Physik zählt zu seinen Leidenschaften: Marcel Ernst gehörte zwei Mal zu den fünf Besten im nationalen Auswahlwettbewerb der IPhO. So reiste der heute 20-Jährige 2010 zur internationalen Endrunde nach Zagreb in Kroatien, im folgenden Jahr war er in Thailands Hauptstadt Bangkok dabei. Teilnehmer allgemeinbildender und beruflicher Schulen aus rund 80 Ländern kamen dort jeweils zusammen – eine bereichernde Erfahrung für den ehemaligen Gymnasiasten aus Sulingen bei Bremen, der beide Male nicht nur mit einer Medaille nach Hause fuhr, sondern auch Freundschaften über Ländergrenzen hinweg geschlossen und seine Physikkenntnisse vertieft hatte.
„Meine Familie hat mein Interesse an Naturwissenschaften stark gefördert, sodass ich mich schon früh mit diesen Themen beschäftigte“, erzählt Marcel Ernst. Schon seit der siebten Klasse hatte er regelmäßig an der Mathematik-Olympiade und anderen Schülerwettbewerben teilgenommen. „Diese Wettbewerbe haben mich einerseits geistig herausgefordert und mir andererseits die Möglichkeit gegeben, Dinge zu lernen, denen man sich in der Schule nicht widmet.“
Vier Runden bestehen
Das nationale Auswahlverfahren ist vierstufig und beginnt mit zwei Hausaufgabenrunden, in denen die Schüler die Aufgaben selbstständig bearbeiten und einschicken. Als einer von 50 wurde der 20-Jährige zur dritten Runde am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Göttingen eingeladen. Innerhalb einer Woche sind zwei dreistündige Klausuren und zwei Experimente zu bewältigen. In einem der Experimente war eine elektrische Blackbox mit mehreren Anschlüssen sowie Kondensatoren, Widerständen, Spulen und einem
Wechselstromnetzteil gegeben. „Mit entsprechenden Messgeräten mussten wir dann die Schaltung und Größen der in der Blackbox enthaltenen elektrischen Bauteile bestimmen“, berichtet Marcel Ernst, dem auch das Rahmenprogramm gut gefiel. „Es wurden verschiedene Seminare zu physikalischen Themen und Exkursionen angeboten.“ Er schaffte es jeweils unter die 15 Besten und damit in die vierte Runde, die 2010 im Forschungszentrum Jülich und 2011 am Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY) in Hamburg abgehalten wurde. Bei weiteren vier Klausuren in einer Woche ging es ums Ganze ‒ den Einzug in das deutsche Nationalteam. Mit ihm schafften es beide Male vier Jungs, die alle mindestens die zehnte Klasse besuchten.
Während der internationalen Entscheidung stehen an zwei Vormittagen fünfstündige Klausuren an; wieder eine theoretische und eine experimentelle Arbeit. Die Teilnehmer hatten daneben aber auch reichlich Gelegenheit, das Gastland kennenzulernen, denn für den gesamten Aufenthalt sind zehn Tage vorgesehen. Marcel Ernst denkt gerne daran zurück: „Die verbleibende Zeit verbrachten wir mit Exkursionen, außerdem gab es ein abwechslungsreiches Freizeitprogramm. In Kroatien konnte ich zum Beispiel einen Nationalpark besuchen, einen Strandtag einlegen und die Stadt Zagreb näher kennenlernen.“ Eine Erfahrung, die zusammenschweißt. „Während der Exkursionen und abends in der Herberge konnten wir viel Zeit mit den anderen Teilnehmern verbringen.“
Mehrfacher Gewinn
Die Teilnahme, zieht der zweifache Gewinner Bilanz, hat ihm in mehrerer Hinsicht viel gebracht: „Die interessanten, kreativen und anregenden Aufgaben haben mich angespornt mehr zu lernen und meine physikalischen Fähigkeiten zu verbessern.“ Auch der Austausch mit Gleichgesinnten sei eine Bereicherung gewesen: „Auf den Olympiaden herrscht eine besondere internationale Atmosphäre, da Menschen aus aller Welt und vielen Kulturen zusammen sind.“
Ein weiterer Pluspunkt: Wer es ins Nationalteam schafft, wird in die Studienstiftung des deutschen Volkes aufgenommen. Das damit verknüpfte Stipendium kommt Marcel Ernst in seinem Physikstudium an der Uni Göttingen, das er inzwischen angefangen hat, zugute. „Allerdings stand für mich bereits vor der Olympiade fest, dass ich Physik studieren möchte“, berichtet er. „Aber die Erfahrungen, die ich dabei sammeln konnte, sind durchaus hilfreich. Durch den Wettbewerb hatte ich mir bereits Wissen angeeignet, das über den schulischen Unterrichtsstoff hinausging.“ Im späteren Berufsleben möchte der Student etwas Sinnvolles tun. „Vor allem bin ich am Umwelt- und Klimaschutz interessiert. Ich möchte durch physikalische Forschung und darüber hinausgehendes Engagement meinen Beitrag für die Verbesserung der Situation leisten.“
Internationale Physikolympiade
Teilnehmen können Schüler allgemeinbildender und beruflicher Schulen, die maximal 20 Jahre alt sind. Das nationale Auswahlverfahren ist vierstufig und beginnt über ein Jahr vor dem internationalen Finale, das jährlich im Juli stattfindet. Es besteht aus zwei mehrwöchigen Aufgabenrunden, die in Einzelarbeit zu Hause bearbeitet werden, sowie aus einer dritten Auswahlrunde, in die 50 Schüler vorrücken, und einer vierten Auswahlrunde, in der sich aus den verbleibenden 15 Teilnehmern die fünf Olympioniken für das Nationalteam herausbilden.






