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Stadt, Land, Uni

Die Universität Würzburg von außen.
Kann ich mich an dieser Uni wohlfühlen? Auch Emotionen können ein Entscheidungsgrund für oder gegen eine Uni sein.
Foto: Rehm/WillmyCC

Welche Hochschule ist die richtige für mich?

Stadt, Land, Uni

Ist die Frage nach dem passenden Studiengang geklärt, stellen sich angehenden Studierenden weitere, wie die nach der richtigen Hochschule oder dem richtigen Studienort. Es gibt verschiedene Arten von Hochschulen und auch wichtige Kriterien für die Wahl des Ortes. Wie du deinen Weg finden kannst, zeigt dir abi>>.

Nicolas Jerez aus Nürnberg gehört seit ein paar Monaten zu den rund 24.000 Studierenden in Regensburg. Der 19-Jährige studiert BWL an der dortigen Universität. Er schätzt die kurzen Wege: Vom Campus bis in die Altstadt mit den zahlreichen Kneipen und Cafés sind es nur zehn Minuten. „Ich kannte Regensburg von Besuchen bei Freunden, die hier studieren, und mochte die Atmosphäre der Stadt von Anfang an.“ BWL hätte er auch in Nürnberg studieren können. „Ich wollte aber unbedingt in eine andere Stadt ziehen.“ Bei der Wahl seines Studienortes war für ihn die Stadt eines der wichtigsten Argumente, aber auch der Ruf der Fakultät interessierte ihn: „Ich habe mich mit Studenten aus der Wirtschafts-Fachschaft unterhalten und das klang sehr überzeugend.“

Da sein Studiengang sowohl an der Universität als auch an der Fachhochschule angeboten wird, musste sich Nicolas Jerez entscheiden, an welche der beiden Einrichtungen er gehen möchte. Seine Wahl traf er aus dem Bauch heraus. Wichtig war ihm dabei unter anderem eine internationale Ausrichtung. „Da wir an der Uni auch internationale Themen behandeln und ein Auslandssemester unbedingt empfohlen wird, bin ich mit meiner Entscheidung sehr zufrieden.“

Nicolas Jerez

Nicolas Jerez

Foto: Privat

Bevor Nicolas Jerez allerdings entschieden hat, wo er studieren möchte, wusste er, dass er BWL machen möchte. „Den richtigen Studiengang zu finden ist auch das wichtigste Kriterium bei der Studien- und Hochschulwahl – auch vor dem Hintergrund, dass die Zahl der angebotenen Studiengänge stetig steigt“, sagt Anja Helmig vom Team akademische Berufe der Arbeitsagentur Wiesbaden. Erst im nächsten Schritt geht es um die Wahl der Hochschule. Dabei rät die Berufsberaterin, in erster Linie anhand der Studienpläne zu entscheiden, wo einen die Inhalte am meisten ansprechen. „Man sollte sich anschauen, wie viele Semester der Studiengang umfasst, welche Module vorgesehen sind, welche Lehrveranstaltungen angeboten, welche Forschungsschwerpunkte gesetzt werden und ob etwa ein Praxis- oder Auslandssemester integriert ist.“

Uni und FH gleichen sich an

Wer dann den passenden Studiengang gefunden hat, muss in einem zweiten Schritt entscheiden, wohin er möchte. Und die Auswahl ist groß: Laut Statistischem Bundesamt gab es im Wintersemester 2010/11 insgesamt 415 Hochschulen in Deutschland: 207 Fachhochschulen und 106 Universitäten, außerdem 51 Kunst-, Film- und Musikhochschulen, 16 kirchliche und sechs Pädagogische Hochschulen (nur Baden-Württemberg) sowie 29 Verwaltungsfachhochschulen. Hinzu kommen noch die Duale Hochschule Baden-Württemberg und die Fernhochschulen.

Universitäten bieten ein sehr breites Spektrum an Fächern an, sowohl in den Geistes- und Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, als auch in den mathematisch-naturwissenschaftlichen, technischen und ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen, außerdem Theologie und Sport. Bestimmte Fächerschwerpunkte gibt es etwa an Technischen Universitäten oder Kirchlichen Hochschulen. Zudem werden die bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengänge Human-, Zahn- und Tiermedizin sowie Pharmazie nur an Unis angeboten. Die Lehrerausbildung erfolgt in der Regel ebenfalls nur an Universitäten, in Baden-Württemberg auch an den Pädagogischen Hochschulen. Fachhochschulen, die sich heute meist als Hochschule mit dem Zusatz „University of Applied Sciences“ bezeichnen, offerieren ein vielfältiges Angebot im Ingenieurwesen, in der Informatik, der Wirtschaft, im Gesundheits- und Sozialwesen und im Design.

Im Wintersemester 2010/11 waren von den insgesamt 2,2 Millionen Studierenden 1,47 Millionen an einer Uni eingeschrieben und 684.000 an einer FH, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Die beiden Hochschularten haben sich im Zuge des Bologna-Prozesses und der Umstellung auf die Abschlüsse Bachelor und Master zunehmend angeglichen. Es ist zwar immer noch so, dass Universitäten in erster Linie Grundlagenforschung betreiben, also grundlegend neue Erkenntnisse gewinnen wollen, und Fachhochschulen anwendungsorientiert forschen, sich also an den Anforderungen der Wirtschaft orientieren, aber die Grenzen verschwimmen. „Heute sind auch weite Teile der Universitäten in ihrer Forschung anwendungsorientiert. Anders haben auch die Fachhochschulen mittlerweile einen Forschungsauftrag“, erklärt Dr. Thorsten Wilhelmy vom Wissenschaftsrat. Wobei er einräumt, dass die FH-Professoren mehr Praxiserfahrung haben, müssen sie doch, um an einer FH lehren zu können, in der Regel fünf Jahre Berufserfahrung mitbringen.

