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Studis on the Job

Ein junger Mann mixt einen Cocktail an einer Bar.
Cocktails mixen oder Fließbandarbeit: Aushilfstätigkeiten in Kneipe, Fabrik oder Büro sind weit verbreitet.
Foto: Martin Rehm

Jobben neben dem (Bachelor-)Studium

Studis on the Job

Ob Haushaltskasse aufstocken oder Erfahrungen für das spätere Berufsleben sammeln: Fast zwei Drittel der Studierenden arbeiten neben dem Studium. Ob als Minijober, Werkstudent oder Hiwi: Jedes Modell hat Vor- und Nachteile.

Melanie Piehler (24) studiert Lebensmitteltechnologie an der Technischen Universität München am Standort Weihenstephan. Während des Semesters arbeitet sie einmal in der Woche als Werkstudentin beim Lebensmittelhersteller Hipp in Pfaffenhofen, in den Semesterferien zwei- bis dreimal pro Woche. Sie prüft dort die Produktionsvorgänge in der Fabrikhalle und hilft mit, sie zu verbessern, oder sie ist im Büro am PC tätig.

Ein Porträt-Foto von Melanie Piehler

Melanie Piehler

Foto: Clemens Preysing

„Durch diesen Job kann ich Berufserfahrung sammeln und bin gleichzeitig finanziell unabhängig“, erzählt sie. Auf jeden Fall reicht es für die Münchner Miete. Das Modell funktioniert, weil ihr Arbeitgeber flexibel auf ihren Studienplan reagiert. „Wenn etwa Prüfungen anstehen, kann ich mich freistellen lassen“, erzählt Melanie Piehler. Mittlerweile ist sie im dritten Mastersemester. Während des Bachelorstudiums hätte sie rein zeitlich nicht als Werkstudentin arbeiten können: „Unser Studienplan hat das nicht hergegeben. Ich habe deshalb überwiegend in den Semesterferien gearbeitet.“

Miete, Essen, Telefon und Co.

Nebenjobs wie der von Melanie Piehler sind – neben Eltern, BAföG und Co. – eine wichtige Quelle für Studierende, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. „Die Erwerbstätigenquote liegt im Erststudium bei 61 Prozent, der Zeitaufwand beträgt durchschnittlich 7,4 Stunden die Woche“, sagt Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk (DSW). Dessen 20. Sozialerhebung ergab: Studierende in Deutschland verfügen durchschnittlich über 864 Euro im Monat.

Arbeiten in Fabrik, Büro und Kneipe

Weit verbreitet sind Aushilfstätigkeiten in Fabrik, Büro oder Kneipe. Laut der DSW-Studie brauchen 57 Prozent der erwerbstätigen Studierenden das Geld, weil es zur Bestreitung ihres Lebensunterhaltes unbedingt notwendig ist. Aber nicht immer steht das Geldverdienen im Vordergrund: Wenn keine oder nur wenige Praktika im Studienplan festgelegt sind, kann man einen Nebenjob auch dazu nutzen, um erste Berufserfahrungen zu sammeln – im Idealfall bezahlt. Werkstudentinnen wie Melanie Piehler verbinden beides, denn in der Regel gibt es hier einen fachlichen Bezug zum Studium.

Im Hinblick auf die Sozialversicherung zählt bei diesen Jobs die Werkstudentenregel. „Wer nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeitet, zahlt nur Beiträge in die Rentenversicherung ein. Abends, nachts, am Wochenende und in den Ferien kann man die 20-Stunden-Grenze aber auch überschreiten, ohne dass sich der Sozialversicherungsstatus ändert“, erklärt der Bundesjugendsekretär des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Florian Haggenmiller. Weitere Infos zur Sozialversicherung gibt es im Glossar „Rund um den Nebenjob“.

Lieber regelmäßig oder zeitlich befristet?

Eine weitere Möglichkeit des Gelderwerbs sind Hiwi-Jobs am Lehrstuhl, das heißt als wissenschaftliche Hilfskraft. Hier sammelt man zwar keine Berufserfahrung in der freien Wirtschaft, hat aber auch einen fachlichen Bezug zum Studium und arbeitet dort, wo man sowieso viel Zeit verbringt.

