Zwischen Straße und Schreibtisch
Streetworker, Physiotherapeut, Diakon, Sozialwirt: Die Auswahl an Berufen im Bereich Helfen und Betreuen ist groß. Berufsberaterin Maria Dick von der Arbeitsagentur München filtert im Gespräch mit den Ratsuchenden den richtigen heraus.
Wer anderen helfend zur Seite stehen möchte, hat jede Menge berufliche Möglichkeiten.
Foto: Doerfel
Zu Beginn der Beratung klärt sie, auf welche Art und Weise geholfen werden soll und welche Personengruppe interessant ist. Sollen es Kinder und Jugendliche sein, Erwachsene mittleren Alters oder Senioren? Will der Ratsuchende lieber mit einer Gruppe oder mit Einzelpersonen arbeiten? Mit Kranken, Süchtigen oder Behinderten? „An dieser Stelle im Beratungsgespräch sind Negativ-Abgrenzungen häufig sehr aussagekräftig. Meist kann der junge Mensch wesentlich leichter entscheiden, was er nicht möchte, als das zu benennen, was er gerne machen würde", weiß Maria Dick.
Gute Alternativen
Eine weitere grundsätzliche Entscheidung, die getroffen werden muss, ist pro oder contra Studium. Ein Beispiel: Eine Alternative zum Sozialpädagogikstudium ist etwa die Ausbildung zum Erzieher. Wer medizinisch tätig werden, aber nicht studieren will, hat viele Möglichkeiten: Augenoptiker, Ergotherapeut, Logopäde oder Exoten wie Podologe (medizinischer Fußpfleger) und Zytologieassistent (bereitet Zellen für mikroskopische Untersuchungen vor) sind nur einige davon. Auch wer nicht Medizin studieren will oder kann, weil der Notendurchschnitt nicht ausreicht, hat Alternativen. Er kann beispielsweise Gerontologe (arbeiten mit älteren Menschen) oder Gesundheitswirt werden. Den Beruf des Heilpädagogen kann man ebenso wie den des Ergo- oder Physiotherapeut mit oder ohne Studium ergreifen.
Voraussetzungen
Wer mit dem Wunsch, etwas mit Helfen und Betreuen machen zu wollen, in die Berufsberatung kommt, hat häufig schon Erfahrungen in diesem Bereich gemacht. Zum Beispiel durch Betroffenheit im familiären Umfeld oder durch Praktika, als Ehrenamtlicher, während eines freiwilligen sozialen Jahres oder auch im Nebenjob. Wer so eine Erfahrung nicht vorweisen kann, dem empfiehlt Maria Dick unbedingt, in das berufliche Umfeld hineinzuschnuppern. „Für viele Ausbildungen in diesem Bereich sind Praktika ohnehin Voraussetzung", sagt sie. Aber auch Gespräche mit Leuten, die den Beruf ausüben, können weiterhelfen. So kann man herausfinden, ob man beispielsweise mit den Arbeitszeiten in einem Jugendhaus zurechtkommt. Dort muss man sich nämlich daran orientieren, wann die Jugendlichen Zeit haben: Nachmittags, abends und vor allem auch am Wochenende.
Da man bei den meisten Berufen sehr nah an den Menschen und damit auch an ihren Problemen und unter Umständen dramatischen Situationen dran ist, ist ein entsprechend dickes Fell nötig. „Schwierig kann es sein, wenn die Ratsuchenden selber betroffen sind, eventuell psychische Erkrankungen vorliegen, beziehungsweise vorlagen", sagt Maria Dick. Hier gibt sie den Hinweis, den Berufswunsch auch mit dem eigenen Therapeuten oder Arzt zu besprechen. Auch Menschen mit Helfersyndrom bringen häufig nicht die nötige Fähigkeit mit, sich auf den Patienten einzulassen beziehungsweise sich selbst gut genug abzugrenzen.
Eine Alternative könnte dann zum Beispiel sein, nach einem Pflegemanagementstudium auf der Organisationsebene einzusteigen. Aber auch außerhalb des pflegerischen und betreuenden Kernbereichs gibt es Möglichkeiten, Menschen helfend oder beratend zur Seite zu stehen. In Behörden oder vielen kaufmännischen Berufen etwa, spielt das Beraten und Erteilen von Auskünften eine wichtige Rolle. Hier kommen auch Pädagogen oder Berufsberater in die Auswahl.
Chancen auf dem Arbeitsmarkt
So weit das Berufsfeld rund um Helfen und Betreuen gefasst werden kann, so unterschiedlich sind die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt. Hier einige Beispiele: Laut dem „Arbeitsmarkt Kompakt 2007 Sozialarbeiter und -pädagogen" konnten einige Arbeitgeber bedingt durch das hohe Angebot an Fachkräften niedrigere Gehälter als in den Vorjahren durchsetzen. Die gute Nachricht: Die Zahl der bei der Bundesagentur für Arbeit in diesem Bereich gemeldeten offenen Stellen stieg im Jahresvergleich 2006 und 2007 von 44.082 auf 48.790, also um knapp elf Prozent.
Medizinern werden insgesamt glänzende Arbeitsmarktaussichten bescheinigt. Nach den Daten der Bundesagentur für Arbeit sank die Zahl der arbeitslosen Ärzte und Apotheker von 2006 auf 2007 um 25 Prozent. Und auch für einige Pflegeberufe gibt es Positives zu vermelden. „Gesundheits- und Krankenpfleger aber auch Altenpfleger befinden sich seit geraumer Zeit unter den Top Ten der am meisten gesuchten Mitarbeiter", sagt Judith Wüllerich, Arbeitsmarktexpertin bei der Bundesagentur für Arbeit.

