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„Können manifestiert sich ganz unterschiedlich“

Ein junger Mann malt ein Bild, vor ihm auf dem Tisch sind viele Farbtöpfe zu sehen.
Um einen Platz in einem Studiengang der Bildenden Künste, etwa Malerei, Bilderhauerei oder Fotografie, zu ergattern, musst du bei der Bewerbung meist eine Mappe mit eigenen Werken einreichen.
Foto: Gerischer

Bewerben auf kreative Studiengänge – Interview

„Können manifestiert sich ganz unterschiedlich“

Worauf kommt es bei der Bewerbungsmappe für einen kreativen Studiengang an? Wie kann man sich auf seine Bewerbung vorbereiten? Worauf achten die Prüfer bei den Tests und Gesprächen an der Hochschule? Susanne Kühn, Professorin für Freie Malerei an der Akademie für Bildende Künste (ABK) in Nürnberg, gibt abi» einen Einblick in den Auswahlprozess.

abi>> Frau Kühn, woran erkennen Sie künstlerisches Talent?

Susanne Kühn: In den Bewerbungsmappen, die ich sichte, entdecke ich die unterschiedlichsten Fähigkeiten. Durch manche Arbeiten zieht sich ein roter Faden, der auf ein spezielles Interesse der Bewerber hindeutet. Andere Arbeiten zeichnen sich durch einen besonderen Umgang mit Farbe aus. Es gibt experimentelle Mappen, die auf große Neugier und Offenheit hindeuten. Bei anderen überzeugt eine feine, beobachtende zeichnerische Fähigkeit. Ein künstlerisches Talent kann also sehr divers sein.

abi>> Worauf achten Sie bei den eingereichten Bewerbungsmappen besonders?

Susanne Kühn: Mich persönlich begeistern Bewerbungen, die mich neugierig auf eine Weiterentwicklung machen – Mappen, aus denen ersichtlich wird, dass es hier nicht um eine schulische Aufgabenerfüllung geht, sondern dass die künstlerische Arbeit eine Form des persönlichen Ausdrucks ist. Ich finde Bewerber spannend, die nach etwas suchen und denen ich helfen kann, dieses Etwas zu finden.

abi>> Lohnt es sich Ihrer Ansicht nach, sich für das Zusammenstellen der eigenen Mappe in einem kostenpflichtigen Kurs unterstützen zu lassen oder reicht die Beratung an der Hochschule aus?

Ein Porträtbild von Susanne Kühn

Susanne Kühn

Foto: Johannes Kersting

Susanne Kühn: Für manche sind Mappenkurse hilfreich und förderlich, für andere nicht. Meiner Erfahrung nach ist ein Beratungsgespräch an der entsprechenden Hochschule im Vorfeld hilfreich: Den Bewerbern erleichtert es die Orientierung, welche künstlerische Klasse für sie am besten passt, und uns Lehrenden die Einschätzung ihrer künstlerischen Position. Für diese zählen ja nicht nur die praktisch-künstlerische Arbeit, sondern auch Persönlichkeit, Haltung, Ansichten und Interessen.

abi>> In welche Schritte teilt sich der Bewerbungsprozess an der ABK Nürnberg auf?

Susanne Kühn: Zuerst müssen die Bewerber am 15. Mai eines jeden Jahres ihre Mappe und die Bewerbungsunterlagen bei uns abgegeben haben. Im nächsten Schritt prüft eine Kommission, die aus Professoren der künstlerischen Klassen sowie künstlerischen Fachlehrern besteht, wer zur Eignungsprüfung zugelassen wird. Das ist in erster Linie von der Qualität der künstlerischen Arbeiten abhängig. Das Sekretariat prüft gleichzeitig, ob die Unterlagen vollständig sind. Etwa im Juni werden dann die Einladungen zur Eignungsprüfung verschickt.
Die Eignungsprüfung selbst dauert zwei Tage. Im praktischen Prüfungsteil erstellen die Prüflinge eine künstlerische Arbeit im Medium ihrer Wahl und führen im mündlichen Prüfungsteil ein Gespräch mit der Prüfungskommission. Ein bis zwei Wochen nach der Eignungsprüfung werden dann die Entscheidungen an die Bewerber verschickt.

abi>> Wie wichtig ist es Ihnen, dass Sie einen guten Draht zu dem Bewerber haben?

Susanne Kühn: Unsere künstlerischen Klassen sind mit 20 bis 30 Studierenden relativ klein. Ich arbeite sehr intensiv mit den einzelnen Studierenden zusammen, aber besonders wichtig ist der Austausch in der Klasse bei unseren wöchentlichen Arbeitsbesprechungen. Es geht mir darum, dass sich die Bewerber mit der künstlerischen Ausrichtung der Klasse identifizieren können und dort eine für sie inspirierende, fruchtbare und auch kritische Atmosphäre vorfinden. Das versuche ich in den Gesprächen mit den Bewerbern herauszufinden.

abi>> Wie viel Können muss ein Bewerber mitbringen?

Susanne Kühn: Die Frage wäre: Um welches Können geht es? Die Fähigkeit zu beobachten und zu reflektieren? Um eine eigene Ausdrucksform? Um handwerkliches Können? Oder darum, Dinge durch die Kunst sichtbar zu machen, die andere Formen der Kommunikation nicht vermitteln können? Ich denke, die Stärke einer Bewerbung kann sich ganz unterschiedlich manifestieren. Die Herausforderung für uns als Prüfungskommission liegt darin, diese zu ermitteln.

abi>> Gibt es Bewerbungen, die Ihnen negativ im Gedächtnis geblieben sind?

Susanne Kühn: Nein. Allerdings gibt es Bewerbungen, die noch sehr unentschlossen und unsicher wirken. Meistens hilft hier ein Gespräch im Rahmen unserer Mappenberatung, in dem man klären kann, ob ein Studium der Malerei sinnvoll und passend ist.

abi>> Und positive Bewerbungen?

Susanne Kühn: Ja, natürlich. Aber auch hier kann man erst im Laufe des Studiums gemeinsam herausfinden, ob die anfängliche Begeisterung anhält. Ein Kunststudium ist eine Herausforderung: Da die Persönlichkeit so eng mit dem künstlerischen Ausdruck verbunden ist, kann Kritik entmutigen und verunsichern. Darüber hinaus ist die künstlerische Entwicklung verknüpft mit der Ausbildung in den kunstbezogenen Wissenschaften – auch das erfordert Neugier und Hartnäckigkeit.

abi>> Wie können sich Studieninteressierte gut auf den Bewerbungsprozess vorbereiten?

Susanne Kühn: Ich empfehle neben der ständigen künstlerischen Tätigkeit, zeitgenössische Ausstellungen in Galerien, Institutionen und Museen zu besuchen und über zeitgenössische Kunst zu lesen. Darüber hinaus ist das Internet eine gigantische Informationsplattform für zeitgenössische Kunst.

abi>> 04.07.2018