Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Engagement zahlt sich aus

Ein junger Mann und eine junge Frau liegen auf Boden mit Bücherstabel
Entscheidend für ein Stipendium ist das Gesamtbild: Gute Leistungen plus Engagement und Persönlichkeit.
Foto: Martin Rehm

Stipendien

Engagement zahlt sich aus

Über 2.000 Institutionen vergeben hierzulande Stipendien, darunter der Bund, einzelne Länder sowie zahlreiche öffentliche und private Stifter. Chancen auf eine Förderung hat aber nicht nur, wer mit guten Schul- und Studienleistungen brilliert. Gefragt ist vor allem Engagement – in vielfältiger Form.

Schülersprecherin, Mitarbeit im Kulturreferat, Vertrauensstudentin: Madita Morgenstern nahm schon als Schülerin zwei- bis dreimal die Woche an Sitzungen und Besprechungen teil. „Daran hat sich bis heute nichts geändert“, sagt sie lachend. Mittlerweile studiert die 24-Jährige im neunten Semester Produktgestaltung an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Zurzeit baut sie ein selbstverwaltetes Kunst- und Kulturzentrum mit auf. „Dank meines Stipendiums kann ich statt zu jobben, Zeit in solche Projekte stecken“, erzählt sie.

Ein Porträt-Foto von Madita Morgenstern

Madita Morgenstern

Foto: privat

Ihr Stipendium erhält sie vom Evangelischen Studienwerk, bei dem sie sich zweimal bewarb: „Direkt nach der Schule hatte ich es probiert, wurde aber nicht genommen. Man hat mir geraten, es noch einmal zu versuchen. Im zweiten Anlauf hat es schließlich geklappt“, berichtet sie. Beworben hatte sie sich nur dort: „Das passte einfach am besten zu mir.“ Sie selbst ist evangelisch, kennt allerdings auch Stipendiaten, auf die das nicht zutrifft.

Ihre Abiturnote sei zwar gut, aber „nichts Besonderes“, wie sie sagt. „Da ich neben der Schule sehr viel an sozialer Arbeit geleistet habe, hat mir ein Lehrer den Tipp gegeben, mich um ein Stipendium zu bewerben.“ Das Stipendium bedeutet nicht nur finanzielle Erleichterung, sondern für Madita Morgenstern auch wertvolle Gemeinschaft: „Man lernt tolle Leute kennen, kann Workshops und Summer Schools besuchen. Es ist einfach grandios.“

Gute Leistung + Engagement + Persönlichkeit

Ein Porträt-Foto von Andreas Schmid

Andreas Schmid

Foto: privat

Bei fast allen Stipendien ist die Rede von „begabten Studierenden“. Damit sind aber nicht zwingend die Klassenbesten gemeint. „Das ist nicht gleichzusetzen mit einem Einser-Abitur oder Bestnoten. Entscheidend ist das Gesamtbild: Gute Leistungen plus Engagement und Persönlichkeit“, betont Andreas Schmid, Berufsberater der Agentur für Arbeit München. Je nach Institution gibt es zudem nicht nur Geld: „Auch Sommerakademien, Workshops, Mentoren-Programme und Firmen-Events können mit einem Stipendium verbunden sein. Es geht also immer auch um eine ideelle Förderung“, weiß der Berufsberater.

Laut 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks werden mittlerweile vier Prozent der Studierenden durch Stipendien unterstützt. Allein auf www.stipendienlotse.de, einer Datenbank des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), sind aktuell fast 1.300 Stipendien registriert.

Von politisch bis religiös orientiert: die 13 Begabtenförderungswerke

Am bekanntesten sind die 13 Begabtenförderungswerke, die ihre Stipendien aus Mitteln des BMBF an Studierende aller Fachrichtungen vergeben. Lag die Fördersumme im Jahr 2005 noch bei 80,5 Millionen Euro, waren es 2013 bereits 198,8 Millionen Euro. Allein von den Begabtenförderungswerken wurden im Jahr 2013 rund 25.900 Studierende gefördert. „Die Begabtenförderungswerke sind ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Es gibt religiös und politisch orientierte, ein unternehmerisch und ein gewerkschaftlich orientiertes Werk sowie ein weltanschaulich, konfessionell und politisch unabhängiges. Studierende sollten sich aber nur bei den Werken bewerben, die zu ihren eigenen Überzeugungen passen“, betont Kathrin Wißmach vom Evangelischen Studienwerk.

