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Stipendien sind nicht nur für Überflieger

Geldscheine und Münzen
Mit Stipendien werden Studierende finanziell unterstützt oder auch ideel gefördert, etwa durch Seminare oder Workshops. Klingt attraktiv, doch viele Studieninteressierte oder Studierende bewerben sich gar nicht erst - dabei sind in der Stipendienlandschaft Möglichkeiten für fast jeden dabei.
Foto: Martin Rehm

Wie komme ich an ein Stipendium?

Stipendien sind nicht nur für Überflieger

Es gibt sie für Sportler, für politisch Interessierte oder für sozial Engagierte: Die Stipendienlandschaft in Deutschland ist vielfältiger, als man meint. Die Chancen, gefördert zu werden, stehen gut – wenn man den passenden Stipendiengeber findet.

Fabienne Amrhein hat zwei große Leidenschaften: Das Laufen und die Biologie. Ihr sportliches Engagement verhalf ihr bereits zu einem deutschen Vizemeistertitel im Crosslauf, ihrem fachlichen Interesse geht sie als Masterstudentin der Molekularbiologie mit dem Schwerpunkt Krebsforschung nach. „Mein Ziel war es immer, Sport und Studium unter einen Hut zu bekommen“, sagt die 25-Jährige.

Über die Homepage der Universität Heidelberg, an der sie studiert, erfuhr sie vom Deutschlandstipendium, das zur Hälfte vom Bund, zur anderen von privaten Spendern finanziert wird. „Für mich ist das eine große Erleichterung – so kann ich meinen Sport neben dem Studium weiter betreiben und liege auch meinen Eltern nicht mehr auf der Tasche.“

Nur fünf Prozent mit Stipendium

Ein Porträt-Foto von Fabienne Amrhein.

Fabienne Amrhein

Foto: Frederic Giloy

Rund 25.500 Studierende wurden 2016 wie Fabienne Amrhein mit dem Deutschlandstipendium gefördert. Es ist damit das Stipendium, das in Deutschland am häufigsten vergeben wird – und die Zahl steigt seit der Einführung 2011 von Jahr zu Jahr. Dennoch nutzten der 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks aus dem Jahr 2016 zufolge nur fünf Prozent der Studierenden ein Stipendium als Finanzierungsquelle. „Viele kommen gar nicht auf den Gedanken, sich für ein Stipendium zu bewerben“, sagt Petra Reinert, Abiturientenberaterin bei der Agentur für Arbeit in Karlsruhe. „Dabei gibt es in Deutschland über 2.000 Stipendiengeber.“ Und gerade kleinere Stiftungen schöpfen ihre Fördermittel oft nicht vollständig aus.

Engagement als wichtiges Kriterium

„Viele Stipendien sind gar nicht – wie man meinen könnte – an sehr gute Noten geknüpft, sondern etwa an den Beruf des Vaters oder den Wohnort. Stipendien sind definitiv nicht nur etwas für Überflieger“, betont die Beraterin. Wichtiger als Noten seien vielen Förderern oft die Persönlichkeit und das Engagement der jungen Menschen, die sie unterstützen. „Das Förderprogramm ‚Studienkompass‘ richtet sich etwa speziell an jene, die als erste in der Familie ein Studium aufnehmen“, erklärt Petra Reinert. „Daher gilt es vielmehr, den passenden Förderer zu finden.“

Das gilt vor allem für die Begabtenförderungswerke, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt werden und rund 25 Prozent der Stipendien in Deutschland vergeben. Seit 2013 gibt es 13 dieser Werke. Die Begabtenförderungswerke sollen die Vielfalt der deutschen Gesellschaft darstellen – so stehen einige von ihnen Parteien nahe, andere vertreten bestimmte Glaubensrichtungen. (Erfahre etwa mehr über das Stipendium der Heinrich-Böll-Stiftung in „Eine Chance, den Horizont zu erweitern“.)

Eine Ausnahme ist die Studienstiftung des deutschen Volkes, die politisch, konfessionell und weltanschaulich unabhängig ist. „Uns zeichnet gerade die Vielfalt der Geförderten aus: Wir suchen begabte junge Menschen, die gesellschaftlich engagiert sind und sich durch ihre – durchaus unterschiedlichen – Haltungen hervorheben“, erklärt Sibylle Kalmbach, stellvertretende Generalsekretärin der Studienstiftung. Abiturienten – auch solchen mit fachgebundener Hochschulreife – und Studierenden empfiehlt sie, sich genau über die verschiedenen Begabtenförderungswerke zu informieren. „Jedes Werk vertritt ganz bestimmte Werte, mit denen sich die Stipendiaten auch identifizieren sollten.“

Um geeignete Stipendiaten zu finden, betreiben die Begabtenförderungswerke viel Aufwand mit den Bewerbungsverfahren. „Eine sehr gute Leistung in der Schule oder im Studium spielt natürlich eine Rolle – aber das allein reicht uns nicht. Wir suchen Menschen, die ein breites Interesse haben, die die Gesellschaft aktiv mitgestalten und Verantwortung übernehmen“, erklärt Sibylle Kalmbach.

Sich beweisen in Tests und Gesprächen

Bei der Studienstiftung war es lange Zeit so, dass ein Kandidat vorgeschlagen werden musste – von Lehrern, Professoren oder dem Prüfungsamt. Seit 2010 kann man sich auch selbst bewerben. Diese Bewerber müssen einen Test absolvieren, der es in sich hat. Die Testbesten werden, zusammen mit den vorgeschlagenen Kandidaten, zu einem Auswahlverfahren eingeladen. An diesen zweieinhalb Tagen stehen Einzelgespräche und Gruppendiskussionen an. Außerdem müssten sich die Bewerber bei Vorträgen und in der Moderation beweisen.

