen „untypischen“ Beruf anstreben, IT-Administratorin werden oder Pflegemanager. Dafür machen sich viele Initiativen stark. Aber lohnt sich das in Anbetracht der Arbeitsmarktlage auch? abi>> hat nachgefragt.

Nach dem Studium oder der Ausbildung sofort eine Festanstellung, ohne lange Jobsuche. So sollte es sein. Mit diesem Argument werben daher viele Initiativen für MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik), und auch im sozialen, therapeutischen oder pflegerischen Bereich werden gute Arbeitsmarktchancen in Aussicht gestellt.

Gute Aussichten im sozialen Bereich

Ein Porträt-Foto von Maja Schäfer

Maja Schäfer

Foto: Hermann Biedehorst

„Die Beschäftigung hat sich in vielen MINT-Berufsgruppen positiv entwickelt und ist 2015 im Vergleich zum Vorjahr gestiegen“, bestätigt Ralf Beckmann, Arbeitsmarktexperte bei der Bundesagentur für Arbeit. Auch für Bewerber im sozialen, pflegerischen und therapeutischen Bereich sei die Lage gut: „Die Zahl der Beschäftigten ist im Steigen, die Arbeitslosigkeit ist so niedrig, dass man von Vollbeschäftigung sprechen kann .“ Maja Schäfer von der Diakonie Deutschland spricht sogar von einem Fachkräftemangel: „Die Bewerberzahlen in unseren Einrichtungen gehen zurück, und manche Stellen sind gar nicht mehr zu besetzen.“

Nun hofft die Diakonie darauf, außer jungen Frauen mehr Jungs für soziale, pflegerische und therapeutische Berufe zu begeistern. Aktuell sind lediglich 17 Prozent aller Beschäftigten in diesem Bereich männlich. Was hält junge Männer von einer Karriere als Erzieher, Altenpfleger oder Ergotherapeut ab? Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) spricht von hohen körperlichen und psychischen Belastungen, unklaren Karrierewegen und einer geringen Wertschätzung in der Gesellschaft, die sich in der Entlohnung widerspiegle. „Es wird gesellschaftlich ausgehandelt, welchen Wert welche Arbeit hat. Im europäischen Ausland genießen soziale Berufe einen höheren Stellenwert. Wir werben dafür, dass diese Berufe auch in Deutschland mehr Anerkennung bekommen. Da tut sich gerade viel“, sagt Maja Schäfer.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit?

Ein Porträt-Foto von Dr. Corinna Kleinert

Dr. Corinna Kleinert

Foto: privat

Auf die Entlohnung wirkt sich das allerdings noch nicht positiv aus: Ein Berufseinsteiger mit Bachelorabschluss im Bereich Soziale Arbeit verdient laut Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit im Mittel bundesweit knapp 3.100 Euro monatlich und bekommt damit gut 1.000 Euro weniger als sein ehemaliger Kommilitone, der Maschinenbau studiert hat. Hierzu hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung anhand von Umfragen festgestellt: Berufe, in denen überwiegend Frauen arbeiten, werden um rund acht Euro brutto in der Stunde geringer entlohnt. „Wir gehen davon aus, dass dies nicht an den Berufen selbst liegt. Das heißt: Würden sich mehr Männer für diese Berufe entscheiden, könnte zwar das gesamte Lohnniveau steigen, für die Frauen im Beruf ändert sich dadurch im Vergleich aber nichts“, sagt Dr. Corinna Kleinert vom Leibnitz-Institut für Bildungsverläufe.

Allerdings: Die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen, die laut Statistischem Bundesamt im Durchschnitt in Deutschland aktuell bei zirka 21 Prozent liegt, ist in sozial-pflegerischen Berufen weit kleiner als in MINT-Berufen – oder gar nicht vorhanden. „In diesen Berufen werden in der Regel gewerkschaftlich ausgehandelte Tarife bezahlt, während die Gehälter im Ingenieurbereich oft individuell vereinbart werden und von Betrieb zu Betrieb und von Branche zu Branche stark variieren“, erläutert Dr. Corinna Kleinert.