Auch eine beliebte Option sind Minijobs, bei denen man nicht mehr als 450 Euro im Monat verdient. „Wer dauerhaft einem Minijob nachgeht, zahlt 3,7 Prozent in die Rentenkasse“, erklärt Florian Haggenmiller. In einem sogenannten Midijob mit einem Verdienst zwischen 450 und 850 Euro richtet sich der Beitrag in die Rentenkasse nach der Höhe des Einkommens. Auf Antrag kann man sich von den Beiträgen befreien lassen. „Wir raten aber selbst bei einem Verdienst unter 175 Euro dazu, die Beiträge zu zahlen, weil man dafür eine relativ gute Gegenleistung erhält“, sagt der Gewerkschafter.

Wer sich während des Semesters ganz auf das Studium konzentrieren will, kann zeitlich befristet etwa in den Semesterferien arbeiten. „Wird bei einem Arbeitgeber oder einer Arbeitgeberin nicht länger als drei Monate oder 70 Arbeitstage pro Kalenderjahr gearbeitet, handelt es sich um eine befristete Beschäftigung“, erläutert Florian Haggenmiller. Das heißt: Dafür fallen keine Sozialversicherungsbeiträge an. Und wenn der Jahresverdienst unter dem Grundfreibetrag liegt, muss man dafür auch keine Steuern zahlen. Der Grundfreibetrag ist 2016 auf 8.652 Euro gestiegen. Aber Vorsicht: Eine zeitliche Begrenzung muss man vor Beginn der Tätigkeit mit dem Arbeitgeber vereinbaren.

Lohnsteuer? Her damit!

Kompliziert kann es immer dann werden, wenn man verschiedene Jobmodelle kombiniert. Wer unsicher ist, wie welcher Job bewertet wird, kann sich unter anderem an den DGB wenden sowie bei seiner Krankenkasse oder der Deutschen Rentenversicherung nachfragen.

Wer einen oder mehrere Jobs in Anstellung hat, dem rät Florian Haggenmiller, freiwillig eine Steuererklärung zu machen. Wenn der Arbeitgeber Lohnsteuer abgeführt hat, kann man sich die vom Finanzamt erstatten lassen. „Häufig bleibt das Jahreseinkommen von Studierenden unter dem Grundfreibetrag plus Werbekostenpauschale. Dann kann die gesamte Lohnsteuer zurückgefordert werden.“ Eine Steuererklärung müssen auch die Studierenden abgeben, die neben dem Studium selbstständig arbeiten. Das gilt auch für sogenannte Crowdworker, die online Mikro-Jobs erledigen – etwa kurze Texte schreiben oder Produkte in Onlineshops in Kategorien einsortieren – und pro Aufgabe ein paar Cent verdienen. Wer mehr über das Thema Steuern wissen möchte, kann dazu im Glossar nachlesen.

Grundsätzlich gilt: Für welche Jobvariante man sich entscheidet, hängt davon ab, wieviel Zeit einem das Studium lässt. Plant man zu wenig Zeit zum Lernen ein, kann sich das schnell rächen. Stellenangebote findet man in diversen Jobportalen wie der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit oder in den Agenturen vor Ort, in Tageszeitungen sowie auf Internetseiten der Hochschulen. Initiativbewerbungen sind ebenfalls eine Möglichkeit.

Option Ausland

Wer im Ausland arbeiten möchte, findet Jobangebote auf den Seiten der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV). Neben der ZAV ist Eurodesk eine wertvolle Infoquelle. Das ist ein Projekt der Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V. (IJAB), die das Informationsportal www.rausvonzuhaus.de betreibt. „Da junge Studierende in der Regel nicht über berufliche Fähigkeiten verfügen, ist ein qualifizierter – also gut bezahlter – Job im Ausland sicher schwierig zu bekommen“, sagt Projektkoordinator Robert Helm-Pleuger. „Die meisten Jobs haben eher Hilfsarbeitercharakter, zum Beispiel als Obstpflücker.“ Da stehen dann meist eher die Reise und die Auslandserfahrung im Vordergrund – für die Arbeit selbst gibt es oft kaum mehr als ein Taschengeld, Unterbringung und Verpflegung. Wer sich für einen Job im Ausland interessiert, sollte sich vorab auch darüber informieren, ob er dafür ein entsprechendes Arbeitsvisum benötigt.

 

Weitere Informationen

Deutsches Studentenwerk

www.studentenwerke.de/de/content/jobben-0

Deutscher Gewerkschaftsbund

http://jugend.dgb.de/studium/dein-job

die Minijobzentrale

www.minijob-zentrale.de

Deutsche Rentenversicherung

www.deutsche-rentenversicherung.de

Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit

www.ba-auslandsvermittlung.de

Rausvonzuhaus

www.rausvonzuhaus.de

 
abi>> 11.04.2016