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Wie finanzierst du dein Studium?

Mann schenkt hinter einer Theke Kaffee in eine Tasse.
Vormittags an der Uni, nachmittags im Café: Viele Studierende finanzieren ihr Studium mit einem Nebenjob in der Gastronomie. Der Vorteil: Die Arbeitszeiten lassen sich oftmals gut mit dem Stundenplan vereinbaren.
Foto: Julien Fertl

Studienfinanzierung – Umfrage

Wie finanzierst du dein Studium?

Drei Studierende erzählen abi>>, wie sie ihr Studium und die Lebenshaltungskosten finanzieren.

Ulrike Feder (27) studiert parallel den Master Soziale Arbeit im dritten Semester und den Bachelor Pädagogik und Soziologie im vierten Semester an der Hochschule Coburg

Ein Porträt-Foto von Ulrike Feder

Ulrike Feder

Foto: privat

„Im ersten Semester habe ich weiterhin zu Hause gewohnt und von Taschengeld gelebt. Auf Dauer war der Weg zum Pendeln aber zu weit. Ich konnte zum Glück in ein Studentenwohnheim mit günstiger Zimmermiete ziehen. In Coburg brauchte ich aber mindestens 500 Euro im Monat – nur für das Nötigste. Also habe ich erst mein Erspartes genommen. Zum Glück konnte ich mich schnell über Jobs als wissenschaftliche Hilfskraft, kurz Hiwi, finanzieren. Der Vorteil war, dass diese inhaltlich mit meinem Studium zu tun hatten oder ich zumindest am Campus arbeiten konnte. Je nach Stundenplan hatte ich zwei bis drei Hiwijobs gleichzeitig.

Aber mit dem Arbeiten muss man wirklich aufpassen. Mein Bachelorstudium beinhaltete ein Praxissemester, in dem ich keine Zeit hatte. Hinzu kam sehr viel Reflexionsarbeit. Da gab es schon Momente, in denen ich gedacht habe, das ist jetzt alles zu viel.

Im vierten Semester wurde ich für ein Stipendium bei der Studienstiftung des deutschen Volkes vorgeschlagen, was leider nicht funktioniert hat. Für das Masterstudium habe ich es noch einmal versucht. Beim zweiten Anlauf hat es dank des Vorschlags einer Vertrauensdozentin bei der Hans-Böckler-Stiftung geklappt. Ich bin unter anderem bei ArbeiterKind.de aktiv und dort hat man mir wegen des Stipendiums noch einmal Mut gemacht – zum Glück!“

Henry Schwietzke (25) studiert im sechsten Semester Soziologie an der Uni Chemnitz

Ein Porträt-Foto von Henry Schwietzke

Henry Schwietzke

Foto: privat

„Ich habe vor meinem Studium eine Ausbildung zum Flugzeugmechaniker absolviert. Der Plan war, erst einmal Geld zu verdienen, dann zu studieren. Im Großen und Ganzen hat das auch so funktioniert. Bei der Wahl der Universität waren die Lebenshaltungskosten der Stadt für mich ein wichtiges Kriterium – das war eine ganz pragmatische Entscheidung.

Aber auch wenn ich hier in Chemnitz nur 260 Euro Miete bezahle, brauche ich 650 bis 700 Euro im Monat für alles Weitere. Ohne einen Nebenjob wäre die Rechnung mit dem Ersparten niemals aufgegangen. Ich habe in einem Baumarkt an der Kasse und in einer Kneipe gearbeitet, aber das war einfach nicht meins. Wesentlich mehr Spaß hat mir die Arbeit als Orchesterwart beim Symphonieorchester gemacht, nur die Arbeitszeiten waren nicht flexibel – abends, an Feiertagen und Wochenenden musste ich ran. Es ist schwierig, einen Nebenjob zu finden, der gut zum Studienplan passt. Sowohl im Nebenjob präsent zu sein als auch an der Uni alles erledigt zu bekommen, zehrt an den Kräften.

Ich konnte schließlich einen Nebenjob als Tutor an der Uni bekommen und bin in den Institutsbetrieb als studentische Hilfskraft reingewachsen. Zwei kleinere Jobs am Institut werfen in der Summe finanziell genug ab. Das Gute daran: Ich arbeite dort, wo ich studiere, und beschäftige mich mit Studieninhalten.

Jetzt mit 25 Jahren kommt für mich hinzu, dass ich mich selbst krankenversichern muss und gleichzeitig das Kindergeld wegfällt – und das in der Endphase des Bachelorstudiums. Also mussten meine Eltern mich noch einmal unterstützen.“

Vanessa Zutz (28) schreibt gerade ihre Bachelorarbeit. Sie studiert Historische Linguistik und Klassische Archäologie an der Humboldt-Universität Berlin.

Ein Porträt-Foto von Vanessa Zutz

Vanessa Zutz

Foto: privat

„Ich musste mich in den ersten beiden Semester voll finanzieren, was sehr anstrengend war. Ich habe meist abends, nachts und am Wochenende gelernt. In meiner freien Zeit habe ich für die Uni gearbeitet. Mir war es wichtig, möglichst auch in den Vorlesungen anwesend zu sein – selbst wenn keine Anwesenheitspflicht bestand – damit ich den Stoff nicht verpasse.

Da ich eine Berufsausbildung als Hotelfachfrau abgeschlossen habe, war es für mich nie schwierig, Jobs zu finden. Durch die Ausbildung habe ich sehr konkrete Vorstellungen, welche Aufgaben ich übernehmen kann, sodass ich mich auch gezielt auf Stellenanzeigen bewerben konnte.

Erst nach den ersten beiden Semestern habe ich vom elternunabhängigen BAföG erfahren, das in Ausnahmefällen gewährt wird. Das hat mir dann Luft verschafft. Seitdem versuche ich gezielt, mich beruflich neu zu orientieren durch unbezahlte Projekte und Engagements. Dies ist aber nur möglich, weil ich BAföG bekomme. Zudem arbeite ich aktuell bei einer Nichtregierungsorganisation.

Ich bin genügsam und muss nicht jede Woche in Clubs gehen oder das neueste Smartphone besitzen. Mit etwa 1.000 Euro im Monat komme ich gut aus. Natürlich muss ich haushalten. Wenn ich etwa teure Bücher fürs Studium brauche, muss ich das im Budget einplanen. Auch die Mieten in Berlin sind mittlerweile katastrophal hoch. Um anderen aufzuzeigen, wie sich ein Studium finanzieren lässt, engagiere ich mich nebenbei bei ArbeiterKind.de.“

abi>> 11.09.2017