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Durchstarten mit einer Schülerfirma

Businessplan
Selbst ist der Schüler: In Schülerfirmen können Jugendliche Unternehmergeist entwickeln und eigene Geschäftsideen umsetzen.
Foto: Heidrun Hönninger

Bundes-Schülerfirmen-Contest

Durchstarten mit einer Schülerfirma

Vom Durchschnittsalter eines Vorstands in deutschen Unternehmen ist Rubin Lind mit seinen 17 Jahren noch weit entfernt. Dennoch arbeitet er bereits als Vorstandsvorsitzender – bei einer Schülerfirma, der Ecological Revolutionary Company (ERC). Beim Bundes-Schülerfirmen-Contest wurde die ERC, die Energieberatung für Unternehmen und Privathaushalte anbietet, zur zweitbesten Schülerfirma Deutschlands gewählt.

Die Idee für die Schülerfirma entstand 2011. Nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima überlegten die Schüler der damaligen gymnasialen Oberstufe im Landschulheim Schloss Heessen (NRW), was sie zur Energiewende beisteuern könnten. „Die Schüler wollten selbst etwas tun und entwickelten daher die Geschäftsidee einer Energieberatungsfirma“, sagt Rubin Lind. Zuerst überlegten sie sich, wie das Angebot aussehen soll, wer zu ihren Kunden zählt und wie sie diese erreichen können. Anschließend überprüfte der Rheinisch-Westfälische Genossenschaftsverband die erstellten Unterlagen und ein Gründungstermin wurde vereinbart.

Breites Leistungsspektrum

Ein Porträt-Foto von Rubin Lind

Rubin Lind

Foto: privat

„Zunächst haben wir Hauseigentümer beraten, wie sie Energie einsparen können“, erklärt der Schüler aus Hamm/Westfalen. Nach und nach eigneten sie sich in verschiedenen Fortbildungen immer mehr Wissen zu unterschiedlichen Energieberatungstypen an: „Wir haben uns zunehmend professioneller aufgestellt und bieten heute ein breites Leistungsspektrum. Mit einer Wärmebildkamera erstellen wir Thermografiebilder und zeigen auf, wo Defizite im Bereich der Wärmedämmung vorliegen. Zudem informieren wir unsere Kunden, wie sie richtig heizen oder lüften und nehmen Leuchtmittel sowie elektronische Geräte hinsichtlich ihres Stromverbrauchs unter die Lupe.“

Rund 20 Schüler der Jahrgangsstufen zehn bis zwölf arbeiten in der auf dem genossenschaftlichen Prinzip gegründeten Schülerfirma. „Wer mitmachen möchte, muss sich mit einem Motivationsschreiben bewerben“, sagt Rubin Lind. „Entsprechend der individuellen Stärken werden Interessierte dann in Vorstand, Aufsichtsrat, Marketing, Öffentlichkeitsarbeit, Buchhaltung, IT oder Kundenbetreuung eingesetzt.“ Wer will, kann bis zu drei Jahre in der Firma neben dem Schulalltag mitwirken. „Fünf Stunden pro Woche sollte man mindestens einplanen“, meint Rubin Lind. „Wenn wir gerade viel zu tun haben, auch mehr.“

Einfluss auf die Schulnoten hat das Engagement in der Firma nicht; die Schule stellt allerdings ein Zertifikat aus, das den Schülern bei Bewerbungen als Nachweis dient.

Schülerfirmen-Wettbewerbe als Ansporn

Mit ihrem Konzept der Energieberatung kommen die Schüler an: 2015 erzielte die Firma rund 1.700 Euro Umsatz. Den erwirtschafteten Gewinn reinvestieren sie vorwiegend in die Firma, einen Teil spenden sie für gemeinnützige Projekte. Doch nicht nur bei den Kunden stoßen die Schüler auf positive Resonanz: Die Schülerfirma nahm im Geschäftsjahr 2015/16 an verschiedenen Wettbewerben teil – unter anderem an den GreenTec Awards, Europas größtem Umweltpreis, und dem Bundes-Schülerfirmen-Contest. „Wir wollten uns mit anderen Schülerfirmen messen, um herauszufinden, wo wir eigentlich stehen“, sagt Rubin Lind. „Das hat uns angespornt, besser zu werden und uns noch mehr reinzuhängen.“

