Probehalber an die Uni

Portrait von einem jungen Mann beim lernen.
Schon vor dem eigentlichen Studienstart Erfahrungen auf dem Campus sammeln: Die Studienorientierungsangebote einiger Hochschule können eine große Hilfe auf der Suche nach dem richtigen Studiengang sein.
Foto: Sebastian Reimold

Orientieren vor dem Studium – Hintergrund

Probehalber an die Uni

Wie ist es, mit 300 Kommilitonen in einer BWL-Vorlesung zu sitzen? Wie anspruchsvoll ist ein Mathematikstudium und womit beschäftigen sich eigentlich Politologen? Viele Hochschulen bieten die Option, vor oder nach dem Abitur Studiengänge kennenzulernen. Das Angebot reicht von Schnuppervorlesungen bis hin zu einem Frühstudium neben dem Schulalltag.

Ein Porträt-Foto von Julia Abspacher

Julia Abspacher

Foto: privat

Immer freitags war Unitag. Vom Schulunterricht befreit ging Julia Abspacher statt in die Q11 ihres Gymnasiums von 9 bis 17 Uhr an die LMU München. Ein Semester lang besuchte sie Veranstaltungen unter anderem in Chemie, Mathematik, BWL und auch Archäologie: „Natürlich geht einem in der Zeit der Schulstoff ab. Den musste ich nachholen“, erzählt die 21-Jährige. „Aber es war auch unglaublich spannend, weil ich so viele Einsichten in das breite Fächerspektrum gewinnen konnte. Zudem hat mir der Unitag bestätigt, dass am besten die wirtschaftswissenschaftlichen Themen zu mir passen.“ Mittlerweile studiert Julia Abspacher BWL an der LMU und ist froh, das Orientierungsangebot genutzt zu haben.

Der Unitag, den die LMU München anbietet, richtet sich an begabte und leistungsstarke Schüler, die häufig in vielen Fächern gut sind. „Ziel des Unitags ist es, eine fundierte Studienentscheidung treffen zu können“, erklärt Andrea Lutz, akademische Studienberaterin der Zentralen Studienberatung der LMU München. „Wer viele Interessensschwerpunkte hat, dem fällt es oft schwer, sich für ein Studienfach zu entscheiden.“

Junior-, Früh- oder Schülerstudium

Ein weiteres Programm der Universität ist das Frühstudium, das es Schülern ermöglicht, ausgewählte Lehrveranstaltungen zu besuchen und auch erste Prüfungen abzulegen. Viele Universitäten bieten ähnliche Angebote unter der Bezeichnung Junior-, Früh- oder Schülerstudium. „Wie das Studium im Detail geregelt ist, bestimmt jede Uni selbst“, erklärt Andrea Lutz.

Neben solchen Angeboten, die speziell auf Schüler zugeschnitten sind und häufig sehr leistungsstarke Schüler ansprechen, bieten mittlerweile viele Hochschulen ein Orientierungssemester oder -jahr für alle an, die Abitur oder Fachhochschulreife mitbringen – eine Art Probestudium vor dem eigentlichen Studium (siehe auch den Beitrag „Wie geht studieren?“). Nicht zu verwechseln ist das Frühstudium mit fächerübergreifenden Programmen, die unter dem Namen „Studium generale“ von manchen Hochschulen angeboten werden und als Ergänzung zum regulären Studium gedacht sind, um über den fachlichen Tellerrand hinauszuschauen. Ebenfalls nicht verwechselt werden sollten Orientierungssemester mit Vor- oder Einführungskursen, die Erstsemester vor dem regulären Studienstart besuchen können.

Orientierungsangebote für jeden

Ein Porträt-Foto von Andrea Lutz

Andrea Lutz

Foto: privat

Es muss nicht gleich ein Früh- oder Orientierungsstudium sein. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Veranstaltungsformate, die einen Einblick in den Hochschulalltag gewähren. Dazu gehören Veranstaltungen wie Tage der offenen Tür, Schnuppervorlesungen, Tandemtage oder auch Studienorientierungstage- und wochen, die oft von Vorträgen und Führungen begleitet werden. „Viele Veranstaltungen finden in den Schulferien statt, manche sind mit einer Anmeldung verbunden“, erzählt Andrea Lutz.

