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Rubrik Lehrer und Eltern


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ADiA in Michigan

American Dream bei Bingo und Billard

Clemens Boisserèe aus Essen lebt als Freiwilliger in Flint, Michigan, USA — der Heimatstadt des bekannten Filmemachers Michael Moore — und betreut Senioren in einer Tageseinrichtung. Für abi>> erzählt der 20-Jährige von seinen Eindrücken und seinem Alltag in den Staaten.

Clemens Boisserèe steht inmitten seiner Seniorengruppe. Alle haben sich verkleidet.

Clemens Boisserèe (ganz hinten, Mitte) kümmert sich in Flint, Michigan um Senioren - und feiert auch Halloween mit ihnen.

Foto: Privat

Steckbrief

Name: Clemens Boisserèe

Alter: 20 Jahre

Abitur: 2009

Leistungskurse: Deutsch und Geschichte

Macht gerade: ADiA in Flint, Michigan, USA in einem Senior Center und zeitgleich ehrenamtliche Mitarbeit im Verein „World Horizon“

Und später? Journalismusstudium

Die Entscheidung, für ein Jahr in die USA gehen zu wollen, traf ich bereits vor drei Jahren. Damals hatte ich, bedingt durch einen Schulwechsel, meine Chance vertan, ein High School Jahr im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ zu erleben. So machte mich meine Mutter dann auf die Möglichkeit des „Anderer Dienst im Ausland“ (ADiA) als Ersatz für den Zivildienst aufmerksam.

Im Internet entdeckte ich den Verein „World Horizon“, eine Trägerorganisation für den ADiA durch das Bundesamt für Zivildienst. Mich überzeugten die Internethomepage und guten Kommentare und Erfahrungsberichte. Ende Oktober bewarb ich mich, im Dezember kam die Einladung zum Bewerbertreffen und im Februar ging’s nach Karlsruhe, wo besagtes Treffen stattfinden sollte. Auch hier verlief alles zu meiner Zufriedenheit und so bekam ich im Anschluss die Zusage für eine Projektstelle in Flint, Michigan. Ein Jahr in das Land, welches seit meinem Sprachurlaub in Florida 2006 mein Traumland ist.

Jugendzentrum für Senioren

Seit August 2009 lebe ich in der „General-Motors-Stadt“ Flint und bekomme hautnah mit, wie sehr die amerikanische Wirtschaft am Boden liegt. 40 Prozent leerstehende Häuser, über 30 Prozent Arbeitslosigkeit, ein Konzern, der in den letzten 20 Jahren sehr viele seiner Stellen abgebaut hat. Der Kontrast zwischen meinen ersten USA- Eindrücken aus Florida und dem Leben in Michigan könnte größer nicht sein.

Meine Arbeitsstelle ist ein „Senior Center“. Ein Senioren-Zentrum lässt sich mit den uns bekannten Jugendzentren vergleichen – allerdings für ältere Menschen. Morgens um acht wird geöffnet und abends um 20 Uhr geschlossen.

Meine Aufgaben beschränken sich auf Computerhilfen für die Senioren und auf dem einfach Anwesend- und ein-Teil-des-Ganzen-Sein. Das bedeutet für mich: Morgens spiele ich zwei Stunden Billard mit den Senioren, anschließend helfe ich bei der Essensausgabe und am Nachmittag kümmere ich mich um etwaige Probleme im Center oder erledige Arbeit für den Verein „World Horizon“, für welchen ich seit dem Bewerbertreffen ehrenamtlich arbeite. Außerdem nehme ich an Aktivitäten wie Bowling oder Bingo teil und unterhalte mich viel mit den Senioren. Fast jeder hat einen deutschen Familienhintergrund, was mich natürlich besonders interessant macht, da ich die Senioren über die aktuellen Geschehnisse und Bräuche in Deutschland aufklären muss beziehungsweise darf.

Das Land der Superlative

Ich wohne im Übrigen in meinen eigenen vier Wänden – meine Arbeitsstelle, welche das ADiA- Programm seit nun mehr zehn Jahren unterstützt, hat für den Freiwilligen ein eigenes Haus angemietet. „Cool“, werden jetzt viele von euch denken, aber ich würde eine Unterkunft in einer Gastfamilie eigentlich bevorzugen, da man so viel mehr vom Alltag mitbekommt und leichter andere Leute kennenlernt.

Unterschiede zwischen Deutschland und den USA sind sicherlich vorhanden, aber nicht mit anderen Ländern zu vergleichen. Der größte Unterschied liegt meiner Meinung nach in der Offenheit der Menschen und der enormen Größe, die hier alles hat. Seien es Hochhäuser, die Autos oder Supermärkte – alles ist eine Nummer größer als ich es aus Deutschland gewohnt bin. Mit Offenheit meine ich besonders die Nettigkeit und Gesprächsbereitschaft, die hier jeder wie selbstverständlich zeigt. Trotz Krise und persönlichen Problemen wird man immer freundlich und hilfsbereit behandelt. Außerdem ist das Leben in den USA viel schneller und hektischer. Alles muss sofort geschehen und Verzögerungen sind nur schwer akzeptierbar.

Pläne für danach

Bis Anfang August lebe ich jetzt noch meinen persönlichen „American Dream“, fahre meinen Pick-Up-Truck, treibe Sport und bereise Teile der USA, die ich bisher noch nicht kannte. USA-untypisch stehen mir hierzu vier Wochen Urlaub zur Verfügung. Dank Kindergeld und monatlichen 300 Dollar Taschengeld der Projektstelle (wovon ich allerdings meine Lebenskosten wie etwa Essen bezahlen muss), lässt sich da doch so einiges sehen. Bislang konnte ich Boston, Washington und Miami bereisen. Für den Frühling ist ein längerer Kalifornien- Trip geplant. Im Anschluss an meinen Dienst wird es direkt weitergehen – ein Praktikum bei der Rheinischen Post steht an und im Oktober fängt dann mit meinem Journalismusstudium endlich das ruhige Studentenleben an.

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