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Wie finanziere ich mein Studium?

Studierende hält ein Bündel Geldscheine in der Hand.
Wie viel Geld habe ich im Monat zur Verfügung, wie viel gebe ich aus? Studierende sollten den Überblick behalten.
Foto: Julien Fertl

Studienfinanzierung – Hintergrund

Wie finanziere ich mein Studium?

Kleine Summen ergeben das große Ganze: Zuschuss der Eltern, BAföG, Stipendium, Nebenjob und Kindergeld können Bausteine der Studienfinanzierung sein. Bei den wenigsten Studierenden reicht eine Geldquelle alleine aus, um die monatlichen Kosten zu stemmen.

Wer in München studiert, muss erst einmal ein bezahlbares Zimmer finden. Jeremy Harisch, der im zweiten Semester Informatik an der Technischen Universität (TU) studiert, hat das Glück, bei seinem Vater wohnen zu können: „Ich steuere aber freiwillig einen kleinen Beitrag zur Miete bei“, erzählt der 18-Jährige. Und für alles andere – Handy, Essen, Bücher, Semesterbeitrag, Ausgehen – braucht er mindestens 300 Euro zusätzlich im Monat.

Ein Porträt-Foto von Jeremy Harisch

Jeremy Harisch

Foto: privat

Gleich im ersten Semester hatte er sich deshalb einen Nebenjob gesucht. Zunächst arbeitete er als Verkäufer in einem Laden in der Innenstadt. „Ich wollte aber etwas machen, das mit meinem Studium zu tun hat“, erklärt er. Daher bewarb er sich auf Stellen, die er in Jobportalen fand – bekam aber nur Absagen: zu jung, zu unerfahren. Manchmal erhielt er gar keine Antwort. Dank der Vermittlung durch eine Stellenbörse hat es für ihn dann doch geklappt: Etwa zwölf Stunden in der Woche kann Jeremy Harisch nun neben seinem Studium bei einer kleinen Computerfirma arbeiten.

Das Studium: Ausgaben …

Ob München oder andere Studienorte – bei den Kosten kommt einiges zusammen: 323 Euro für die Miete, 168 Euro für Lebensmittel, 80 Euro für Arztkosten, Medikamente und die Krankenversicherung (für die, die nicht familienversichert sind), 94 Euro Fahrtkosten, 61 Euro an Ausgaben in der Freizeit, 42 Euro für Kleidung, 31 Euro für Telefon und Internet sowie 20 Euro für Lernmittel – macht zusammen 819 Euro. Diese Angaben sind Durchschnittswerte von Studierenden, die 2016 an der 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (DSW) teilnahmen. „Natürlich hängt der tatsächliche Betrag von der Lebensart des Einzelnen ab, günstiger geht es aber wohl kaum“, sagt Sonja Bauer von der Sozialberatung des Studentenwerks Würzburg.

… und Einnahmen

Auf der anderen Seite haben Studierende laut dem DSW im Schnitt 918 Euro im Monat zur Verfügung. Die wichtigsten Geldquellen für Studierende sind die Eltern (für 86 Prozent der Studierenden), Nebenjobs (61 Prozent), BAföG (25 Prozent), Studienkredite (5 Prozent) und Stipendien (5 Prozent), wobei sich die Finanzierung meist aus mehreren Bausteinen zusammensetzt. Auch das Kindergeld ist ein Baustein: Es wird bis zum 25. Lebensjahr gezahlt, unabhängig davon, ob und wie viel ein Studierender verdient.

„Grundsätzlich sind Eltern gesetzlich dazu verpflichtet, ihre volljährigen Kinder während der Ausbildung oder dem Studium finanziell zu unterstützen. Reicht das Einkommen der Eltern nicht aus, kann die staatliche Ausbildungsförderung (BAföG) beantragt werden“, erläutert Sonja Bauer (siehe auch „Schritt für Schritt zum BAföG“). Sie rät dazu, sich bei Fachleuten Tipps zu holen: „Häufig kommen Studierende in die Beratung und sagen, dass sie laut BAföG-Rechner im Internet keine Förderung erhalten würden. Im Gespräch stellt sich dann aber heraus, dass sie möglicherweise doch einen Anspruch hätten. Daher empfehle ich, sich an die BAföG-Stelle im zuständigen Studentenwerk zu wenden.“

Der Nebenjob

Ein Porträt-Foto von Sonja Bauer

Sonja Bauer

Foto: privat

Rund 68 Prozent der Studierenden in Deutschland gehen einem Nebenjob nach. Das Studium allein damit zu finanzieren, ist nach Meinung der Beraterin allerdings schwierig: „Es bleibt weniger Zeit zum Lernen, was sich schnell rächen kann. Sinnvoll ist sicherlich, einen Nebenjob anzunehmen, der einen fachlichen Bezug zum Studium hat, etwa einen Job als studentische Hilfskraft am Lehrstuhl“, erklärt Sonja Bauer.