Ganz unkompliziert ist zum Beispiel die Option, einen Studierenden in eine Vorlesung oder ein Seminar zu begleiten, anschließend beim Mittagessen in der Mensa Fragen zu klären und nebenbei noch einen Rundgang durch die Universität zu bekommen (siehe auch den Beitrag „Vorurteile aus dem Weg räumen“). An der LMU gibt es etwa die LMU-Schnupperstunden, an der Uni Würzburg Tandemtage und das Programm „studylive“, an der Uni Bremen das Projekt Studienlots*innen, an der Uni Paderborn die Initiative „Komm mit!“ (Eine Auswahl an Angeboten findest du in der Übersicht „Das Studium vor dem Studium“.)

Auch auf eigene Faust kann man den Hochschulalltag erkunden: „Eine Vorlesung zu besuchen ist unproblematisch. Sich einfach in Seminare oder Übungen zu setzen, in denen in kleinen Gruppen gearbeitet wird, ist aber nicht ratsam“, meint Andrea Lutz. Am besten informiert man sich daher vorher: An der LMU gibt es eigens ein Schnuppervorlesungsverzeichnis, in dem geeignete Veranstaltungen aufgelistet sind.

Stippvisite in den Schulferien

Ein Probestudium inklusive Workshop kann man in manchen Studiengängen in den Schulferien absolvieren. Meist ist hierfür eine Anmeldung erforderlich. Die Plätze sind begrenzt und in beliebten Studienfächern schnell vergeben: „In diesem Fall kann man auch auf ein verwandtes Fach ausweichen, da die Arbeitsweise häufig ähnlich ist“, weiß Andrea Lutz. In jedem Fall lernen Studieninteressierte so auch die Atmosphäre auf dem Campus und im Hörsaal kennen.

Ob mit Anmeldung oder ohne: „Schüler sollten diese Angebote in jedem Fall wahrnehmen, um inhaltliche Enttäuschungen im Vorfeld zu vermeiden“, merkt die Studienberaterin an. Denn selbst wenn man glaubt, ein Fach aus der Schule zu kennen, kann man daraus nicht auf das Studium schließen. „Das Fach Deutsch hat zum Beispiel nur bedingt etwas mit einem Germanistik-Studium zu tun“, betont Andrea Lutz.

Orientierung hilft Studienabbruch zu vermeiden

Ein Porträt-Foto von Stefan Biernath

Stefan Biernath

Foto: privat

Wie notwendig eine individuelle Vorbereitung ist, zeigt eine Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung: 29 Prozent der Bachelorstudierenden brechen ihr Studium ab. „Hohe Leistungsanforderungen und mangelnde Motivation sind zwei häufige Motive“, sagt Studienberater Stefan Biernath von der Agentur für Arbeit Aachen-Düren. „Viele haben in der Oberstufe den Kopf nicht wirklich frei, um sich über die Zeit nach dem Abi Gedanken zu machen. Aber bevor man sich überstürzt irgendwo einschreibt, sollte man auf jeden Fall die Orientierungsangebote nutzen, und zwar, um die Studiengänge und auch sich selbst besser kennenzulernen“, empfiehlt er.

Auch, wer den Unterschied zwischen FH und Uni ergründen möchte, kann hierfür Orientierungsangebote nutzen (siehe auch den Erfahrungsbericht „Null Semester, aber viel gelernt“). „Sowas kann man in der Beratung nur schwer vermitteln. Besser ist es, wenn die Abiturienten es selbst erleben“, meint Stefan Biernath.

