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Ein Fest für leidenschaftliche Musiker

Eine junge Frau spielt auf einem Klavier.
„Jugend musiziert“ richtet sich an alle jungen Menschen, die leidenschaftlich gern musizieren.
Foto: Nancy Heusel

Jugend musiziert: Interview

Ein Fest für leidenschaftliche Musiker

Professor Ulrich Rademacher ist Direktor der Westfälischen Schule für Musik und Juror beim Musikwettbewerb „Jugend musiziert“ auf Bundesebene. Im Gespräch mit abi» erläutert er die Auswahlkriterien der Jury und gibt potenziellen Teilnehmern Tipps.

abi>> Herr Prof. Rademacher, an wen richtet sich „Jugend musiziert“? Nur an Spitzentalente?

Ein Porträt-Foto von Prof. Ulrich Rademacher

Prof. Ulrich Rademacher

Foto: privat

Ulrich Rademacher: „Jugend musiziert“ richtet sich keineswegs nur an Ausnahmemusiker, sondern an alle jungen Menschen, die leidenschaftlich gern musizieren und ernsthaft daran arbeiten, sich mit Musik auszudrücken. Organisiert wird der Wettbewerb auf drei Ebenen: auf Regional-, Landes- und Bundesebene. Gerade die regionalen Wettbewerbe sind große Musikfeste.

abi>> Leidenschaft und Ernsthaftigkeit – was erwarten Sie von den Teilnehmern darüber hinaus?

Ulrich Rademacher: Wir erwarten, dass sie ihr Handwerk verstehen. Dass sie unverkrampft Musik zum Klingen bringen. Wir freuen uns über stilistische Vielfalt, authentisches und ausdrucksvolles Musizieren und eine gute Bühnenpräsenz.

abi>> Sind das auch Parameter, nach denen Sie die Sieger ermitteln?

Ulrich Rademacher: Ja, aber da muss ich einhaken: Bei „Jugend musiziert“ gibt es weder Sieger noch Verlierer. Wir vergeben Punkte für bestimmte Leistungen und das System lässt es zu, dass mehrere herausragende Teilnehmer zum Beispiel im Punktespektrum eines ersten Preises angesiedelt sind. Wir sprechen daher nicht von Siegern, sondern von Preisträgern.

abi>> Wie viel Zeit investieren die Teilnehmer Ihrer Erfahrung nach für die Vorbereitung auf den Wettbewerb?

Ulrich Rademacher: Ich gehe davon aus, dass die Teilnehmer an den Regionalwettbewerben im Schnitt eine halbe bis eine Stunde pro Tag üben. Beim Landeswettbewerb finden sich meistens Leute, die über eine Stunde pro Tag investieren. Dazu kommen mehrere Sonderproben. Die meisten beginnen im Herbst mit der Vorbereitung auf das Wettbewerbsprogramm. Die Wettbewerbssaison endet kurz vor den Sommerferien.

abi>> Darf jeder Teilnehmer sein Programm selbst zusammenstellen?

Ulrich Rademacher: Es gibt keine Pflichtstücke, aber gewisse Vorgaben, zum Beispiel die Länge. Es müssen sowohl schnelle als auch langsame Stücke vorgetragen werden.

abi>> Inwiefern profitieren junge Leute von der Teilnahme an „Jugend musiziert“?

Ulrich Rademacher: Leistung zeigen, Verantwortung, Freude und Engagement teilen: Das ist ein großer Gewinn für alle Beteiligten. Außerdem können die Teilnehmer ihre Bühnenpräsenz vor einer Jury testen. Wer das ein paar Mal gemacht hat, bekommt nicht so leicht weiche Knie – vermutlich auch nicht in einem Bewerbungsgespräch. Zudem trainiert die ernsthafte Vorbereitung auf den Wettbewerb das Durchhaltevermögen der Teilnehmer.

abi>> Und man kann austesten, ob man das Zeug zum Berufsmusiker hat.

Ulrich Rademacher: Ja, natürlich. Aber das kann nur ein Nebeneffekt bei „Jugend musiziert“ sein.

abi>> Haben Sie Tipps für potenzielle Teilnehmer?

Ulrich Rademacher: Interessierte sollten sich vorher überlegen, ob sie sich einem derartigen Leistungsvergleich stellen möchten. Man muss das wollen und zwar aus jugendlichem, sportlichem Ehrgeiz. Die eigentliche Motivation muss sein: Ich will meine musikalische Darbietung verbessern.

abi>> Gibt es eine Darbietung, die Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Ulrich Rademacher: Im letzten Jahr hat ein Ensemble aus zwölf jungen Musikern teilgenommen: Geiger, Klarinettisten, Akkordeonisten, Klavierspieler – eine seltene Kombination. Sie haben sich selbst organisiert, ein Stück eingeübt und sich einen Lehrer gesucht – aus Leidenschaft und eigenem Antrieb. Diese selbstbestimmte Motivation und die daraus resultierende musikalische Darbietung fand ich klasse.

abi>> 30.06.2016