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Vielfalt steigert Innovationsfähigkeit

Einige Stundenten sitzen in einem Campuskorridor.
Noch immer lassen sich junge Frauen und Männer von Rollenklischees einschränken - dabei bieten sich beiden Geschlechtern in vermeintlich untypischen Berufen viele Möglichkeiten.
Foto: André Braun

Typisch? Arbeitsmarkt

Vielfalt steigert Innovationsfähigkeit

Noch immer gibt es typische Männer- und Frauenberufe, zum Beispiel im MINT- und im sozialen Bereich. Dabei würden beide Bereiche von mehr Vielfalt profitieren – und bieten zudem gute Berufschancen.

Obwohl Frauen heute fast die Hälfte der Erwerbstätigen stellen, herrscht nach wie vor Ungleichheit bei der Bezahlung. Dem Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit zufolge haben in Vollzeit beschäftigte Männer im Jahr 2013 im Mittel 3.146 Euro brutto monatlich verdient, Frauen 2.631 Euro. Das liegt auch daran, welche Berufe Männer und Frauen wählen. „Noch immer gibt es typische Männer- und Frauenberufe, die ungleich bezahlt werden“, sagt Professorin Dr. Corinna Kleinert, Bildungs- und Arbeitsmarktforscherin an der Universität Bamberg und am Leibniz-Institut für Bildungsverläufe. „Entscheiden sich Frauen für einen von Männern dominierten Beruf, profitieren sie von der besseren Bezahlung“, schildert Corinna Kleinert. Das heiße jedoch nicht zwingend, dass sie innerhalb dieses Berufs genauso viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen.

Ein Porträt-Foto von Prof. Dr. Corinna Kleinert

Prof. Dr. Corinna Kleinert

Foto: Monica Fröhlich

Auch Männer haben mit Benachteiligung im Beruf zu kämpfen, wenn auch auf eine andere Art als Frauen. „In klassischen Männerberufen ist es oft schwerer, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren als in Frauenberufen.“ Dabei ist es auch aus ökonomischer Sicht sinnvoll, die ungleichen Verhältnisse zu ändern: „Die Gesellschaft altert, der Arbeitsmarkt verändert sich und es wird in den kommenden Jahren voraussichtlich ein Fachkräftebedarf entstehen, der gedeckt werden muss“, erklärt Corinna Kleinert. Dies gilt vor allem für den MINT- und den sozialen Bereich. Um dem entgegenzuwirken, ist es wichtig, auch Frauen für Technikberufe und Männer für Soziales zu begeistern.

Hohe Nachfrage im Ingenieurbereich

 
Ein Porträt-Foto von Tina Lackmann

Tina Lackmann

Foto: Privat

Unter der Abkürzung MINT wird eine Vielzahl unterschiedlicher Studien- und Ausbildungsberufe zusammengefasst, die in die Bereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik fallen. Trotz guter Berufsaussichten arbeiten hier besonders wenige Frauen. Ihr Anteil liegt laut Bundesagentur für Arbeit bei gerade mal 15 Prozent. Die Zahl steigt zwar kontinuierlich an, aber bis zu einem ausgewogenen Geschlechterverhältnis ist es noch ein langer Weg.

Dabei ist zum Beispiel die Nachfrage nach gut ausgebildeten Ingenieurinnen und Ingenieuren hoch. Laut dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI) kamen im Bundesschnitt im zweiten Quartal 2015 deutlich mehr als zwei offene Stellen auf eine arbeitslos gemeldete Person. „Zudem sind deutsche Ingenieure im europäischen Vergleich durchschnittlich am ältesten – somit werden die Berufsaussichten aufgrund des demografischen Wandels langfristig gut bleiben“, sagt Tina Lackmann, Referentin für Technische Bildung beim VDI.

Ab 2020 sei mit einer deutlichen Steigerung der Fachkräftenachfrage zu rechnen. „Das Ingenieurwesen braucht unbedingt mehr Frauen, denn durch Vielfalt steigt die Kreativität und Innovationsfähigkeit. Und dies sind zentrale Ressourcen der deutschen Wirtschaft, um die heutigen und zukünftigen Herausforderungen – wie Energiewende, Digitalisierung, demografischer Wandel – mitgestalten zu können“, erläutert Tina Lackmann.