Weitere Informationen

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Im „finder“ kannst du nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studienangebote, Ansprechpartner und internationale Kooperationen.
www.hochschulkompass.de

Stiftung für Hochschulzulassung – hochschulstart.de

Portal für die Vergabe von bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengängen
www.hochschulstart.de

Studieren Probieren: Vorlesungen zum Reinschnuppern an der LMU München

Im Veranstaltungskalender der LMU München können sich Studieninteressierte für Lehrveranstaltungen anmelden, in die sie hineinschnuppern möchten.
www.uni-muenchen.de/studium/beratung/beratung_service/beratung
_lmu/schulkontakte/angebote/studieren_probieren/index.html

Tandem-Tag und „studylive“ an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg

An einem Tandem-Tag hat du die Möglichkeit, einen Studierenden einen Tag lang an der Uni Würzburg zu begleiteten. „studylive“ bietet die Möglichkeit, einen Studierenden über längere Zeit zu begleiten.
www.uni-wuerzburg.de/fuer/studierende/zsb/veranst/tandem_tag

„Komm mit!“ an der Uni Paderborn

An der Uni Paderborn kannst du einen Tag lang Studierende deines Wunschstudiengangs begleiten.
https://zsb.uni-paderborn.de/en/schnupperangebote/komm-mit-studierende-einen-tag-lang-begleiten

Studienlots*innen

Auch an der Uni Bremen hast du die Option, Studierende für einen Tag zu begleiten.
www.uni-bremen.de/studium/orientieren-bewerben/studienorientierung/studienlotsinnen.html

OneWeekExperience

Über das Portal kannst du nach Studiengängen und Hochschulorten suchen, die ein Probestudium für eine Woche ermöglichen.
www.oneweekexperience.de

 

Orientieren vor dem Studium – Übersicht

Das Studium vor dem Studium

Viele Hochschulen bieten Orientierungssemester an, in denen man Studiengänge kennenlernen, Campusluft schnuppern und manchmal auch Prüfungen ablegen kann. abi>> hat eine Auswahl zusammengestellt.

RWTH Aachen und FH Aachen

Das Programm „Guter Studienstart im Ingenieurbereich“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der RWTH Aachen und der FH Aachen. Rund 200 Studieninteressierte können während des Sommersemesters MINT-Studiengänge kennenlernen und dabei gleich zwei Hochschultypen testen.
www.guterstudienstart.de

FU Berlin

Im Rahmen des Einführungs- und Orientierungsstudiums EinS@FU können Studieninteressierte ein Jahr lang mehr als 40 Studiengänge an der FU ausprobieren. Fällig werden nur die üblichen Semestergebühren.
www.fu-berlin.de/sites/eins/ueber-eins/index.html

TU Berlin

Die TU Berlin bietet für Schülerinnen und Schüler, die sich für MINT-Studiengänge interessieren das einjährige Orientierungsstudium „MINT grün“ an. Es fallen die regulären Studiengebühren an.
www.mintgruen.tu-berlin.de

BTU Cottbus-Senftenberg: College+

College+ ist ein einjähriges Vorstudium, in dem Studieninteressierte Studiengangsmodule auswählen. Diese können später auf das jeweilige Fachstudium angerechnet werden.
www.b-tu.de/college/orientierungsstudium

TU Dresden

Auch die TU Dresden bietet verschiedene Orientierungsprogramme an. Zum Beispiel können leistungsmotivierte und studieninteressierte Schülerinnen und Schüler als Frühstudierende an ausgewählten regulären Lehrveranstaltungen teilnehmen. Hierfür ist eine Bewerbung erforderlich.
https://tu-dresden.de/studium/vor-dem-studium/uni-testen/schueleruni

FAU Erlangen-Nürnberg

Die „Modulstudien Naturale“ bieten Studieninteressierten die Möglichkeit, ein Semester in Naturwissenschaften reinzuschnuppern: von Physik, Chemie, Biologie, Biomathematik, Biophysik bis hin zur Wirtschaftsmathematik. Man kann Prüfungen ablegen.
https://meinstudium.fau.de/studiengang/modulstudien-naturale/

Hochschule Furtwangen

„Orientierung Technik am Standort Tuttlingen“ heißt ein Programm der Hochschule Furtwangen, das auf den ingenieurwissenschaftlichen Bereich zugeschnitten ist. Es liefert Einblicke in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT). Innerhalb eines halben Jahres lernen Studieninteressierte die Fachgebiete Medizintechnik, Werkstofftechnik, Produktionstechnik, Ingenieurpsychologie und Mechatronik kennen. Es fallen die regulären Studiengebühren an.
www.hfu-campus-tuttlingen.de/studiengaenge/orientierung-technik