Auch die Förderschwerpunkte unterscheiden sich je nach Studienwerk. „Die einen haben MINT-Fächer im Blick“, sprich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, „die anderen Erstakademiker und wieder andere rücken Studierende an Fachhochulen in den Fokus“, erklärt Kathrin Wißmach. Die Heinrich-Böll-Stiftung etwa möchte derzeit den Anteil der geförderten Studierenden vor allem an Fachhochschulen in der Begabtenförderung erhöhen und führt hierzu zum 1. März 2016 einmalig ein Extra-Auswahlverfahren durch. (siehe die Reportage „Parteizugehörigkeit kein Muss“)

Die Förderhöhe der Stipendien ist bei den 13 Werken ans BAföG angelehnt und berücksichtigt somit auch das Einkommen und Vermögen der Bewerber beziehungsweise deren Eltern. Das Grundstipendium kann bis zu 670 Euro betragen, daneben wird einkommensunabhängig Büchergeld in Höhe von 300 Euro monatlich gewährt. Sowohl der Auswahlprozess als auch das Bildungsprogramm gestalten sich aber bei jedem Begabtenförderungswerk anders. Wer geeignet ist und wie man an ein Stipendium gelangen kann, erfährst du in den FAQ.

Bund, Länder, private Stifter

Seit 2011 gibt es zudem das Deutschlandstipendium (siehe die Reportage „Balance zwischen Studium, Kind und Engagement“). Die Stipendiaten erhalten 300 Euro monatlich, wobei eine Hälfte des Geldes vom Bund, die andere von privaten Geldgebern stammt. Im Jahr 2014 erhielten 22.500 Studierende in Deutschland eines dieser Stipendien.

Die Gelder müssen von den Hochschulen selbst eingeworben werden. Laut eines Länderchecks des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft vergeben Bremen und das Saarland die meisten Deutschlandstipendien, gemessen an ihrer Studierendenzahl. „Die Uni Bremen vergibt im Studienjahr 2015/16 122 Stipendien, das sind 0,7 Prozent aller Studierenden“, betont Dr. Christina Jung von der Uni Bremen. „Der Stipendienrat legt die Förderkriterien fest und trifft die Auswahl der Studierenden. Außer der Studienleistung wird auch Wert auf das soziale Engagement und die persönlichen Umstände der Bewerber gelegt“, erklärt sie.

Zudem gibt es zahlreiche, meist kleinere Stipendiengeber, die ganz unterschiedliche Gruppen fördern wollen: zum Beispiel Studierende aus einkommensschwachen Familien, Waisen, Alleinerziehende oder einfach Studierende aus einer bestimmten Region oder mit Migrationshintergrund (siehe die Reportage „Kicken und lernen“). Eine kleine Recherche in den einschlägigen Datenbanken kann sehr lohnenswert sein.

Übersicht

Die 13 Begabtenförderungswerke

politisch orientiert:

  • Friedrich-Ebert-Stiftung
  • Konrad-Adenauer-Stiftung
  • Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit
  • Hanns-Seidel-Stiftung
  • Heinrich-Böll-Stiftung
  • Rosa-Luxemburg-Stiftung

religiös orientiert:

  • Evangelisches Studienwerk
  • Cusanuswerk
  • Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk
  • Avicenna-Studienwerk

gewerkschaftlich orientiert:

  • Hans-Böckler-Stiftung

unternehmerisch orientiert:

  • Stiftung der Deutschen Wirtschaft

weltanschaulich, konfessionell und politisch unabhängig:

  • Studienstiftung des deutschen Volkes

Weitere Informationen:

  • Datenbank "StipendiumPlus"
    gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung www.stipendiumplus.de
  • studienwahl.de
    Informationen zu Stipendien und Anschriften findest du im Internetportal der Bundesländer und der Bundesagentur für Arbeit:
    www.studienwahl.de

 

Weitere Informationen

Begabtenförderungswerke

Gemeinsame Seite der 13 Begabtenförderungswerke, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt werden.
www.stipendiumplus.de

Bundesverband Deutscher Stiftungen

Auf der Website des Bundesverbandes kann man gezielt nach rund 9.000 Stiftungen suchen. 
www.stiftungen.org

Stipendienlotse

Umfassende Informationen des BMBF zu den unterschiedlichen Stipendien in Deutschland mit Datenbank für die Recherche www.stipendienlotse.de

Deutsches Studentenwerk (DSW)

Dachverband der bundesweit 58 Studentenwerke www.studentenwerke.de

Deutschlandstipendium

Informationen zum Deutschlandstipendium unter: www.deutschlandstipendium.de

Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)

Der DAAD stellt seine Stipendienprogramme für Studienaufenthalte im Ausland vor:
www.daad.de/ausland/de

Arbeiterkind.de

Arbeiterkind.de ist eine gemeinnützige Initiative für Schüler und Studierende, die als erste in ihrer Familie einen Studienabschluss anstreben.
www.arbeiterkind.de

e-fellows.net

Informationen zum Karrierenetzwerk e-fellows mit Stipendiendatenbank und Informationen zum eigenen Stipendium: www.e-fellows.net

Baden-Württemberg-Stipendium

Alles rund um das Förderprogramm der Baden-Württemberg Stiftung:
www.bw-stipendium.de

Stipendiensystem der Universität Mannheim

Die Stipendien der Uni Mannheim im Überblick:
www.uni-mannheim.de/stipendium

abi>> 18.01.2016