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„Die Qualität der Einsendungen ist fantastisch“

Notenblaetter stehen an der Orgel der Johanniskirche in Bielefeld.
Das Komponierhandwerk vertiefen: Den Gewinnern des Wettbewerbs "Jugend komponiert" winkt die Teilnahme an einer einwöchigen Kompositionswerkstatt.
Foto: Thomas Starke

Jugend komponiert – Interview

„Die Qualität der Einsendungen ist fantastisch“

Philipp Vandré ist künstlerischer Leiter des Bundeswettbewerbs „Jugend komponiert“. Im abi>> Interview verrät er, was es braucht, um einen der begehrten Preise zu erhalten und warum er sich noch mehr Mädchen und junge Frauen unter den Bewerbern wünscht.

abi>> Herr Vandré, der Bundeswettbewerb „Jugend komponiert“ existiert seit 30 Jahren und ist eine echte Institution. An wen richtet sich der Wettbewerb?

Philipp Vandré: Die „Jeunesses Musicales Deutschland“ lädt alle jungen Komponierenden im Alter von 12 bis 22 Jahren, die in Deutschland leben oder die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, zur Teilnahme am Wettbewerb ein. Ausgenommen sind Studierende, die Komposition als Hauptfach an einer Hochschule gewählt haben.

abi>> Wie kann man teilnehmen?

Ein Porträt-Foto von Philipp Vandré

Philipp Vandré

Foto: privat

Philipp Vandré: Jedes Jahr im Mai veröffentlichen wir die neue Ausschreibung und rufen dazu auf, uns Kompositionen zu schicken. In den Werkkategorien 1 und 2 freuen wir uns auf Kompositionen für fünf jährlich wechselnde Instrumente – entweder für ein zwei- bis fünfköpfiges Ensemble oder für ein Soloinstrument. In der Werkkategorie 3 können zudem auch Kompositionen für andere Besetzungen eingesendet werden. Einsendeschluss ist Anfang Januar des Folgejahres, so dass den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ausreichend Zeit bleibt, ihre Stücke zu schreiben.

abi>> Und dann setzt sich die dreiköpfige Jury zusammen und wählt die Gewinner aus?

Philipp Vandré: Genau, wir treffen uns an einem verlängerten Wochenende und nehmen die eingesandten Werke ganz genau unter die Lupe. Manchmal spielen wir uns die Stücke selbst auf dem Klavier vor, in der dritten, offenen Kategorie sind auch Tonaufnahmen beigelegt, in die wir hineinhören können, wenn es sich etwa um experimentelle Musik handelt. Daraufhin besprechen wir in der Gruppe die einzelnen Werke und wählen schließlich unsere Sieger aus. 15 Bundespreisträger und 15 Förderpreisträger.

abi>> Wissen Sie, von wem die Stücke stammen?

Philipp Vandré: Nein, nicht während der Juryarbeit! Das erfahren wir erst, wenn wir uns festgelegt haben, welche Kompositionen mit welchem Preis ausgezeichnet werden. Wir wissen vorher nur, wie alt die Komponistinnen und Komponisten sind, ob und seit wann sie Kompositionsunterricht erhalten und welches Instrument sie gegebenenfalls spielen. Das ist uns wichtig, denn wir treffen unsere Urteile perspektivisch, das heißt, wir lassen in unsere Beurteilung auch einfließen, welches Potenzial wir in den Kompositionen sehen.

abi>> Wie wird der Wettbewerb angenommen?

Philipp Vandré: Sehr gut. Wir haben jedes Jahr zwischen 200 und 300 Einsendungen. Anfangs vor allem von jungen Männern, mittlerweile holen die Mädchen auf. Aber ich würde mir wünschen, dass diese Zahl noch steigt und sich auch junge Frauen noch stärker für das Komponieren begeistern.

abi>> Auf diese hohe Anzahl an Einsendungen kommen nur 30 Gewinner. Was ist, wenn es nicht auf Anhieb klappt?

Philipp Vandré: Der Anspruch bei unserem Wettbewerb ist hoch, die Qualität der Einsendungen ist fantastisch und in den vergangenen Jahren sehr gestiegen, daher ist es kein Beinbruch, wenn es nicht auf Anhieb klappt. Ich rate den jungen Komponisten, es im kommenden Jahr wieder zu versuchen und sich auch bei den Landeswettbewerben von „Jugend komponiert“ zu bewerben. Denn es ist wichtig, dass sie die noch immer zu wenigen Gelegenheiten nutzen, um sich über ihr Komponieren austauschen zu können und weiterführende Rückmeldung erhalten.

Wer es nicht geschafft hat, kann sich an uns wenden, wenn er Rat sucht – und profitiert hoffentlich von unseren Tipps für die nächste Runde.

abi>> Verraten Sie uns zu guter Letzt noch, was es zu gewinnen gibt?

Philipp Vandré: Allen Siegern winkt ein Vollstipendium für eine intensive Kompositionswerkstatt in der Musikakademie Schloss Weikersheim. Die Werke der Bundespreisträgerinnen und Bundespreisträger in den Kategorien 1 und 2 werden zusätzlich in der Musikhochschule in Frankfurt aufgeführt, hochwertig für eine CD produziert und in einer etablierten Reihe von hr2-kultur gesendet.

abi>> 09.01.2019