Eine beliebte Option, das Budget aufzustocken, ist ein sogenannter Minijob, bei dem dauerhaft nicht mehr als 450 Euro im Monat verdient werden. „Auch wer BAföG bekommt, kann innerhalb eines Jahres im Monatsdurchschnitt bis zu 450 Euro verdienen, ohne, dass es den BAföG-Anspruch mindert“, erläutert die Beraterin. „Insgesamt darf man jedoch im Bewilligungszeitraum, also innerhalb von zwölf Monaten, nicht die Einkommensgrenze von derzeit 5.416 Euro übersteigen. Ansonsten wird der übersteigende Verdienst auf das BAföG angerechnet.“

Wem ein Minijob nicht ausreicht, muss mit Blick auf die Sozialversicherung die „Werkstudentenregel“ beachten: Wer nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeitet, zahlt als Arbeitnehmer nur Beiträge in die Rentenversicherung ein (siehe auch „Die Werkstudentin“). In Einzelfällen kann die 20-Stunden-Regel überschritten werden, zum Beispiel in den Ferien. Auch wer überwiegend während der Abend- und Nachtstunden oder am Wochenende arbeitet, darf eine Ausnahme machen, ohne dass sich der Sozialversicherungsstatus ändert. Diese Einzelfälle muss aber die Krankenkasse genehmigen. „Neu ist seit Anfang 2017, dass die Zeiten der Überschreitung auf maximal 26 Wochen im Beschäftigungsjahr befristet sein müssen“, ergänzt Sonja Bauer.

Job auf Zeit

Wer sich voll und ganz auf das Studium konzentrieren und deswegen nicht dauerhaft einem Nebenjob nachgehen will, kann zeitlich befristet arbeiten, etwa in der vorlesungsfreien Zeit. Wird bei einem Arbeitgeber nicht länger als drei Monate am Stück oder 70 Arbeitstage pro Kalenderjahr gearbeitet, handelt es sich um eine befristete Beschäftigung, für die keine Sozialversicherungsbeiträge anfallen. Bleibt zudem der Jahresverdienst unter dem Grundfreibetrag von aktuell 8.820 Euro, fallen auch keine Steuern an. Wichtig dabei: Eine zeitliche Begrenzung muss bereits vor Beginn der Tätigkeit vereinbart werden.

Kompliziert kann es immer dann werden, wenn verschiedene Arten von Nebenjobs kombiniert werden. „Wer unsicher ist, wie welcher Job bewertet wird, sollte lieber nachfragen“, lautet Sonja Bauers Empfehlung. Beratung bieten neben den Studentenwerken auch das Beratungsnetzwerk des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), die Krankenkassen sowie die deutsche Rentenversicherung.

Studienkredite und Stipendien

Studienkredite sollten aus Sicht der Beraterin eine Notlösung sein: „Ein Studienkredit eignet sich nicht, um ein Studium voll zu finanzieren, sondern nur zur Überbrückung.“ Bekannteste Studienkredite sind der KfW-Studienkredit, der Bildungskredit und das Studienabschlussdarlehen der Darlehenskasse der bayerischen Studentenwerke (siehe auch „Ein Kredit taugt nicht zur dauerhaften Studienfinanzierung“)

Und dann gibt es noch Stipendien als Finanzierungsmöglichkeit. Hier gilt es zunächst, sich einen Überblick über die Fülle an Begabtenförderungswerken, Stiftungen und Vereinen zu verschaffen, die Fördergelder an Studierende auszahlen. „Es bedarf einiges an Vorbereitung, sich über die vielen verschiedenen Einrichtungen zu informieren, um das passende Stipendium für sich zu finden“, meint Sonja Bauer. Aber: Einen Versuch ist es wert, zumal nicht nur Leistungen wie gute Noten zählen, sondern oftmals auch soziales oder politisches Engagement. Wer einen Rat braucht, kann sich jederzeit an die Studentenwerke sowie die Sozialreferate der studentischen Vertretungen (AStA) wenden. Das gilt auch für Abiturienten, die noch kein Studium aufgenommen haben.

>>Hinweis: Auch das duale Studium bietet die Möglichkeit, während des Studiums Geld zu verdienen, da die Praxisphasen im kooperierenden Unternehmen in der Regel vergütet werden. Weitere Informationen zum Thema Duales Studium findest du im abi>> Portal.

Weitere Informationen

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen oder Tipps und Tricks rund ums Studium nachlesen.
www.studienwahl.de

Deutsches Studentenwerk (DSW)

Allgemeine Infos für Studierende zum Thema Wohnen, zu Versicherungen, Ausbildungsförderung und mehr. Herausgeber der 21. Sozialerhebung.
www.studentenwerke.de/studienfinanzierung

BAföG

Alle Infos und Unterlagen rund um das BAföG
www.bafög.de

Studienkredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)

www.kfw.de

Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB)

Das Beratungsnetzwerk des DGB hilft jungen Arbeitnehmern weiter, zum Beispiel bei Fragen rund um Nebenjobs.
jugend.dgb.de/studium/vor-ort

Düsseldorfer Tabelle

Klärt finanzielle Unterhaltsansprüche von Eltern für ihre Kinder
duesseldorfer-tabelle-2017.info

Stipendienlotse

Infoportal des Bundesministeriums für Bildung und Forschung
www.stipendienlotse.de

Stipendiumplus

Zusammenschluss von 13 Begabtenförderungswerken, die Stipendien vergeben
www.stipendiumplus.de

mystipendium.de

Social Start-up, das Informationen über Stipendien in ganz Europa auf seiner Plattform anbietet
www.mystipendium.de

Studienkompass

Infoseite der Stiftung der deutschen Wirtschaft, unter anderem mit Tipps zu Stipendien für Schüler, Studierende und Eltern
www.studienkompass.de

abi>> 11.09.2017