TU München

An der TU München gibt es sowohl das „Studium naturale“ als auch das „Studium MINT“. „Studium-MINT“ findet im Sommersemester statt und konzentriert sich auf die Ingenieurwissenschaften. „Studium naturale“ dauert zwei Semester, der Schwerpunkt liegt auf Mathematik und Naturwissenschaften.
www.studiumnaturale.wzw.tum.de/index.php?id=2
www.tum.de/studium/studienangebot/studium-mint

Universität Siegen

„Brücke ins Studium“ ist ein Vorstudium in unterschiedlichen Studienfächern. Die Teilnehmer können sich kostenlos für die Dauer von ein bis maximal zwei Semestern anmelden. Der Einstieg ist zum Sommer- und Wintersemester möglich.
www.uni-siegen.de/zsb/bis/

Universität Tübingen

Das Leibniz Kolleg der Universität Tübingen bietet ein einjähriges Orientierungsstudium, das sowohl Einblicke in naturwissenschaftliche als auch in geistes-, rechts- und sozialwissenschaftliche Fächer ermöglicht. Es können Kosten für das Studium und die Unterbringung vor Ort anfallen.
www.uni-tuebingen.de/universitaet/campusleben/veranstaltungen/zentrale-veranstaltungen/studium-generale.html

Aicher-Scholl-Kolleg

Bei diesem außerhochschulischen Angebot können Abiturienten im Studienjahr von Oktober bis Juli individuell Seminare, Vorlesungen, Workshops, Exkursionen und Projekte aus verschiedenen Studienbereichen besuchen. Das Studienjahr kostet 275 Euro im Monat.
www.ask-ulm.de

Universität Witten/Herdecke

„Orientierungsstudium Kultur und Gesellschaft“ – hier können Interessierte zwei Semester lang Lehrveranstaltungen aus den Fachgebieten Philosophie, Kunst, Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften besuchen und an künstlerischen Projekten und Workshops teilnehmen. Das Orientierungsstudium kostet 200 Euro im Monat.
www.uni-wh.de/kultur/studium-und-lehre/orientierungsstudium-kultur-und-gesellschaft

 

Studienlots*innen

Vorurteile aus dem Weg räumen

Kann ein einziger Tag an der Uni die Studienentscheidung beeinflussen? „Auf jeden Fall“, findet Carla Hinrichs. Die 21-Jährige durfte im Rahmen des Studienlots*innen-Programms der Uni Bremen einen Tag lang eine Studentin begleiten und kam so ihrer Entscheidung für ein Studium einen großen Schritt näher.

In der Oberstufe war ich mir unsicher, was ich studieren soll. Ich habe mich für Politik und Wirtschaft interessiert und hatte daher Politikwissenschaften und BWL im Blick. Aber nach ersten Recherchen habe ich bei den Politikwissenschaften die Wirtschaft und bei den Wirtschaftswissenschaften die Politik vermisst. Ein Bekannter gab mir den Tipp, dass Jura beides kombiniert.

Jura habe ich mir immer unheimlich trocken vorgestellt. In meiner Familie gibt es keine Juristen und auch sonst kannte ich niemanden, der Jura studiert. Da ich aus Bremen komme, habe ich mich auf den Seiten der Uni Bremen umgeschaut und das Angebot „Studienlots*innen“ gefunden. Das Konzept hat mich sofort angesprochen, weil es so unkompliziert ist. Ich habe eine E-Mail an die Studienlotsen geschrieben und angegeben, welche Themen und welches Studienfach mich interessieren. Kurz darauf bekam ich eine Antwort von einer netten Studentin, die mir drei Termine zur Auswahl nannte.

Hörsaalluft schnuppern

Ein Porträt-Foto von Carla Hinrichs

Carla Hinrichs

Foto: privat

An einem Vormittag besuchte ich mit der Studienlotsin und zwei weiteren Schülerinnen eine Vorlesung. Da gerade das Sommersemester lief und der Studiengang immer zum Wintersemester startet, standen Veranstaltungen aus dem zweiten und vierten Semester zur Auswahl. Wir entschieden uns für eine Vorlesung zum Arbeitsrecht aus dem vierten Semester. Im Raum befanden sich etwa 60 Studierende, die alle Gesetzesbücher auf den Tischen liegen hatten. Verstanden habe ich ehrlich gesagt nicht viel – neugierig gemacht hatten mich die angesprochenen Fälle aber schon. Der eigentliche Punkt aber war die Atmosphäre: Es war wirklich angenehm und nicht so steif, wie ich es erwartet hatte.

