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Tests für alle Fälle

Junge Frau mit Brille sitzt am Lehrerpult und bereitet eine Unterrichtsstunde vor.
Tests zur Berufs- und Studienwahl können bei der Entscheidung helfen, wie es beruflich weitergehen soll.
Foto: Julien Fertl

Tests zur Berufs- und Studienwahl

Tests für alle Fälle

Wer sich damit beschäftigt, wie es nach dem Abi weitergehen soll, sieht sich mit vielen Fragen konfrontiert: Studium oder Ausbildung? Was mit Technik oder was Soziales? Mit Kunden arbeiten oder lieber „hinter den Kulissen“ bleiben? Tests zur Berufs- und Studienwahl helfen, sich kennenzulernen, einzuschätzen und den Dschungel an Optionen zu lichten. abi>> erklärt, welche Verfahren es gibt und welche weitere Bausteine sinnvoll sind, um den eigenen Weg in die berufliche Zukunft zu finden.

Es war gar nicht so einfach, sich selbst einzuschätzen“, sagt Stine Cordes. Die 17-jährige Elftklässlerin erinnert sich noch gut an den über dreistündigen Eignungstest des geva-Instituts zur Berufswahl, den das Gymnasium im niedersächsischen Wildeshausen allen Zehntklässlern anbietet. Die Ergebnisse und Berufswahl-Vorschläge gaben ihr neue Impulse. So rückte das Thema Ausbildung in ihren Fokus. Sport- und Fitnesskauffrau – für sie als Sportbegeisterte durchaus eine Option. Auch das Berufsbild Veranstaltungskauffrau, über das sie sich daraufhin informierte, fand sie interessant.

Um besser zu verstehen, warum der Test, in dem es unter anderem um Interessen und Kompetenzen ging, zu bestimmten Vorschlägen führte, besprach sie das Ergebnis mit einem Beratungslehrer für Berufsorientierung. Dabei fiel ihr Augenmerk auf ihre Stärken: So wurde ihr etwa bescheinigt, dass sie sich gut schriftlich ausdrücken kann und sie über ein überdurchschnittlich hohes Selbstbewusstsein verfügt. Aspekte, die gut zu dem Beruf passen, den sie seit einem Praktikum beim Radio präferiert, das sie erst vor Kurzem machte: Sportmoderatorin im Hörfunk.

Stück für Stück tastet sich Stine Cordes nun weiter an die Zeit nach dem Abi heran und will sich über Studiengänge, Ausbildungen und Volontariate im Medien- und Sportbereich informieren, zum Beispiel bei Berufsmessen und Infoveranstaltungen ihrer Schule.

Mit der Berufsorientierung früh anfangen

Ein Porträt-Foto von Stine Cordes

Stine Cordes

Foto: Helge Cordes

Dass Stine Cordes sich früh damit beschäftigt, wie es nach dem Abi weitergehen soll, findet Claudia von Kuenheim, Beraterin für akademische Berufe bei der Agentur für Arbeit Tempelhof-Schöneberg in Berlin, sehr gut. Man solle nicht unterschätzen, wie viel Zeit es in Anspruch nehmen kann, bis man weiß, was man ab wann wo studieren oder welche Ausbildung man in welchem Betrieb machen will. „Je früher ich mich informiere, umso weniger Stress habe ich“, meint sie.

Es bleibe dann genügend Zeit, Bewerbungen zu schreiben, wenn man sich für Ausbildung oder duales Studium entschieden hat. Oder um einen potenziellen Studienort vorab zu besuchen, mit der Studienberatung zu sprechen und sich einfach mal in eine Vorlesung zu setzen. Und um sich in Schulfächern, die für den weiteren Ausbildungsweg besonders relevant sind, stärker – und motivierter – zu engagieren.

Erste wichtige Impulse

Fachübergreifende Testverfahren zur Berufs- und Studienorientierung sind ein guter Einstieg, um sich mit seiner beruflichen Zukunft zu beschäftigen. Wichtig zu wissen: Neben kostenfreien Angeboten gibt es auch einige, für die bezahlt werden muss (siehe die Übersicht Tests zur Berufs- und Studienorientierung"). „Selbsterkundungstests bieten Gelegenheit, sich kennenzulernen, und liefern erste wichtige Impulse“, erklärt Claudia von Kuenheim.

Je nach Angebot geht es um Interessen und Vorlieben, Stärken, Schwächen und soziale Kompetenzen. Oft wird auch nach Fähigkeiten gefragt, die man selbst einschätzt und/oder die man in Eignungstests überprüfen kann. Am Ende erfährt man beispielsweise, welche Studien- oder Ausbildungsmöglichkeiten zum eigenen Profil passen. Dabei sollte man sich auch grundsätzlich überlegen, ob man eine Neigung oder eine Stärke, die man angegeben hat – zum Beispiel Sport –, tatsächlich zum Beruf machen will oder lieber als Hobby weiterführen. Diese Frage können Tests nicht beantworten.

