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Was du über Stipendien wissen solltest

Zwei junge Frauen sitzen an einer Bank unter einem Baum und lernen gemeinsam.
Ein Stipendium ist eine Möglichkeit der Studienfinanzierung.
Foto: Julien Fertl

Wie komme ich an ein Stipendium? FAQ

Was du über Stipendien wissen solltest

Stipendien sind nur was für Hochbegabte und die Chancen, gefördert zu werden, sind winzig? Irrtum! Hier findest du die wichtigsten Fragen und Antworten rund um das Thema Stipendium.

Wer wird gefördert?

Viele Abiturienten und Studierenden gehen davon aus, dass nur Hochbegabte gefördert werden. Doch das stimmt nicht. Es gibt allein in Deutschland über 2.000 Stiftungen, die Stipendien vergeben – und die wenigsten davon fördern ausschließlich die mit den besten Noten. Viele Einrichtungen legen eigene Kriterien fest. Sie fördern etwa Studierende, deren Eltern einer bestimmten Berufsgruppe angehören, aus einer bestimmten Region kommen, ein bestimmtes Fach gewählt haben oder als erste in ihrer Familie ein Studium aufnehmen.

Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen?

Die einzige Voraussetzung, die für alle Stipendien gilt: Bewerber müssen an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule studieren. Daher können auch Studierende ein Stipendium erhalten, die kein Abitur haben. Ansonsten sind die Anforderungen je nach Stipendiengeber sehr unterschiedlich. Selbst bei den 13 Begabtenförderungswerken, die in einem Programm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zusammengefasst sind und 25 Prozent der Stipendien vergeben, kommt es nicht auf Bestnoten an. Gefordert sind zwar „überdurchschnittliche“ Leistungen, genauso wichtig sind jedoch gesellschaftliches, politisches oder soziales Engagement sowie die Persönlichkeit des Bewerbers.
Es lohnt sich also für alle Studierenden, sich über mögliche Stipendien zu informieren – ganz unabhängig davon, welche Noten im Zeugnis stehen, wie wohlhabend die Eltern sind oder wie alt der Studierende ist.

Wann sollte ich mich bewerben?

Es gibt Stipendien, die es bereits Oberstufenschülern ermöglichen, Hochschulluft zu schnuppern. Ein Großteil richtet sich jedoch an Studierende. Sobald Studienfach und -ort feststehen, können sich Bewerber um diese Stipendien bemühen. Für viele Stipendiengeber ist der Studienstand jedoch gar nicht ausschlaggebend – auch mitten im Studium kann man sich bewerben. Zudem gibt es Stipendien für Abschlussarbeiten, Auslandsaufenthalte, spezielle Masterprogramme oder die Promotion.

Wie bewerbe ich mich für ein Stipendium?

In der Regel bewirbt man sich auf eigene Initiative. Auch bei der Studienstiftung des deutschen Volkes kann man sich seit 2010 selbstständig bewerben, ein Großteil der Bewerber wird hier jedoch noch immer von Lehrern oder Professoren vorgeschlagen. Bei anderen Stipendiengebern können Kandidaten nur vorgeschlagen werden, bei der Hans-Böckler-Stiftung des Deutschen Gewerkschaftsbundes etwa von Gewerkschaften oder Stipendiaten. Empfehlungsschreiben sind übrigens bei allen Bewerbungen gern gesehen. Ansonsten unterscheidet sich der Bewerbungsablauf stark: Manche Stiftungen oder Vereine wollen lediglich eine schriftliche Bewerbung, bei anderen – etwa den Begabtenförderungswerken – wartet auf Bewerber in der Regel ein dreistufiges Verfahren mit einer oft mehrtägigen Auswahlveranstaltung.

Welche Förderung umfasst das Stipendium und wie lange wird gefördert?

Auch darin unterscheiden sich die Stipendien stark. Sie umfassen zum Beispiel Zuschüsse zu den Lebenshaltungskosten, den Erlass von Studiengebühren oder die Übernahme von Büchergeld. Die finanzielle Unterstützung reicht dabei von mehreren Hundert Euro als Einmalzahlung bis zu einem monatlichen Zuschuss von über 1.000 Euro, etwa für Doktoranden. Bei vielen Stipendiengebern spielt auch die ideelle Unterstützung durch Seminare, Workshops, Mentoring und Coaching eine tragende Rolle. Die Förderung kann dabei für einzelne Semester gelten, aber auch das komplette Studium umfassen.

Welche Vorteile hat ein Stipendium gegenüber anderen Finanzierungsmöglichkeiten?

Bei der finanziellen Förderung durch ein Stipendium muss man keinen Cent zurückzahlen. Die einzige Gegenleistung, die einige Stiftungen und Vereine fordern, ist das Engagement der Stipendiaten. Beim BAföG muss man fünf Jahre nach dem Abschluss immerhin nur die Hälfte des zinslosen Darlehens zurückzahlen und nie mehr als 10.000 Euro.

Ist eine Doppelförderung möglich? Und wird ein Stipendium auf das BAföG angerechnet?

Auch das hängt stark von der Art des Stipendiums ab. Wer das Deutschlandstipendium bekommt, kann zusätzlich BAföG beantragen, bei den Begabtenförderungswerken ist dies ausgeschlossen. Als grober Anhaltspunkt gilt: Je weniger die Förderung finanziell und ideell umfasst, desto eher ist eine Doppelförderung möglich.

Wo kann ich nach geeigneten Stipendien recherchieren?

Einen guten ersten Überblick bieten die Internetseiten Stipendienlotse.de und mystipendium.de. Der Stipendienlotse ist die Stipendiendatenbank des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und umfasst derzeit (Stand Februar 2018) rund 1.300 Stipendien. Die Seite mystipendium.de wurde 2012 von der damaligen Doktorandin Mira Maier als Social Start-up gegründet. Sie wollte ändern, dass sich 92 Prozent der Studierenden, die sich überhaupt um ein Stipendium bewerben, bei nur 0,8 Prozent der Stiftungen bewerben. Entsprechend hält die Seite auch Informationen zu kleineren Stiftungen mit teils ungewöhnlichen Stipendien parat. Passend zum Lebenslauf findet die Suchfunktion Stipendien, die für den Bewerber infrage kommen. Auf der Seite stipendiumplus.de finden Bewerber Informationen zu den Stipendien der 13 Begabtenförderungswerken. Und wer nach einem Stipendium für einen Aufenthalt im Ausland sucht, ist auf der Seite des Deutschen Akademischen Austauschdienstes richtig: Hier gibt es Informationen zu 52 Fördermöglichkeiten.

abi>> 30.04.2018