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Schlummernde Talente entdecken

Junge Frau posiert mit einem kleinen Modell eines Gebäudes.
Den eigenen Interessen folgen: Wer etwa gern Modelle baut, für den könnte ein Architekturstudium infrage kommen.
Foto: Thomas Lohnes

Berufsorientierung

Schlummernde Talente entdecken

Bei der Berufs- und Studienwahl sollten junge Menschen in erster Linie danach gehen, was sie gerne tun. Wer sich dabei allerdings von Vorurteilen und Geschlechterklischees beeinflussen lässt, verbaut sich eventuell interessante Möglichkeiten.

„Mit der konkreten Berufsorientierung sollten Abiturienten zwei bis drei Jahre vor dem Schulabschluss beginnen“, empfiehlt Sabine Najib, Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit Osnabrück. „Der unbewusste Berufswahlprozess beginnt aber schon viel früher und wird stark von der Gesellschaft beeinflusst“, erklärt sie. „Viele Mädchen und Jungs kommen daher erst gar nicht auf die Idee, einen vielleicht untypischen Beruf zu wählen, oder trauen es sich einfach nicht zu.“

Interessen und Stärken prüfen

Wer sich bei der Berufsorientierung allerdings nur auf typische Berufe konzentriert, schließt damit automatisch viele Möglichkeiten für sich aus. Sabine Najib rät daher, die Berufswahl möglichst ohne Vorurteile anzugehen. Egal ob Junge oder Mädchen – entscheidend sind immer die individuellen Interessen und Stärken. „Aufschluss darüber können zum Beispiel Hobbys geben oder auch die Fächer, die in der Schule am meisten Spaß machen“, weiß die Berufsberaterin. Daraus lassen sich beispielsweise passende Studiengänge oder Ausbildungsberufe ableiten. Den Noten sollte man dabei nicht zu viel Gewicht verleihen: „Meiner Erfahrung nach lassen sich vor allem Mädchen schnell abschrecken, wenn sie keine Bestnoten mitbringen. Wer Ingenieurin werden möchte, muss aber nicht zwingend eine Eins in Mathe haben.“

Vorurteile aus dem Weg räumen

In einem zweiten Schritt ist es wichtig, die eigenen Vorstellungen mit der Realität abzugleichen. MINT-Berufe, also im Bereich Mathe, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, haben zum Beispiel oft den Ruf, trocken zu sein: „Wenn Mädchen an technische Berufe denken, haben sie oft das Bild vom stillen Kämmerlein im Kopf, in dem man alleine vor sich hin tüftelt und wenig Kontakt zu Menschen hat“, führt Sabine Najib als Beispiel an. Dass das nicht stimmt, kann man am besten in der Praxis erleben: „An Hochschulen gibt es für Schüler viele Veranstaltungen wie Schülerlabore, Schnupperkurse oder Informationstage. Betriebe bieten für Interessierte Orientierungspraktika oder manchmal auch einen Tag der offenen Tür an.“

Eine Initiative, die das Berufswahlverhalten von Jugendlichen verändern möchte, ist der jährlich stattfindende Girls’ Day, bei dem Mädchen einen Tag lang Gelegenheit haben, in verschiedene „frauenuntypische“ Berufe hinein zu schnuppern und schlummernde Talente zu entdecken. Das entsprechende Gegenstück bildet der Boy’s Day, bei dem sich Jungs beispielsweise in den Bereichen Soziales, Erziehung und Pflege ausprobieren können.

„Das Erproben und Kennenlernen spielt eine ganz wichtige Rolle“, bestätigt Sabine Najib. „Auf diese Weise lassen sich Vorurteile schnell aus dem Weg räumen. Und Jungs und Mädchen können in der Praxis besser entscheiden, ob ein Beruf zu ihnen passt oder nicht.“

abi>> Berufswahlfahrplan

Wer noch keine Idee hat, in welche Richtung es später beruflich gehen soll, kann den abi>> Berufswahlfahrplan zu Rate ziehen und seinem Traumberuf mithilfe verschiedener Stationen Schritt für Schritt näher kommen.

abi>> 02.03.2017