Fabienne Amrheins Bewerbungsprozess für das Deutschlandstipendium war da deutlich einfacher: Sie reichte Lebenslauf, Motivationsschreiben und Zeugnisse ein. „Das ist je nach Stipendiengeber sehr unterschiedlich geregelt“, erklärt Abiturientenberaterin Petra Reinert. „Ebenso die Frage, wer gefördert wird: Es gibt Stipendien für Schüler, für Bachelor- und Masterstudierende und auch für Promovenden.“

Für junge Menschen, die ins Ausland gehen möchten – egal ob für ein Studium oder ein Praktikum – seien die Akademischen Auslandsämter der Hochschulen sowie der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) die richtigen Ansprechpartner. „Der DAAD allein hat über 50 Förderangebote“, sagt Petra Reinert. (Mehr über ein Stipendium des DAAD erfährst du in „Förderung für ein Praktikum im sibirischen Winter“.) Besonders beliebt ist auch das Erasmus+-Programm der EU, das grundsätzlich allen Studierenden offensteht, „also nicht nur den Jahrgangsbesten“.

Finanzielle Förderung

So unterschiedlich die Förderer, so unterschiedlich die Förderung: „Die Finanzierung reicht von ein paar Hundert Euro bis deutlich über 1.000 Euro im Monat, etwa für Promotionsstipendien“, erklärt die Beraterin. Deutschlandstipendiatin Fabienne Amrhein etwa erhält 300 Euro pro Monat. Davon stammen 150 Euro aus dem Bundeshaushalt, 150 Euro von privaten Geldgebern wie Unternehmen, Vereinen oder Privatleuten. Zusätzlich könnte sie BAföG beantragen.

Bei den Begabtenförderungswerken bekommen Stipendiaten eine Studienkostenpauschale von 300 Euro und zusätzlich bis zu 735 Euro pro Monat, was dem BAföG-Höchstbetrag entspricht. Die Förderung der meisten Stipendien ist auf die Regelstudienzeit begrenzt, oft jedoch mit der Aussicht, für den folgenden Master ebenfalls eine Förderung zu erhalten.

Ideelle Förderung

Es gibt nur eine Sache, die Fabienne Amrhein bei ihrem Stipendium etwas bedauert. „Über die finanzielle Förderung hinaus wird kaum etwas angeboten“, sagt die 25-Jährige. Ein deutlicher Unterschied zur Unterstützung der Begabtenförderungswerke und vieler privater Stiftungen: „Bei uns liegt der Schwerpunkt in der ideellen Förderung“, sagt Sibylle Kalmbach von der Studienstiftung des deutschen Volkes. Die Betreuung der Stipendiaten ist eng und das Programmangebot reicht von regelmäßigen Stipendiatentreffen über Sommerakademien bis zu wissenschaftlichen Kollegs. „Außerdem ermuntern wir unsere Stipendiaten, auch eigene Ideen umzusetzen.“ (Unter anderem um die ideelle Förderung der Claussen-Simon-Stiftung geht es in „Aus Liebe zur Kunst“.)

Einen Überblick verschaffen

Abiturientenberaterin Petra Reinert empfiehlt für einen ersten Überblick die Internetseiten Stipendienlotse.de und myStipendium.de. „Hier kann man seine Merkmale eingeben – etwa Studienfach oder Herkunftsort – und bekommt mögliche Stipendien angezeigt“, erklärt sie. (Weitere Fakten rund um Stipendien erhältst du in den FAQ „Was du über Stipendien wissen solltest“.)

Zudem rät sie Bewerbern, nie nach dem Gießkannenprinzip vorzugehen: „Es bringt nichts, sich bei möglichst vielen Stipendiengebern zu bewerben – es sollte schon der passende sein.“ Wenn man dann noch einige Gedanken in das Motivationsschreiben steckt und keine 0815-Bewerbung abschickt, seien die Chancen gar nicht schlecht. „Es lohnt sich auch durchaus, bei einer Ablehnung hartnäckig zu bleiben und sich später noch einmal zu bewerben“, empfiehlt Petra Reiner.

Info

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen und dich über verschiedene Stipendien informieren.
www.studienwahl.de

Deutscher Akademischer Austauschdienst

Infos rund ums Studium im Ausland: Studien- und Fördermöglichkeiten, Praktika, Sprachkurse etc.

www.daad.de/ausland/studieren/stipendium/de/70-stipendien-finden-und-bewerben

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Informationen zu Bildung und Forschung in Deutschland
www.bmbf.de

Stipendienlotse

Stipendien-Datenbank des BMBF mit Infos über mehr als 1.300 Stipendien. Suchfunktion nach zahlreichen Merkmalen
www.stipendienlotse.de

Stipendiumplus

Internetseite der 13 Begabtenförderungswerke unter dem Dach des BMBF. Infos zu Formalitäten, Bewerbung und den einzelnen Werken
www.stipendiumplus.de

myStipendium

Private Seite mit zahlreichen Informationen und Tipps rund um Stipendien. Über die Suchfunktion werden geeigente Stipendien nach Merkmalen gefiltert.
www.mystipendium.de

abi>> 30.04.2018