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„Politik beginnt im Klassenraum“

Blick auf laminierte Karten, die auf einem grünen Sofa liegen.
Eine Teilnahme lohnt sich: Im Rahmen des Schülerwettbewerbs lernen die Schüler, sachbezogene Gespräche zu führen und argumentativ zu überzeugen.
Foto: Julien Fertl

Jugend debattiert: Interview

„Politik beginnt im Klassenraum“

Ansgar Kemmann von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung leitet den Schülerwettbewerb „Jugend debattiert“, an dem sich über 1.200 Schulen in Deutschland beteiligen. Im Interview mit abi» berichtet er von Zielen und dem Ablauf des Wettbewerbs.

abi>> Herr Kemmann, an wen richtet sich der Wettbewerb „Jugend debattiert“ und wie läuft er ab?

Ansgar Kemmann: „Jugend debattiert“ richtet sich an Schüler weiterführender Schulen, wobei die meisten Teilnehmer Gymnasiasten sind. Schon in der Unterstufe können die Schulen Klassenwettbewerbe durchführen. Eine Unterrichtsreihe bereitet auf den Wettbewerb vor. In jeder Debatte geht es darum, dass die Teilnehmer für oder gegen eine bestimmte Fragestellung argumentieren.

Ein Porträtfoto von Ansgar Kemmann

Ansgar Kemmann

Foto: privat

Anders als bei einer Diskussion läuft eine Debatte nach klaren Regeln ab, und anders als bei einer Verhandlung geht es nicht darum, ein übereinstimmendes Ergebnis zu finden. Die Schüler lernen, Meinungsunterschiede auszuhalten. Die Argumente werden in einer sachbezogenen konstruktiven Atmosphäre klar herausgearbeitet. Eine Jury beurteilt die Debattanten nach den Kriterien Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft. Für die Klassen 8 bis 13 wird der Wettbewerb auch auf überschulischer Ebene angeboten. Auf den Schulwettbewerb folgen dann jeweils für die Gewinner der Regional-, der Landes- und schließlich der Bundeswettbewerb.

abi>> Welche Ziele verfolgt der Wettbewerb und was wird von Teilnehmern erwartet?

Ansgar Kemmann: Im Wechsel von Rede und Gegenrede lernen die Schüler, sachbezogene Gespräche zu führen und ihr Gegenüber argumentativ zu überzeugen. Das ist besonders relevant, wenn es um politische Fragen geht, wobei wir damit alle Fragen meinen, die nicht jeder für sich allein beantworten kann, auch Fragen wie „Soll eine Klassenkasse eingeführt werden?“ oder „Sollen in unserer Klasse neue Poster aufgehängt werden?“. Da die Schüler immer wieder die Perspektive wechseln müssen, fördert der Wettbewerb die Meinungs- und Persönlichkeitsbildung. Die Schüler müssen jede Frage von zwei unterschiedlichen Seiten aus beleuchten und erfahren erst kurz vor Wettbewerbsbeginn, welchen Standpunkt sie in der Debatte übernehmen.

abi>> Wie können Schüler und Lehrer am Wettbewerb teilnehmen?

Ansgar Kemmann: Um teilnehmen zu können, muss ihre Schule bei „Jugend debattiert“ registriert sein. Ein Schulkoordinator hat einen Überblick darüber, in welchen Klassen und Kursen der Wettbewerb läuft. In manchen Schulen gibt es offene Meisterschaften, sodass Schüler auch unabhängig von ihrer Klasse oder ihrem Kurs daran teilnehmen können. Die beteiligten Lehrer müssen eine Fortbildung besuchen, die ihnen vermittelt, wie Debatten funktionieren und wie sie das Debattieren in den Unterricht integrieren können.

abi>> Welchen Gewinn haben junge Leute von einer Teilnahme?

Ansgar Kemmann: Viele Schüler treibt zunächst die Qualifikation für die nächste Ebene an. Zur Vorbereitung auf die Landes- und Bundesebene können sie außerdem mehrtägige Trainingsseminare besuchen, wo sie andere Teilnehmer kennenlernen. Diese Seminare sind sehr beliebt, weil die Schüler sich dort wertschätzen lernen, bevor sie im Wettbewerb aufeinandertreffen. Außerdem hilft es den Schülern, erfolgreich aufzutreten, wovon sie zum Beispiel auch bei mündlichen Prüfungen profitieren.

Wenn sie im Landesfinale antreten, stehen die Schüler an Plätzen im Landtag, wo Politiker – die Profis der Debatte – ihre Reden halten. Und im Bundeswettbewerb treffen sie den Bundespräsidenten. Schließlich bietet das Alumni-Programm den Gewinnern die Möglichkeit, sich innerhalb von „Jugend debattiert“ als Trainer oder Moderator zu qualifizieren und Empfehlungen für Stipendien zu bekommen. Doch auch wenn sie es nicht ganz nach oben schaffen, sehen viele Schüler es als einen Gewinn an, an einem guten Gespräch teilgenommen zu haben. Es hat einen großen Reiz, auch über Argumente nachzudenken, die man selbst nicht vertritt.

abi>> 17.02.2017