Nach der Vorlesung haben wir uns in der Cafeteria auf dem Campus unterhalten. Zum Beispiel haben wir erfahren, dass es keine Anwesenheitspflicht für die Vorlesungen gibt. Unsere Studienlotsin etwa nutzt die Vorlesungen, andere lernen lieber in der Bibliothek für sich. Wir haben dann noch alle möglichen Fragen geklärt: etwa welchen Notenschnitt man braucht, wie lange das Studium dauert, wie es aufgebaut ist und wie der Unialltag so abläuft.

Sorgen ansprechen, Ängste nehmen

Mir hat imponiert, dass unsere Studienlotsin auch ganz offen über Schwierigkeiten gesprochen hat, die sie im Studium hatte. In solchen Fällen konnte ihr die Studienberatung aber helfen. Es läuft eben nicht immer alles glatt.

Ich hatte vor dem Treffen doch sehr viel Respekt vor dem neuen Lebensabschnitt, der mit einem Studium einhergeht. Nach dem Treffen war das anders. Ich war tatsächlich angetan von der Idee, Jura zu studieren und habe daraufhin ein Praktikum am Landgericht absolviert, um auch die berufliche Seite kennenzulernen. Mittlerweile bin ich im sechsten Semester und bereue meine Entscheidung nicht. Heute bin ich selbst als Studienlotsin aktiv und helfe anderen dabei, sich zu orientieren.

 

„Guter Studienstart“

Null Semester, aber viel gelernt

Fachhochschule oder Uni, Maschinenbau oder doch lieber Wirtschaftsingenieurwesen? Diese Fragen konnte Patrick Kunz (22) dank eines Orientierungssemesters in Aachen für sich beantworten.

Ein Oberstufenleiter unserer Schule hatte uns das Projekt „Guter Studienstart“ vorgestellt. Dabei handelt es sich um ein Kooperationsprojekt der RWTH und der FH Aachen. Rund 200 Studieninteressierte können in sechs Monaten – immer im Sommersemester – die Bereiche Elektrotechnik, Maschinenbau, Luft- und Raumfahrttechnik sowie Bauingenieurwesen kennenlernen und währenddessen sowohl an der Fachhochschule als auch an der Universität studieren. Mich hat das angesprochen, weil ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, ob ich an einer Fachhochschule oder an einer Universität studieren sollte und ich außerdem noch zwischen Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen mit Schwerpunkt Maschinenbau schwankte. Auch wenn Wirtschaftsingenieurwesen nicht explizit im Programm aufgeführt war, gab es genug Möglichkeiten, diesen Bereich kennenzulernen.

Volles Programm

Ein Porträt-Foto von Patrick Kunz

Patrick Kunz

Foto: Sebastian Dreher

Es gibt zwei Starttermine für das Projekt, einen im März und einen im Mai. Wenn man schon die Hochschulreife hat, kann man den Studierendenstatus erhalten. Wer Schüler ist, weil er etwa noch in den Abiturprüfungen steckt, ist Gasthörer. In beiden Fällen ist das Semester ein „Semester Null“.

Das Grundlagenprogramm umfasst die Bereiche Mathematik, Physik, Informatik, Mechanik und auch Praktika. Mathematik und die Teilnahme am studentischen Mentoring, einer wöchentlichen Veranstaltung, in der wir von Studierenden begleitet werden, sind verpflichtend. Zudem ist eine Projektwoche „pro8“ Pflicht, in der Achterteams an einer von einer Firma gestellten ingenieurwissenschaftlichen Entwickleraufgabe arbeiten. Dann gibt es noch ein Wahlprogramm, aus dem ich mir weitere Veranstaltungen raussuchen konnte.

