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Ein erhebender Job

Abbildung von einem Bus
Mit Bus, Straßenbahn und Zug: Als Fahrgasterheber ist Yasin Aydin im kompletten Streckennetz rund um Augsburg unterwegs.
Foto: Meramo Studios

Fachfremder Mini-/Midijob

Ein erhebender Job

Wie spricht man fremde Menschen so an, dass sie einem erzählen, was man wissen möchte? Seit Yasin Aydin (23) neben seinem Studium als Fahrgasterheber arbeitet, hat er einiges über Kommunikation gelernt.

Yasin Aydin kennt das komplette Streckennetz öffentlicher Verkehrsmittel rund um Augsburg, selbst winzigste Ortschaften sagen ihm was. Das hängt mit seinem Nebenjob zusammen: Seit ein paar Monaten ist der 23-Jährige, der informationsorientierte BWL im fünften Semester an der Universität Augsburg studiert, als sogenannter Fahrgasterheber mit Bus und Bahn unterwegs. Er fragt die Fahrgäste zwar auch nach ihrem Fahrschein – aber nicht, um sie zu kontrollieren, sondern um herauszufinden, wofür und warum sie Bus oder Straßenbahn nutzen.

„Man ist mit dem Bus, der Bahn oder der Straßenbahn unterwegs und pendelt zwischen den Endhaltestellen hin und her“, erzählt er. „Die Strecke, auf der man die Fahrgäste befragt, wird vorab festgelegt. Dann zählt man die Fahrgäste, weist sich aus und befragt sie. Typische Fragen sind zum Beispiel: Mit welchem Ticket sind Sie unterwegs, für welche Preisstufe haben Sie sich entschieden, wie sind Sie zur Haltestelle gekommen und wie geht es nach der Ankunft weiter?“

Auf der Suche nach einem neuen Nebenjob hatte Yasin Aydin die Jobangebote auf den Uniseiten des Studentenwerks durchforstet und war dabei auf die Ausschreibung der PTV Transport Consult GmbH gestoßen. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Dresden führt bundesweit Fahrgasterhebungen durch.

Nur keine Hemmungen

Eine Hemmschwelle, fremde Leute anzusprechen, hat er nicht, im Gegenteil: Früher hat er unter anderem als Callcenter-Agent gearbeitet. Mit Menschen reden, auch mit Fremden – das macht ihm Spaß. Natürlich ist es im Callcenter etwas anderes als wenn man jemanden persönlich gegenübersteht: „Aber genau das hat mich gereizt.“

Ein Porträt-Foto von Yasin Aydin

Yasin Aydin

Foto: Privat

Ein weiterer Vorteil seines Jobs: „Die Arbeit lässt sich super mit dem Studium kombinieren, weil ich mir die Zeit flexibel einteilen kann.“ Mit dem Unternehmen hat er einen sogenannten Gleitzonenvertrag. Das bedeutet, dass er sich über ein Onlineportal für die Zeiten einschreiben kann, an denen er Arbeitseinsätze übernehmen will. Daraufhin bekommt er Strecken zugewiesen, auf denen er dann die Fahrgäste befragt. „Ich kann außerdem selbst bestimmen, ob ich bei meinem 450-Euro-Job bleiben möchte oder ob ich mehr arbeiten will“, erzählt er. „Dann müsste ich eben mehr Rentenversicherungsbeiträge zahlen.“

Verdient er nicht mehr als 450 Euro im Monat, zahlt er nur 3,7 Prozent in die Rentenversicherung ein. Sobald er zwischen 450 Euro und 850 Euro verdient, berechnen sich die Beiträge nach der Höhe des Verdienstes, liegen aber maximal bei 9,35 Prozent. Infos zur Renten- und den weiteren Sozialversicherungen gibt es im Glossar.

Mehr Arbeit in den Ferien

Ob er ein-, zwei- oder dreimal die Woche zwischen 15 und 18 Uhr unterwegs ist, handhabt Yasin Aydin ganz unterschiedlich: „Das hängt immer davon ab, wie viel Geld ich brauche und wie stressig und zeitaufwendig das Studium gerade ist.“ In der vorlesungsfreien Zeit arbeitet er auch mal mehr.

Dass der Job keinen unmittelbaren Bezug zu seinem Studium hat, spielt für ihn keine Rolle: „Was man in diesem Job wirklich sehr schnell lernt, sind Strategien, wie man Menschen ansprechen kann, damit sie aufgeschlossen sind für eine Befragung. Die Fahrgäste reagieren ganz unterschiedlich, je nachdem auf welche Art und Weise man sie anspricht.“ Diese Erfahrungen kann er sicherlich brauchen – egal, was er nach seinem Studium einmal machen wird.

abi>> 11.04.2016