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36 Seiten voller Selbsteinschätzung

Spielsteine mit aufgedruckten Buchstaben liegen auf einem Holzbrett und bilden das Wort Beruf.
Wo kann ich später einmal arbeiten? Der Borakel-Test der Uni Bochum gibt Antworten auf diese und andere Fragen zum Thema Selbsterkundung.
Foto: Tim Wraneschitz

Fächerübergreifende Tests zur Selbsterkundung

36 Seiten voller Selbsteinschätzung

Habe ich Führungsqualitäten? Bin ich fit in Sprachverständnis oder Mathematik? Und für welchen Beruf bin ich geeignet? Der Oberstufenschüler Moritz Dummert (18) hat sich beim fächerübergreifenden Borakel-Test der Ruhr-Universität Bochum selbst auf die Probe gestellt.

Drei Beratungsbereiche gibt es auf der Internetseite der Hochschule zur Auswahl. Moritz Dummert entschied sich für „Mein Berufsweg“, da er seinen Berufswunsch des Lehrers überprüfen wollte. Der Test ging nach der Anmeldung gleich in die Vollen: „Die Aufgaben waren sehr klar beschrieben und es war immer eindeutig, was zu tun ist. Aber gleich am Anfang musste ich im Block Mathematik zum Beispiel so schnell wie möglich dreistellige Zahlen nach der Größe ordnen oder Rechnungen lösen, das war gar nicht so einfach.“ Für seine Antworten zu den ersten beiden Blöcken, Mathematik und Sprachverständnis, hatte der Schüler der Wilhelm-Löhe-Schule in Nürnberg nämlich nur je zehn bis zwölf Minuten Zeit.

Bei „Sprachverständnis“ galt es, unter Zeitdruck logische Zusammenhänge richtig zu erkennen: „Bei einer Aufgabe waren die Aussagen ‚Alle Dorfbewohner sind Jäger‘ und ‚Alle Jäger sind Waffenträger‘ vorgegeben. Dann sollte ich beantworten, ob die dritte Aussage ‚Alle Waffenträger sind Dorfbewohner‘ stimmt, falsch ist oder ob die ersten beiden Aussagen dazu keinen Schluss zulassen.“ Mit Aufgaben wie diesen kam er einigermaßen gut zurecht, „nur bei Mathe bin ich zeitlich ziemlich unter Druck geraten.“ Das habe ihm aber nur seine Erkenntnis bestätigt, dass er in diesem Fach vor seinem Abitur im kommenden Mai noch Nachholbedarf hat.

Sich selbst hinterfragen

Ruhig und reflektierend konnte Moritz Dummert dagegen den Testblock über seine Persönlichkeit angehen, der keine Zeitvorgabe hatte. Etwa eine dreiviertel Stunde hat er sich hierbei Zeit genommen, sich selbst einzuschätzen. In diesem Teil galt es, je nach Aufgabe, auf einer Skala von eins bis zehn oder von eins bis hundert anzugeben, wie zutreffend er eine Aussage für sich selbst findet. „Da waren Sätze vorgegeben wie ‚In einer Gruppe verhalte ich mich dominant‘ oder ‚Ich lasse mir auch mal von anderen etwas sagen‘“, erinnert sich der 18-Jährige.

In jedem Falle habe er immer wahrheitsgemäß geantwortet und nicht so, dass er das Ergebnis in eine gezielte Richtung hätte lenken können: „Man muss ehrlich antworten, sonst bringt einem diese Selbsteinschätzung ja nichts“, findet er.

Insgesamt eineinhalb Stunden klickte sich der angehende Abiturient durch die Testseiten des Beratungstools Borakel. Nachdem er fertig war, musste er nur zehn Minuten warten, bis die E-Mail mit den Ergebnissen bei ihm eintrudelte. Eine PDF-Datei mit 36 Seiten gab an, wie er in den Blöcken abgeschnitten hatte und welche Schlüsse er daraus ziehen kann: „Ich fand sehr gut, dass vor jedem Block noch ein kleiner Text darauf hinweist, dass es sich um eine automatisierte Erfassung handelt. So kann man sich nochmal bewusst machen, dass die Ergebnisse die eigene Persönlichkeit nicht zu 100 Prozent widerspiegeln.“

Wichtige Schlüsse ziehen

Zwei Überraschungen fand Moritz Dummert unter seinen Resultaten: „Zum einen war ich auf der Skala beim spontanen Handeln sehr weit unten. Das trifft auf mich einfach nicht zu. Zum anderen wurde mir als Berufsfeld ‚Verwaltung‘ vorgeschlagen, dabei kann ich mir das gar nicht für mich vorstellen“, erzählt er. Von seinem Berufswunsch des Lehrers konnte ihn das Borakel damit nicht abbringen.

Dafür habe ihm der Test bestätigt, dass er Führungsqualitäten besitzt. Denn eine Aussage des Ergebnisses lautete: Wenn Sie ein gutes Konzept haben, dann wollen Sie dieses auch durchsetzen und dafür Überzeugungsarbeit leisten. „Dieser Satz spiegelt mich total wider, denn genauso gehe ich zum Beispiel als Schülersprecher vor“, bestätigt der 18-Jährige. Auch sei ihm diese Qualität wichtig für seine Berufswahl, denn als Lehrer müsse er sich durchsetzen können. Insgesamt fand er es sehr spannend, durch seine ganz persönliche Evaluierung zu stöbern.

„Ich kann den Test für jeden empfehlen, der noch keine Ahnung von seinen persönlichen Präferenzen hat und eine grobe Einschätzung zu Persönlichkeit und Berufsfeldern möchte“, zieht Moritz Dummert sein Fazit. Für sich persönlich nimmt er mit, dass er sich zwar nicht für das vorgeschlagene Berufsfeld Verwaltung entscheidet, aber dass er charakterlich das Zeug zum Lehrer hat.

abi>> 05.12.2016