Ein Beispiel für einen solchen Orientierungstest ist das Selbsterkundungstool (SET) der Bundesagentur für Arbeit. Das SET unterstützt angehende Abiturienten dabei herauszufinden, welches Studium und welche Ausbildung zu ihnen passt. Sie bearbeiten online vier Module, in denen sie ihre Fähigkeiten, sozialen Kompetenzen, Interessen und beruflichen Vorlieben ermitteln. Am Ende erhalten sie Vorschläge für passende Studienfelder oder Ausbildungsberufe. (siehe den Erfahrungsbericht „Hilfe zur Selbsthilfe bei der Studienwahl“)

Wer sich bereits fürs Studieren entschieden hat, kann direkt mit einem studienbezogenen Self-Assessment beginnen, etwa dem Orientierungstest (OT) des Wissenschaftsministeriums Baden-Württemberg. Der OT besteht aus dem Interessentest und drei optionalen Fähigkeitstests. In der Rückmeldung erfahren die Teilnehmer, welche Studiengänge zu ihnen passen.

Für das Wunschfach geeignet?

Ein Porträt-Foto von Claudia von Kuehnheim

Claudia von Kuehnheim

Foto: privat

Konkreter wird es, wenn man weiß, in welche Richtung man studieren will, aber noch nicht, ob der Wunsch zu einem passt. Dann können fachspezifische Self-Assessments Orientierung geben (siehe die Übersicht Fachspezifische Self-Assessments). Über die Studienfeldbezogenen Beratungstests (SFBT) der Bundesagentur für Arbeit kann man herausfinden, wie gut die eigenen Interessen und Fähigkeiten zu den Anforderungen bestimmter Studienfelder passen. Zur Auswahl stehen Informatik/Mathematik, Natur-, Ingenieur-, Wirtschafts-, Rechts- und Sprachwissenschaften. Die Tests werden vor Ort in den Agenturen für Arbeit durchgeführt. Schülerinnen und Schüler können die Ergebnisse im Anschluss mit Psychologen des Berufspsychologischen Services der Arbeitsagenturen besprechen.

Auch viele Hochschulen bieten sogenannte Online-Self-Assessments an, die zum Beispiel dabei helfen zu überprüfen, ob die persönlichen Vorstellungen zum Angebot passen (siehe das Porträt „Die eigenen Vorstellungen überprüfen“). Alle Hochschulen in Baden-Württemberg und einige in anderen Bundesländern verlangen die Teilnahme an einem Orientierungstest vor der Immatrikulation. Ebenfalls in Baden-Württemberg sowie an einigen Hochschulen anderer Bundesländer ist die Teilnahme an einer Tour des Programms „Career Counselling for Teachers“ erforderlich, wenn man ein Lehramtsstudium beginnen will. Wobei das Ergebnis nicht darüber entscheidet, ob man den Beruf ergreifen darf oder nicht. Manche Fakultäten verlangen zudem Studierfähigkeitstests, deren Ergebnisse ein Auswahlkriterium bei der Studienplatzvergabe sind. Dazu gehört zum Beispiel die Sporteignungsprüfung.

Gut gelaunt und motiviert

Für jeden Orientierungs- und Eignungstest sollte man sich Zeit nehmen, da die Tests teilweise eine Stunde und mehr Zeit in Anspruch nehmen. „Man sollte ausgeschlafen, gut gelaunt und motiviert sein, sich in einer ruhigen Umgebung konzentriert an den Test gehen und offen und ehrlich antworten“, rät Claudia von Kuenheim. Zugleich sollte man bedenken, dass Module, in denen es um Interessen und Neigungen gehe, Momentaufnahmen seien, die von äußeren Umständen beeinflusst werden können, fügt Michael Hümmer, Berufsberater der Agentur für Arbeit Fürth, hinzu: „An einem grauen Novembertag antworte ich vielleicht anders als bei strahlendem Sonnenschein und mit 16 anders als mit 18 Jahren.“

Diese Tests seien eine sinnvolle Orientierungshilfe, aber nur einer von vielen Bausteinen auf dem Weg zum passenden Studium oder zur passenden Ausbildung. Anders seien Kompetenztests zu bewerten, in denen es darum geht, ob eine Antwort richtig oder falsch ist.

Ergebnisse besprechen

Ein Porträt-Foto von Michael Hümmer

Michael Hümmer

Foto: privat

Ein elementarer weiterer Baustein sei die Nachbereitung der Tests (siehe die Reportage „Unvoreingenommen rangehen“). Nach Absolvierung erhält man meist Vorschläge zur Ausbildungs-, Berufs- und/oder Studienwahl. „Diese sollte man unbedingt mit jemanden besprechen“, betont Michael Hümmer. Familie, Freunde, Lehrer können Ansprechpartner sein. Oder natürlich ein Berufsberater oder eine Berufsberaterin.

Gerade, wenn die Empfehlungen überraschen – auch im negativen Sinne –, kann ein Gespräch helfen, sie nachzuvollziehen. Wichtig: Man sollte sich von den Vorschlägen nicht einschränken lassen. Natürlich darf jede und jeder auch einen Beruf ergreifen, der nicht auf den vorderen Plätzen rangiert. Die Beratung bietet überdies Gelegenheit, einzelne Aspekte zu hinterfragen und zu konkretisieren: „Man klickt schnell an, dass man gern mit Kindern arbeitet – aber nicht jedem ist bewusst, was das konkret in der Praxis bedeutet. Oder dass zum naturwissenschaftlichen Forschen meist auch die sehr zeitintensive Laborarbeit gehört“, weiß Michael Hümmer.

abi>> 03.06.2019