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„Ein Kredit taugt nicht zur dauerhaften Studienfinanzierung“

Junge Frau trägt einen Umzugskarton eine Treppe hinauf.
Ob ein Computer oder Einrichtung für die neue Wohnung: Wer einmalig Geld braucht, kann einen Kredit in Betracht ziehen. Doch zur Finanzierung des gesamten Studiums sollte man sich einen dauerhaften Plan zurechtlegen.
Foto: Julien Fertl

Studienfinanzierung – Interview

„Ein Kredit taugt nicht zur dauerhaften Studienfinanzierung“

Warum ist BAföG kein Kredit? Wann kommt ein Studienkredit überhaupt infrage? Und an wen wende ich mich hierfür? Bernhard Börsel, Referatsleiter Studienfinanzierung/Bildungspolitische Fragen beim Deutschen Studentenwerk klärt diese und weitere Fragen.

abi>> Herr Börsel, nehmen viele Studierende einen Studienkredit in Anspruch?

Bernhard Börsel: Laut unserer aktuellen, 21. Sozialerhebung nehmen fünf Prozent der Studierenden einen KfW-Studienkredit, ein Prozent den Bildungskredit des Bundes und unter einem Prozent einen Kredit zur Studienfinanzierung von einer anderen Bank oder Sparkasse in Anspruch.

abi>> Welche Kredite gibt es und wann ist ein Kredit überhaupt ein Studienkredit?

Ein Porträt-Foto von Bernhard Börsel

Bernhard Börsel

Foto: privat

Bernhard Börsel: Nicht wenige halten auch BAföG für einen Kredit. Das stimmt aber nicht. Der individuelle Förderbetrag ist zur Hälfte zinsloses Darlehen, zur Hälfte geschenkt. Für Zeiten über die BAföG-Förderungshöchstdauer hinaus wird ein verzinsliches BAföG-Bankdarlehen angeboten. Das kann man beim BAföG-Amt beantragen, den Darlehensvertrag schließt man mit der KfW ab. Dann gibt es den Bildungskredit des Bundes: maximal 24 Monate oder als Einmalzahlung. Den beantragt man beim Bundesverwaltungsamt und schließt dann einen Darlehensvertrag mit der KfW ab. BAföG-Bankdarlehen und Bildungskredit sind sehr zinsgünstig, weil eine Bürgschaft des Bundes dahintersteht. Der KfW-Studienkredit ist ein Eigengewächs der KfW, da sind die Zinsen höher. Wer will, kann einen Festzins über einen gewissen Zeitraum vereinbaren.

Viele Studentenwerke haben Darlehenskassen zur Überbrückung in Härtefällen (http://www.studentenwerke.de/de/node/1048). In NRW haben sich dafür beispielsweise die Studentenwerke in der Daka NRW zusammengeschlossen, in Bayern in der bayerischen Darlehenskasse. Statt Zinsen wird eine Verwaltungspauschale erhoben. Das ist sehr günstig, weil die Sorge in Härtefällen im Vordergrund steht.

Kein Studienkredit sind hingegen Studienfonds. Diese sammeln Geld von Investoren gegen eine Rendite. Wer das Auswahlverfahren schafft, erhält während des Studiums Geld oder auch Zugang zu Coachings und Exkursionen. Nach dem Studium muss ein gewisser Prozentsatz vom Einkommen zurückgezahlt werden. Genaue Informationen sind nicht öffentlich verfügbar. Was aber sicher gesagt werden kann: Wer ein Assessmentcenter für Studienfonds schafft, könnte damit auch locker ein Stipendium mit ideeller Förderung bekommen. Und das muss man nicht zurückzahlen.

Einen normalen Kredit erhält niemand ohne eine Sicherheit. Die haben Studierende nicht. Studienkredite hängen an der Erwartung, dass Studierende in ihre Ausbildung investieren und deshalb als Akademiker und Akademikerinnen den Kredit zurückzahlen können. Studienkredite von Privatbanken sind inzwischen aber fast alle eingestellt, auch von Sparkassen werden sie weniger häufig angeboten.

abi>> Wer sollte diese Option überhaupt in Betracht ziehen?

Bernhard Börsel: Ein Studienkredit taugt überhaupt nicht zu einer dauerhaften, vollständigen Studienfinanzierung. Aber wer zum Beispiel einen kurzfristigen und zeitlich begrenzten finanziellen Engpass von etwa einem halben Jahr überbrücken muss, in der Examensphase Jobben ersetzen will, einen geringen dauerhaften zusätzlichen Bedarf von etwa 150 Euro pro Monat oder einen Einmalbedarf für Ausgaben wie einen Computer oder ein Musikinstrument hat, kann das in Erwägung ziehen.

abi>> Worauf muss man bei den Modellen achten?

Bernhard Börsel: Studierende brauchen einen Ansprechpartner, der sie unabhängig zu allen Studienfinanzierungsformen und nicht nur einseitig zu Krediten berät. Genau das machen die Studentenwerke, weil sie einen öffentlichen Auftrag haben. Finger weg, wenn es bei einer Verzinsung keinen Tilgungsrechner gibt, der die Gesamtkosten ausweist. Und auch Finger weg, wenn die Verträge nicht öffentlich sind.

abi>> 11.09.2017