Laut Entgeltatlas verdient beispielweise eine Ingenieurin für Pharmatechnik im Mittel knapp 3.400 Euro im Monat, ihr männlicher Kollege hingegen mehr als 5.000 Euro. Eine Geophysikerin wird mit etwa 3.800 Euro gelistet, ein Geophysiker mit 4.400 Euro. Diese Lücke klafft nicht nur bei Akademikern, auch bei Fachkräften mit Berufsausbildung gibt es Unterschiede: Eine Chemielaborantin bekommt 3.200 Euro, ein Laborant 3.900 Euro monatlich.

MINT-Frauen gesucht

„Ein Teil der Differenz lässt sich damit erklären, dass Frauen immer noch seltener in Leitungspositionen arbeiten. Hinzu kommt eine häufig etwas kürzere Berufserfahrung beispielsweise aufgrund von Familienpausen“, sagt Ralf Beckmann. Dr. Ellen Walther-Klaus von der Initiative „MINT Zukunft schaffen“ merkt an: „Das Gehalt spielt für Frauen bei der Berufswahl nicht die wichtigste Rolle. Deshalb verhandeln sie anders, sind nicht knallhart, sondern hinterfragen viel, auch sich selbst.“

In jedem Fall sollten sich junge Frauen von ihrem MINT-Berufswunsch nicht abbringen lassen: „Wir brauchen weibliche kluge Köpfe, die neue Technologien auf den Weg bringen. Dass wir Frauen dafür gemacht sind, zeigen große Errungenschaften wie das Bierbrauen oder der Webstuhl. Das sind Erfindungen von Frauen“, sagt Dr, Ellen Walther-Klaus.

Fachkräfte werden knapp

Nichtsdestotrotz waren im MINT-Bereich im Jahr 2015 lediglich 15 Prozent der beruflich Tätigen Frauen. Im Studium sehen die Zahlen besser aus: Laut Institut der deutschen Wirtschaft Köln waren 29,5 Prozent der Erstabsolventen eines MINT-Studiengangs weiblich. Das freut Ellen Walther-Klaus. Sie schlägt allerdings Alarm bei den MINT-Azubis: Hier bereiten ihr die sinkenden Zahlen Sorgen. Damit ist sie nicht allein. Viele Unternehmen sehen einen Fachkräftemangel auf sich zukommen. „Vor allem im Handwerk könnten Fachkräfte zunehmend knapper werden“, bestätigt Ralf Beckmann.

Und wie sieht die langfristige Entwicklung aus? „Die rasant zunehmende Digitalisierung erhöht den Stellenwert von MINT-Berufen“, sagt der Arbeitsmarktexperte. Dr. Ellen Walther-Klaus ergänzt: „In den nächsten Jahren gehen viele MINTler in Rente. Die qualifizierte Zuwanderung kann einige Lücken schließen. Daraus ergeben sich aber auch neue Herausforderungen. Mädchen mit Migrationshintergrund sind noch viel mehr durch traditionelle Rollenbilder geprägt. Diese für einen MINT-Beruf zu gewinnen, ist eine große, aber wichtige Aufgabe.“

Inklusion schafft Arbeitsplätze

Ein Porträt-Foto von Dr. Ellen Walther-Klaus

Dr. Ellen Walther-Klaus

Foto: privat

Auch der soziale Bereich hofft auf junge Leute aus dem Ausland. Die Bundesagentur für Arbeit geht davon aus, dass der Fachkräftebedarf weiter steigt. Smarte Technologien würden daran nichts ändern, betont Maja Schäfer von der Diakonie Deutschland: „Sie vereinfachen die Arbeit. Vom Pflegeroboter sind wir dennoch weit entfernt.“
Außerdem sieht sie interessante Berufsperspektiven im Bereich Inklusion: „Menschen mit Behinderung werden künftig nicht mehr in Heimen leben. Deshalb brauchen wir ambulante Pflegedienste, Sozialarbeiter im Kiez und vieles mehr“.

Quelle: Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit: Median der monatlichen Bruttoarbeitsentgelte von sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten nach ausgeübter Tätigkeit 2014
* Der Median ist der Wert, der an der mittleren Stelle steht, wenn man die Werte der Größe nach sortiert.

abi>> 02.03.2017