Von einem generellen Fachkräftemangel in MINT-Berufen kann zwar laut Bundesagentur für Arbeit derzeit nicht die Rede sein. Fakt ist aber: Die Arbeitslosigkeit im MINT-Bereich bewegt sich auf einem niedrigen Niveau, die Arbeitslosenquote für MINT-Berufe lag 2014 bei 4,4 Prozent.

Hoher Frauenanteil in der Altenpflege

 
Ein Porträt-Foto von Johanna Knüppel

Johanna Knüppel

Foto: Privat

In den Gesundheits- und Pflegeberufen hingegen sind Frauen nach wie vor in der Überzahl. In der Altenpflege lag der Frauenanteil 2014 laut Mikrozensus bei gut 80 Prozent. Gleichzeitig herrscht hier jetzt schon ein erhöhter Bedarf an Fachkräften, der in den kommenden Jahren voraussichtlich noch größer werden wird, da die Zahl der alten Menschen steigen wird. Nicht nur deshalb ist es höchste Zeit, mehr Männer für den Beruf zu begeistern. „Zunehmend verfügen alte Menschen, die auf Pflege angewiesen sind, über einen Migrationshintergrund. Ein älterer Muslim, der sich nicht von einer Pflegerin betreuen lassen kann oder möchte, ist auf einen männlichen Pfleger angewiesen – das ist teilweise schon heute ein großes Problem“, nennt Johanna Knüppel vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe DBfK ein Beispiel.

Was hält junge Leute davon ab, in die Pflege zu gehen? „Es ist nicht nur das eher bescheidene Gehalt, das viele abschreckt. Es sind die Arbeitsbedingungen, die es schwierig machen, Nachwuchskräfte für den Beruf zu gewinnen und ihn für bereits Berufstätige attraktiv zu halten. Hier muss sich etwas ändern“, betont Johanna Knüppel. Es sei wichtig, den Beruf realistisch darzustellen, aber eben auch die Perspektiven aufzuzeigen. „Ein sicherer Arbeitsplatz ist nicht wenig, dazu kommen Spezialisierungs- und Aufstiegsmöglichkeiten. Allerdings sind Ausbildung und Beruf anspruchsvoll, man betreut Menschen in Krisensituationen. Dafür braucht man nicht nur Mitgefühl, sondern auch intellektuelle Fähigkeiten.“ Auch deshalb hat insbesondere der Pflegeberuf eine große Zukunft: „Diese Arbeit wird auch langfristig nicht durch Roboter geleistet werden können“, ist die Expertin sicher.

Therapie auf Wachstumskurs

 

„Nicht nur in der Pflege, sondern auch in anderen Berufen aus dem sozialen Bereich erwarten Absolventen langfristige Berufsperspektiven“, sagt Arbeitsmarktexperte Ralf Beckmann von der Bundesagentur für Arbeit. „Der Arbeitsmarkt im Berufsfeld Therapie beispielsweise ist gut, denn der Gesundheitssektor befindet sich auf Wachstumskurs. Entsprechend gute Arbeitsmarktchancen bieten sich Therapeuten oder Pflegewissenschaftlern.“

Infolge der steigenden Zahl von Flüchtlingen in Deutschland steigt auch der Bedarf an Menschen, die sich um die Betreuung und Integration der Geflüchteten kümmern. Zwar liegen hierzu noch keine konkreten Arbeitsmarktstatistiken vor, „man sieht aber bereits jetzt, dass die Zahl der gemeldeten Stellen in sozialen Berufen sowie in der öffentlichen Verwaltung und bei Wach- und Sicherheitspersonal steigt. Der Bedarf an Lehrkräften und Sozialarbeitern dürfte auch noch weiter zunehmen, um die Integrationsarbeit zu bewältigen“, erklärt Ralf Beckmann. 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

 

 

  

 

 

 

 

 

  

 

 

 

 

Quelle: Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit: Median der monatlichen Bruttoarbeitsentgelte von sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten mit Angabe zum Entgelt nach ausgeübter Tätigkeit 2013

 

 

abi>> 25.02.2016