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Kicken und lernen

Junge Studenten stehen locker in einem Hörsaal.
Den Austausch mit den anderen Stipendiaten findet Omar Fahmy besonders wichtig.
Foto: Martin Rehm

Horizonte-Stipendium

Kicken und lernen

Omar Fahmy (26) wäre nicht auf die Idee gekommen, sich um ein Stipendium zu bewerben, wenn ihn seine Professorin nicht darauf aufmerksam gemacht hätte. Er erhält das Horizonte-Stipendium, das sich an angehende Lehrkräfte mit Migrationshintergrund richtet.

Erst lernen, dann kicken. Eine einfache und sehr effektive Maßnahme, um Kinder, die Nachhilfe benötigen, zum Lernen sprichwörtlich zu bewegen. Davon ist der passionierte Fußballer und Lehramtsstudent Omar Fahmy überzeugt. Der 26-Jährige studiert im zweiten Mastersemester Lehramt an Haupt- und Realschulen an der Universität Hildesheim. In seiner Bachelorarbeit arbeitete er gemeinsam mit einem Kommilitonen ein Konzept aus, das Fußball mit Nachhilfe kombiniert, und setzte die Theorie im Projekt „fuNah“ gleich in die Tat um. Mittlerweile haben vier Schulen erfolgreich ein „fuNah“-Projekt etabliert.

Sein Engagement war gleichzeitig der Türöffner für das Horizonte-Stipendium, das er von der Hertie-Stiftung erhält. „Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass ich für ein Stipendium in Frage kommen könnte“, erzählt Omar Fahmy. Aber als ihm eine Professorin einen Infoflyer in die Hand drückte, über ein Stipendium, das sich an angehende Lehrkräfte mit Migrationshintergrund richtete, versuchte er es einfach.

Mit 90 anderen um acht Stipendien beworben

Ein Porträt-Foto von Omar Fahmy

Omar Fahmy

Foto: privat

„Es war eine Woche vor Bewerbungsschluss. Ich musste außer einem Motivationsschreiben und Nachweisen über Studienleistungen zwei Empfehlungsschreiben einreichen. Das war sportlich. Zum Glück hatte die Professorin gleich zugesagt, das zweite erhielt ich von einem Mitarbeiter aus dem Bundesfamilienministerium, das unser Projekt ‚fuNah‘ gefördert hat.“ Nach zwei Wochen kam die Einladung zu einem ersten Gespräch, ein weiteres folgte.

Omar Fahmy bewarb sich mit 90 anderen um acht Stipendien. „Ich habe schnell gemerkt, dass nicht Noten ausschlaggebend waren, sondern vor allem Engagement, Interesse am Lehrerberuf und an interkulturellen Fragen.“ Er hatte Erfolg und bekommt heute ein Teilstipendium in Höhe von 300 Euro monatlich plus 150 Euro Büchergeld pro Semester. „Sonst habe ich immer gejobbt, jetzt bleibt mehr Zeit für das Projekt“, sagt er. Unterschieden wird im Horizonte-Programm zwischen Teil- und Vollstipendium. Wer keinen Anspruch auf BAföG hat oder weniger als 300 Euro monatlich nach dem BAföG erhält, kann sich um das Teilstipendium bewerben. Ist der BAföG-Anspruch höher, kommt das Vollstipendium von 650 Euro pro Monat infrage. Jedoch verzichtet der Stipendiat in dieser Zeit auf BAföG.

Anregungen in den Seminaren holen

Besonders wertvoll findet der 26-Jährige die ideelle Unterstützung. Es gibt einen offiziellen Teil mit einer Sommerakademie und einem Seminarprogramm. „Da werden etwa Themen wie Elternarbeit, Schulentwicklung oder Diskriminierung besprochen“, schildert er. In den Seminaren findet er Anregungen. Aber wie so häufig ist der informelle Teil hinter den Kulissen der spannendere: „Unter den Stipendiaten ist ein Netzwerk entstanden, in dem vieles nebenher läuft. Wir telefonieren, treffen uns, tauschen uns aus.“ Wie kann man Kinder aus sozial schwachen Familien fördern, wie Ausgrenzung verhindern, wie Eltern ins Boot holen? „Oft sind es ganz praktische Ideen, neue Bücher oder kleine Projekte, über die wir reden“, sagt er.

abi>> 18.01.2016