Auch das Betreuungsverhältnis unterscheidet sich nach wie vor. Es gibt zwar rein rechnerisch mehr Professoren an Universitäten, aber: „Professoren an Fachhochschulen lehren weit mehr Stunden als ihre Unikollegen, die neben der Lehre auch noch Forschung betreiben sollen. Insofern ist die Betreuung der Studierenden an den Fachhochschulen im Schnitt intensiver“, bestätigt Isabel Roessler, Projektmanagerin beim Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) (Weitere Unterschiede zwischen Uni und FH siehe Interview).

Weitere Hochschultypen

Etwas spezieller ist das Studienangebot an Musik-, Kunst- und Filmhochschulen, deren Studiengänge auf den jeweiligen Bereich zugeschnitten sind. Die Verwaltungsfachhochschulen wiederum bilden die Anwärter für den gehobenen Dienst in der öffentlichen Verwaltung aus. Wer sich speziell für duale Studiengänge interessiert, die in enger Kooperation mit dem ausbildenden Unternehmen stattfinden und gegebenenfalls sogar eine Berufsausbildung mit Kammerabschluss beinhalten, hat in Deutschland die Wahl: Angeboten werden sie in erster Linie an Fachhochschulen und der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, oder auch an Berufsakademien.

Bei der Suche nach der passenden Hochschule kann sich auch die Frage stellen: staatlich oder privat? „Private Hochschulen werben mit einer individuellen Betreuung, die aufgrund des guten Personalschlüssels möglich ist, sowie mit guten Kontakten zur Wirtschaft“, sagt Anja Helmig. Hier sollte man jedoch klären, ob dies für das gewünschte Studienfach nicht auch staatliche Hochschulen leisten. Ein wichtiger Punkt sind auch die Kosten: „Da die Gebühren an privaten Hochschulen recht hoch sind, muss sicher sein, dass man die Belastungen über die gesamte Studiendauer tragen kann.“ Bei privaten Hochschulen sollte man zudem sicherstellen, dass diese staatlich anerkannt sind.

Die richtige Stadt finden

Zu Studiengang und Hochschultyp kommen noch weitere Auswahlkriterien, wie etwa die Größe der Hochschule: Will man zum Beispiel an eine Universität mit vielen Fachbereichen in einem Ballungsraum, wie Viktoria Exner, die „International Production Engineering and Management“ an der Uni Erlangen-Nürnberg studiert? Oder an eine überschaubarere Fachhochschule, wie die Westsächsische Hochschule Zwickau, für die sich der Pflegemanagement-Student Stephan Wich entschieden hat? Angehende Studierende interessieren sich zudem für den Ruf der jeweiligen Hochschule oder Fakultät. Die Berufsberaterin rät hier jedoch zur Vorsicht: „Zieht man etwa Hochschulrankings zur Hochschulwahl heran, muss man sich genau anschauen, auf welchen Daten diese basieren. Außerdem sollten sie nicht erstes und alleiniges Entscheidungskriterium sein.“ ´

Des Weiteren sollten sich Studierwillige über mögliche Studienorte näher informieren: „Es gilt zu klären, wie der Wohnungsmarkt aussieht, wie hoch die Mietpreise sind, wie sich das Kultur- und Freizeitangebot gestaltet und welche Nebenjobmöglichkeiten es gibt“, zählt Anja Helmig auf. Bei knappem Budget können ein kostenloses Semesterticket für den Nahverkehr, günstige Mietpreise und gute Nebenjobaussichten für einen Studienort sprechen. Studiengebühren werden nur noch in Bayern und Niedersachsen erhoben, in Baden-Württemberg und Hamburg ist die Abschaffung für 2012 beschlossen. Nicht nur mit Blick auf die Kosten lohnt es sich übrigens, die ostdeutschen Studienorte in Betracht zu ziehen: Die Kampagne „Studieren in Fernost“ der Hochschulinitiative Neue Bundesländer, die westdeutsche Studieninteressierte auf ostdeutsche Hochschulen aufmerksam machen will, wirbt mit moderner Ausstattung der Hochschulen, dem guten Betreuungsverhältnis und niedrigen Lebenshaltungskosten. Auch sind in den Neuen Bundesländern Studiengänge häufiger zulassungsfrei als im Westen. Aber Vorsicht: Das gilt natürlich nicht für die bundesweit zulassungsbeschränkten Fächer.

Auf Zulassungsbeschränkung achten

„Zulassungsbeschränkungen sind auch ein wichtiger Punkt“, sagt Anja Helmig. Wer nämlich den Wunschstudiengang an der Wunschhochschule im Wunschort gefunden hat, muss sich rechtzeitig informieren, ob eine Zulassungsbeschränkung vorliegt – und ob er die Hürde nehmen kann oder nicht. „Wenn bei örtlich zulassungsbeschränkten Studiengängen die eigene Abiturnote weit über dem Numerus Clausus der letzten Semester an der Wunschhochschule liegt, kann man sich zwar trotzdem dort bewerben, sollte sich aber Alternativen überlegt haben.“

Für welchen Hochschultyp oder welchen Studienort sich Abiturienten letztendlich auch entscheiden, wichtig ist, sich beides vor Ort anzuschauen. „Wenn es sich einrichten lässt, sollte man verschiedene Hochschulen und auch Städte vorab besuchen, zum Beispiel im Rahmen von Hochschulinformationstagen“, rät die Berufsberaterin.

abi>> 12.12.2011