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Die Vollzeit-Reisende

Reisende öffnet Zahlenschloss an der Zollkontrolle.
Den Koffer hat Marie Alicke immer dabei: Für die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen ist die Studentin deutschlandweit unterwegs.
Foto: Ria Kipfmüller

Arbeiten in den Semesterferien

Die Vollzeit-Reisende

In den Semesterferien ist Marie Alicke (22) als Standwerberin für die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen unterwegs. So kann sie nicht nur Geld verdienen, sondern auch die Einsatzkräfte in den Projekten unterstützen und eine Menge über den Umgang mit Menschen lernen.

Marie Alicke studierte gerade im ersten Semester Medizin an der Charité Berlin, als ihr Blick in der Mensa zufällig auf einen Flyer von „Ärzte ohne Grenzen“ fiel: Die Hilfsorganisation suchte Studierende, die in den Semesterferien mehrere Wochen bundesweit Passanten über die Arbeit der Organisation informieren und gleichzeitig für eine Dauerspende werben. „Geld verdienen und gleichzeitig die schwierige Arbeit der Leute in den Einsatzgebieten unterstützen – das hat mich angesprochen“, sagt die 22-Jährige.

Ein Porträt-Foto von Marie Alicke

Marie Alicke

Foto: Privat

Auf einer Wochenendschulung im Berliner Büro bekam sie Hintergrundinformationen über die Organisation, die weltweit medizinische Nothilfe leistet. Dann ging es raus auf die Straße an den Stand – ausprobieren, ob das wirklich etwas für einen ist. „Ich hatte davor mal in einem Callcenter gearbeitet, aber fremden Leuten auf der Straße direkt gegenüberzustehen, ist noch mal etwas anderes“, erzählt sie. „Man erfährt nicht nur Zustimmung. Auch mit Ablehnung muss man klarkommen.“ Umso schöner seien die positiven Rückmeldungen, die häufig von Menschen kommen, die die Organisation bereits kennen.

Drei Sechs-Tage-Wochen

Ihre erste Reisekampagne machte sie gleich in den ersten Sommersemesterferien: Drei Wochen war sie mit einem festen Team aus vier jungen Leuten unterwegs. An sechs Tagen die Woche bauten sie täglich den Stand auf, waren bei Wind und Wetter von 10 bis 20 Uhr vor Ort – inklusive zwei Stunden Pause – und reisten am Sonntag gemeinsam in die nächste Region weiter. So etwas ist anstrengend, aber der Job macht ihr Spaß: „Wir sind gemeinsam in einer Wohnung untergebracht, reden nach einem anstrengenden Tag über das Erlebte. Das schweißt ein Team zusammen.“ Bei jeder Reisekampagne werden die Teams neu gemischt.

Mindestens vier Reisen finden im Jahr statt, davon zwei in den Semesterferien im März und September. In einem Vollzeitjob mehrere Wochen am Stück zu arbeiten, ist für sie ein attraktives Jobmodell: „Ich habe auch probiert, neben dem Studium zu arbeiten. Aber dann ist der Tag so zerrissen“, erzählt Marie Alicke, die mittlerweile im sechsten Semester ist. „Arbeiten, studieren, arbeiten, und dann noch die Fahrten hin und zurück zur Arbeit. Ich finde es angenehmer, sich auf das Studium zu konzentrieren und im Nebenjob etwas ganz anderes zu machen. Auch das Reisen, einfach mal rauskommen, gefällt mir.“

Auch Teamleitung wäre drin

Je nach Leistung kann sie in ihrem Job pro Woche zwischen 410 und 820 Euro brutto verdienen. Über die genaue Höhe entscheidet ein Kriterienkatalog, eine einfache Pro-Kopf-Pauschale gibt es nicht. Wer wie Marie Alicke längerfristig mitarbeitet, könnte auch eine Teamleitung übernehmen. Dafür gibt es einen Bonus. Während des Kampagnenzeitraums verpflegen sich die Standwerber erst einmal selbst, bekommen aber am Ende der Kampagne eine Verpflegungspauschale von etwa 24 Euro netto pro Tag ausbezahlt. Fahrt- und Übernachtungskosten zahlt die Organisation.

Marie Alicke ist regulär angestellt. Auf die Bruttogehälter entfallen normalerweise Steuern und Sozialabgaben. Wer wie sie als Studentin nur in den Semesterferien arbeitet, zahlt aber neben den Steuern lediglich Beiträge in die Rentenversicherung. Die vom Arbeitgeber abgeführten Steuern könnte sie sich über eine Steuerklärung zurückholen. Das
Glossar „Rund um den Nebenjob“ bietet mehr Infos dazu.

Das Geld ist das eine: „Ich habe darüber hinaus sehr viel über Kommunikation und Teambildung gelernt, was als angehende Ärztin nicht unwichtig ist.“ Und noch etwas gefällt ihr an dem Job: Wer einmal dabei ist, der kann damit rechnen, dass er immer wieder zum Einsatz kommt. So kann Marie Alicke mit dem Job langfristig ihre Studienfinanzierung planen.

abi>> 05.04.2016