Mit 14 Credit Points ins erste Semester

Im Orientierungssemester darf man auch Klausuren mitschreiben – egal, ob als Gasthörer oder mit Studierendenstatus. Wenn man sie besteht, kann man sich die Punkte später anrechnen lassen. Daher konnte ich bereits mit 14 Credit Points in mein erstes Semester starten. Das ist auf das gesamte Studium bezogen nicht viel, hat mir aber gerade am Anfang meines Studiums einen kleinen zeitlichen Puffer verschafft.

Für mich war das Projekt in vielerlei Hinsicht hilfreich: Ich bekam eine realistische Vorstellung davon, was es heißt, an einer Universität zu studieren und wie in etwa die Leistungsanforderungen sind. Nach dem Orientierungssemester wusste ich, Wirtschaftsingenieurwesen mit der Fachrichtung Maschinenbau an der RWTH ist das Richtige für mich. In meinem ersten richtigen Semester kannte ich dann schon einige Kommilitonen und konnte insgesamt entspannter ins Studium starten.

 

Studium generale

Wie geht studieren?

Schon während der Schulzeit Veranstaltungen an der Uni besuchen? Das geht! Der 19-jährige Phillip Brefka hat in der Oberstufe ein Semester lang parallel zum Schulunterricht einen Statistik-Kurs an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) besucht.

An meiner ehemaligen Schule gehören Mathematik, Biologie, Chemie, Informatik, Physik, Astronomie und Technik zu den Profilfächern. Im Rahmen eines Zusatzangebotes in Mathematik wurden einige von uns in der 11. Jahrgangsstufe von unserem Lehrer eingeladen, einen Statistikkurs an der Viadrina zu besuchen.

Mit Blick auf ein späteres Studium habe ich mich damals vor allem für Ingenieurwissenschaften und Physik interessiert, aber Kurse aus diesen Bereichen gab es leider nicht. Da es mir in erster Linie darum ging, zu erfahren, wie es ist, zu studieren, habe ich den Kurs aber trotzdem besucht.

Das Lernpensum an der Uni kennenlernen

Ein Porträt-Foto von Phillip Brefka

Phillip Brefka

Foto: privat

Der Kurs umfasste vier Semesterwochenstunden und fand im Sommersemester statt. Da sich die Universität nur wenige Kilometer von der Schule entfernt befindet, war das rein organisatorisch wenig Aufwand. Zeitlich lagen die Kurse so, dass ich zum Teil vom Schulunterricht befreit werden musste, was aber kein Problem war.

Der Statistikkurs beinhaltete eine Vorlesung über Grundlagen der Statistik und eine dazugehörige Übung. Da ich das Fach aus der Schule nicht kannte, musste ich einiges aus der Vorlesung nachbereiten. Der Arbeitsaufwand war aber in Ordnung. Ich hätte in dem Statistik-Kurs auch Prüfungen ablegen können. Den Lernaufwand habe ich aber dann doch lieber in die Schule gesteckt.

Verglichen mit dem Schulunterricht ist es doch etwas ganz anderes, in einer Vorlesung zu sitzen und mitzuschreiben. Auch das Pensum und das Lerntempo an einer Universität sind nicht vergleichbar mit dem Stoff, den man in der Schule bewältigen muss. So bekam ich durch den Kurs eine gute Vorstellung vom Unialltag und der Atmosphäre, die dort herrscht. Auch wenn ich kein regulär eingeschriebener Student war, war es kein Problem, Kontakt zu den Studierenden zu bekommen.

Grundlage für Studienentscheidung

Ein Jahr vor dem Abi habe ich zudem an der TU Dresden an der Sommeruniversität teilgenommen. Eine Woche lang konnten Studieninteressierte die unterschiedlichen Fakultäten besuchen. Dozenten haben ihren Studiengang vorgestellt, wir konnten Fragen stellen und uns mit Studierenden unterhalten.
Sowohl der Kurs an der Uni als auch die Sommeruniversität haben mir enorm weitergeholfen, mich zwischen Mechatronik, Elektrotechnik und Maschinenbau zu entscheiden. Ich studiere nun Mechatronik und bin mittlerweile im vierten Semester.


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Stand: 17.07.2019