Beim Bundes-Schülerfirmen-Contest belegten sie den zweiten Platz. „Wir hatten davon im Internet gelesen und uns spontan im März entschieden mitzumachen, obwohl die Online-Abstimmung bereits im Januar begonnen hatte“, erinnert sich Rubin Lind. „Zum Glück mussten wir für die Teilnahme nicht viel vorbereiten: nur die Anmeldung ausfüllen, einen Vorstellungstext für die Wettbewerbswebseite schreiben und los ging es.“

Um bis Ende Juli möglichst viele Stimmen zu bekommen, machten die Schüler Werbung bei Kunden, Familien sowie weiteren Unterstützern und erhielten dadurch mehr als 800 Votes, was ihnen einen Platz unter den Top 20 Schülerfirmen einbrachte. Auch die Wettbewerbs-Jury war von der Geschäftsidee, der Firmenpräsentation und der Professionalität der Jugendlichen begeistert. Im November fuhren die Schüler zur Preisverleihung ins Bundeswirtschaftsministerium nach Berlin.

Preisgeld zur Weiterentwicklung

Das Preisgeld in Höhe von 1.500 Euro wollen Rubin Lind und seine Kollegen für die Weiterentwicklung der Firma nutzen. „Insgesamt war der Wettbewerb eine tolle Sache, um weitere Erfahrungen zu sammeln und Kontakte zu knüpfen“, sagt der 17-Jährige. „Zudem konnten wir unseren Bekanntheitsgrad durch die Teilnahme am Wettbewerb deutlich steigern, was sich natürlich positiv auf die Zahl der Kunden ausgewirkt hat.“ Bestärkt durch den Erfolg wird es für die Schülerfirma vermutlich nicht die letzte Teilnahme an einem solchen Wettbewerb gewesen sein. Rubin Lind möchte in naher Zukunft neben seinem Engagement bei ERC gerne eine eigene Unternehmensgesellschaft gründen.

Bundes-Schülerfirmen-Contest

Der Bundes-Schülerfirmen-Contest richtet sich an Schülerfirmen aller Schulformen. Die Teilnahme am bundesweiten Wettbewerb ist kostenfrei. Interessierte müssen sich zunächst online anmelden und sich auf der Webseite mit einem Unternehmensprofil vorstellen. Für die teilnehmenden Firmen kann online abgestimmt werden. Aus den 20 Schülerfirmen, die die meisten Stimmen erhalten haben, wählt eine Jury schließlich die Top 10 aus, die zur Preisverleihung nach Berlin geladen werden. Es gibt Preisgelder in Höhe von 500 bis 2.000 Euro.

 

Beim JUNIOR-Programm gründen Schüler ein auf ein Schuljahr befristetes Unternehmen, um Grundprinzipien unternehmerischen Handelns zu lernen. Die Sieger der JUNIOR-Landeswettbewerbe werden zum JUNIOR-Bundeswettbewerb nach Berlin eingeladen, wo sie sich an selbstgestalteten Messeständen und bei einer Bühnenpräsentation vorstellen. Weiteres Bewertungskriterium ist der Geschäftsbericht.

 

Weitere Informationen

Bundes-Schülerfirmen-Contest

Der bundesweite Wettbewerb richtet sich an Schüler aller Schulformen.

www.bundes-schuelerfirmen-contest.de

JUNIOR-Bundeswettbewerb

Der Junior-Bundeswettbewerb richtet sich an alle Sieger-Schülerfirmen der entsprechenden Landeswettbewerbe.

www.junior-programme.de/de/startseite

studienwahl.de

Die Seite listet eine Reihe von Schülerwettbewerben auf.

www.studienwahl.de/de/wettbewerbe.htm

Arbeitsgemeinschaft der Juniorenfirmen Deutschland e.V.

Die Arbeitsgemeinschaft ist ein kooperativer Zusammenschluss von betrieblichen und schulischen Juniorfirmen.

www.juniorenfirmen.de

Schülerfirmen.de

Die Webseite bietet Informationen rund um Gründung und Leitung einer Schülerfirma sowie Links zu Schülerfirmen in ganz Deutschland.

www.schuelerfirmen.de

unternehmergeist-macht-schule.de

Portal des Bundeswirtschaftsministeriums mit Informationen für Lehrer und Schüler zum Thema ökonomische Bildung

www.unternehmergeist-macht-schule.de

Bildungsserver

Nachrichten und Mitteilungen zum Bildungsbereich Schülerfirmen

www.bildungsserver.de/Schuelerfirmen-2153.html

Arbeitsgemeinschaft bundesweiter Schülerwettbewerbe

Portal mit Informationen zu Schülerwettbewerben

www.bundeswettbewerbe.de

 

abi>> 11.08.2016