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Mit Mut und Geduld

Aufnahme eines Klassenzimmers
Das Freiwillige Soziale Jahr an einer Schule gefiel Ben Böck so gut, dass er sich für ein Sonderpädagogik-Studium entschied.
Foto: Stefan Hippel

Freiwilliges Soziales Jahr

Mit Mut und Geduld

Nach dem Abitur absolvierte Ben Böck (22) ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der Lindenhofschule der Lebenshilfe in Senden – eigentlich nur, um Zeit zu überbrücken. Seine Tätigkeit dort prägte ihn aber so sehr, dass er sich danach für ein Studium der Sonderpädagogik an der Universität Würzburg einschrieb.

Mir war klar: Wenn ich ein FSJ mache, dann soll es etwas mit Kindern sein. Ich habe während meiner Schulzeit Praktika in verschiedenen sozialen Bereichen absolviert und wusste, dass mir die Arbeit mit Kindern liegt und Spaß macht. Die Aufgaben der Lebenshilfe in meiner Heimatregion, zum Beispiel die Werkstätten für Menschen mit Behinderung, kannte ich von einer Verwandten. So habe ich auch erfahren, dass die Lindenhofschule, ein Förderzentrum mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung, FSJ’ler sucht. An dieser Schule werden Kinder mit geistiger Behinderung im Unterricht besonders gefördert.

Meine Hauptaufgabe war es, eine fünfte Klasse zu begleiten. Dabei habe ich mich besonders um einen Schüler gekümmert, der sehr viel Hilfe benötigt hat. Er konnte immer nur einzelne Worte sagen, also habe ich mit ihm trainiert, dass er auch Gebärden nutzt, wenn er sich ausdrücken möchte. Ansonsten gab es viele kleine Lerngruppen, in denen ich dabei war. So habe ich die Vielseitigkeit des Unterrichts kennengelernt.

Eine echte Herausforderung

Ein Porträtfoto von Ben Böck

Ben Böck

Foto: privat

Mit Behinderten zu arbeiten, ist eine große Herausforderung. Aufgaben wie Toilettentraining oder Wickeln kosten am Anfang Überwindung. Aber man kann dabei sehr viel lernen und mit der Zeit werden auch solche Tätigkeiten normal. Mir ist die Arbeit auch gar nicht schwergefallen. Man braucht eben mehr Zeit, wenn man mit Kindern arbeitet, die eine Behinderung haben. Vor allem wenn sie mehrfach oder schwer behindert sind, muss man geduldig sein, um Zugang zu ihnen zu finden. Es kann schon passieren, dass beim Spazierengehen eines der Kinder wegrennt, beim nächsten klemmt der Reißverschluss und das dritte erzählt eine Geschichte von gestern Nachmittag. Das geht dann auch mal schief. Aber man lernt den Überblick zu behalten und jeden Schüler so zu unterstützen, wie er es braucht.

Viele meiner Freunde haben eine Ausbildung gemacht, zum Beispiel im Handwerk. Als sie gehört haben, wo ich ein FSJ mache, waren die meisten überrascht und interessiert. Bevor ich das FSJ angefangen hatte, war mir gar nicht so bewusst, dass das ein sehr frauentypischer Bereich ist. Jetzt weiß ich es besser – auch im Studium ist das so: In meiner Fachrichtung studieren 90 Frauen und fünf Männer. Dabei sind Männer in sozialen Berufen sehr gefragt und wichtig. Kinder brauchen männliche Vorbilder, davon gibt es viel zu wenige.

Ein FSJ kann ich jedem empfehlen. Ich denke, es ist wichtig, sich eine Zeitlang für die Gesellschaft zu engagieren, auch mal länger an einer Sache dranzubleiben und sie auszuprobieren. Am Anfang des FSJ konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen, auch danach in diesen Bereich zu gehen. Aber mit der Zeit habe ich gemerkt, dass es mir das gibt, wonach ich gesucht habe. Ich wollte mein Wissen vertiefen und habe daher angefangen, Sonderpädagogik zu studieren.

Seit fünf Semestern studiere ich jetzt in Würzburg, die Erfahrungen aus dem FSJ helfen mir dabei sehr. Schließlich weiß ich, worauf ich mich einlasse und was auf mich zukommt, wenn ich nach meinem Studium einer Beschäftigung in einer Sonderschule nachgehe. Hoffentlich arbeite ich dann an einer Schule für geistig behinderte Schüler.

abi>> 02.03.2017