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Der Origami-Effekt

Eine junge Frau arbeitet im Labor.
Wem es Spaß macht, im Labor zu tüffteln und neue Entdeckungen zu machen, ist beim Wettbewerb "Jugend forscht" genau richtig.
Foto: Julien Fertl

Jugend forscht

Der Origami-Effekt

Mit der Erforschung von Hydrogelen hat Hien Le (20) 2017 den zweiten Preis im Fachgebiet Chemie des Bundeswettbewerbs „Jugend forscht“ gewonnen. abi>> erzählt sie von ihrem Projekt, den Wettbewerben und wie sich die Erlebnisse auf ihren Studienwunsch ausgewirkt haben.

Der Wettbewerb „Jugend forscht“ hat mich schon früh begeistert. Mein erstes Projekt habe ich deshalb auch schon in der 8. Klasse eingereicht. Die Idee für meine Forschung im Wettbewerbsjahr 2017 kam mir, als ich in einer Zeitschrift einen Artikel über die Venusfliegenfalle gelesen habe. Der Klappmechanismus dieser fleischfressenden Pflanze hat mich fasziniert und ich habe mir überlegt, wie man ihn technisch umsetzen könnte.

In diesem Zusammenhang bin ich auf Hydrogele gestoßen, deren Eigenschaften ich für mein Projekt erforscht habe. Dabei handelt es sich um ein ungiftiges, biologisch verträgliches Material, das viel Wasser aufnehmen kann. Es kann auf Umweltfaktoren wie Temperatur, Säure oder Licht reagieren und sich wie eine Origami-Figur zu 3-D-Formen wie Rollen oder Kapseln zusammenfalten.

Ein Porträt-Foto von Hien Le

Hien Lie

Foto: Stiftung Jugend forscht e.V.

Mögliche Anwendungsbereiche für diese selbstfaltenden Hydrogele liegen vor allem in der Medizin bei der künstlichen Herstellung von Geweben oder beim gezielten Wirkstofftransport. Je nachdem, welche Krankheit behandelt werden soll, kann man den Aufbau der Hydrogele so verändern, dass sie sich schneller oder langsamer auflösen. Damit kann man steuern, über welchen Zeitraum ein Medikament im Körper abgegeben wird und dadurch unerwünschte Nebenwirkungen einschränken.

Forschung an der Universität

Die Forschungsarbeit für mein Projekt war recht aufwendig. Da es an meiner Schule, dem Gymnasium an der Stadtmauer im rheinland-pfälzischen Bad Kreuznach, nicht die nötige Ausstattung gab, bin ich freitags nach dem Unterricht zur Universität Mainz gefahren. Hier konnte ich im Labor von Prof. Pol Besenius meine Experimente durchführen. Am Wochenende habe ich dann meine Ergebnisse ausgewertet und Fachliteratur recherchiert.

Im November 2016 habe ich das Projekt auf der Homepage des Wettbewerbs angemeldet, die schriftliche Ausarbeitung musste ich im darauffolgenden Januar abgeben. Im Februar durfte ich dann an der TH Bingen zum Regionalwettbewerb antreten. Dort präsentierte ich mein Projekt an einem eigenen Stand. Ich hatte zehn Minuten Zeit, der Jury meine Forschung vorzustellen und ihnen meine Hydrogele, Einbettformen und Origami-Modelle zu zeigen. Darauf folgten zehn weitere Minuten, in denen ich Fragen der Jury beantworten musste – mit Erfolg! Nach dem Sieg im Regionalwettbewerb ging es für mich zum Landeswettbewerb, der beim Chemiekonzern BASF in Ludwigshafen stattfand. Nachdem ich auch hier gewonnen hatte, durfte ich im Bundesfinale bei Siemens in Erlangen antreten: Dort habe ich den zweiten Platz im Bereich Chemie belegt.

Studienwunsch bestätigt

Für mich war die Teilnahme bei „Jugend forscht“ eine sehr wertvolle Erfahrung, da man die Möglichkeit, an einer selbst gewählten Fragestellung über einen längeren Zeitraum intensiv zu arbeiten, so an der Schule nicht hat. Ich wollte den Forscheralltag kennenlernen und wissen, wie es ist, weitermachen zu müssen, wenn die Dinge gerade nicht nach Plan laufen. Bei meiner Arbeit am Projekt habe ich gemerkt, dass ich mir gut vorstellen kann, später beruflich in die Forschung zu gehen.

Sehr bereichernd fand ich außerdem den Austausch mit den anderen Teilnehmern. Ich habe viele nette und interessante Menschen kennengelernt, zu denen ich heute noch Kontakt habe.

Als Preis für meinen zweiten Platz habe ich einen Forschungsaufenthalt an der University of Rhode Island in den USA gewonnen. Auch hier konnte ich mich wieder mit Hydrogelen beschäftigen. Mittlerweile studiere ich in München an der Ludwig-Maximilians-Universität Chemie im zweiten Semester und weiß nun, dass ich später einmal in der chemischen Forschung zur medizinischen Anwendung arbeiten möchte.

Jugend forscht

„Jugend forscht“ ist Deutschlands bekanntester Nachwuchswettbewerb. Ziel ist es, Jugendliche für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zu begeistern, Talente zu finden und zu fördern. Pro Jahr gibt es bundesweit mehr als 120 Wettbewerbe bei „Jugend forscht“, deren Ausrichtung zusammen mit Patenunternehmen erfolgt.

 

Weitere Informationen

Jugend forscht

Offizielle Seite des Wettbewerbs mit allen Informationen zum Wettbewerb, zur Teilnahme und der Anmeldung
www.jugend-forscht.de

Bildung und Begabung

Deutsches Zentrum für Begabungsförderung mit Akademien und Wettbewerben
www.bildung-und-begabung.de

Stiftung Bildung und Gesellschaft

Fördert Bildungsprojekte mit Wettbewerben und dem monatlichen Primus-Preis
www.stiftung-bildung-und-gesellschaft.de

Arbeitsgemeinschaft bundesweiter Schülerwettbewerbe

Hier findest du Informationen über alle deutschen Schülerwettbewerbe.
www.bundeswettbewerbe.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen. Außerdem listet die Seite eine Reihe von Schülerwettbewerben auf.
www.studienwahl.de/de/wettbewerbe.html

abi>> 24.05.2018