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Drei Quoten, drei Chancen

Frau lernt an Modell mit Buch
Ob man einen Studienplatz für Humanmedizin ergattern kann, hängt von verschiedenen Faktoren ab.
Foto: Julia Hendrysiak

Bewerbung um ein Medizinstudium

Drei Quoten, drei Chancen

Jedes Jahr bewerben sich bei hochschulstart.de über 43.000 Interessierte auf rund 9.000 Studienplätze in Humanmedizin. Mit einem Spitzenabitur hat man sehr gute Chancen. Doch nicht immer zählt nur die Note. abi>> erklärt, wie die Bewerbung fürs Medizinstudium abläuft.

Louisa Bolm hat sich 2011 bei hochschulstart.de an der Universität zu Lübeck für Humanmedizin beworben. „Das war nach langer Recherche und Besuchen vor Ort meine Wunsch-Uni. Allerdings war ich auch etwas nervös, denn selbst mit einem sehr guten Abiturschnitt ist ein Studienplatz nicht selbstverständlich“, erzählt die 23-Jährige. Die Sorge war umsonst, denn über die Abiturbestenquote ergatterte die Studentin, die gerade das zehnte Semester abgeschlossen hat, einen von jährlich circa 190 Studienplätzen an der Lübecker Uni.

Humanmedizin gehört neben Tier- und Zahnmedizin sowie Pharmazie zu den bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengängen. Das bedeutet: Jeder muss zentral über das Bewerbungsportal „AntOn“ –das steht für Antragstellung online – auf www.hochschulstart.de einen Zulassungsantrag stellen. Für das Wintersemester läuft die Bewerbungsfrist von Mitte April bis 31. Mai beziehungsweise 15. Juli; je nachdem, ob man sein Abi gerade erst gemacht hat oder schon im Vorjahr. Ab Mitte November bis spätestens 15. Januar kann man sich für das Sommersemester bewerben. Jedoch bieten nur wenige der 35 staatlichen Hochschulen mit Medizinischen Fakultäten einen Studienstart im Sommer an.

Note, Wartezeit und Auswahlverfahren

Die Vergabe der Studienplätze erfolgt über drei Quoten: Abiturnote, Wartezeit und Auswahlverfahren der Hochschulen. Jedes Mal können bis zu sechs Studienorte als Ortspräferenzen angeben werden.

Zunächst gehen 20 Prozent der Studienplätze an die Bewerber mit den besten Abiturnoten, in nach Bundesland getrennten Ranglisten. „In dieser Quote herrscht seit Jahren eine sehr starke Konkurrenzsituation“, weiß Kerstin Lütge-Varney von hochschulstart.de. Im Wintersemester 2015/2016 war für Bewerber aus 14 der 16 Bundesländer eine Durchschnittsnote von 1,0 erforderlich. Da aber nur 20 Prozent über diese Quote vergeben werden, haben an vielen Unis nicht einmal alle Einser-Abiturienten einen Studienplatz erhalten.

Wer hier nicht zum Zug kommt, hat vielleicht über die Wartezeitquote eine Chance, mit der weitere 20 Prozent der Studienplätze verteilt werden. Wartezeit umfasst die Anzahl der Halbjahre, die seit dem Erwerb des Abiturs verstrichen sind und in denen man nicht an einer deutschen Hochschule eingeschrieben war. Im vergangenen Wintersemester brauchte man mindestens 14 Halbjahre, um in der Quote berücksichtigt zu werden. Innerhalb einer Gruppe mit gleicher Wartezeit werden die Bewerber anhand weiterer Kriterien wie etwa ihrer Abiturnote sortiert.

Die meisten Studienplätze, nämlich 60 Prozent, werden über die Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH) verteilt. Nur wer in der Abiturbesten- und Wartezeitquote leer ausgegangen ist, kann am weiteren Verfahren teilnehmen und hat Chancen über die AdH.

Hochschulen legen eigene Kriterien fest

Laut Kerstin Lütge-Varney sei das AdH nicht nur durch sein Volumen an zu vergebenden Plätzen interessant, sondern auch durch seinen Charakter. Denn hier zählen nicht nur die Abiturnote, sondern weitere Auswahlkriterien. Dazu gehört zum Beispiel das Ergebnis eines fachspezifischen Studierfähigkeitstests, wie etwa der Test für medizinische Studiengänge (TMS). Eine abgeschlossene einschlägige Berufsausbildung, ein Motivationsschreiben oder ein persönliches Auswahlgespräch können ebenfalls eine Rolle spielen. Art und Umfang der relevanten Kriterien variieren von Hochschule zu Hochschule. Die Uni Lübeck etwa legt vor allem Wert auf das Auswahlgespräch. Das trägt der Tatsache Rechnung, dass eine gute Abi-Note noch lange keinen guten Studierenden beziehungsweise Arzt macht.

Für Bewerber ist es also ratsam, sich bei den gewünschten Hochschulen oder auf hochschulstart.de vorab zu erkundigen, welche Kriterien konkret zählen. „Erfüllt man mehrere Auswahlkriterien einer Universität, sammelt man Bonuspunkte. An einigen Unis wie in Tübingen und Freiburg ist es dadurch möglich, sich um bis zu eine Note zu verbessern. So stehen selbst mit einer Durchschnittsnote von 2,0 die Chancen auf einen Studienplatz gut“, weiß die Expertin von hochschulstart.de.

Bei der Bundeswehr oder an privaten Unis

Anders sieht es mit dem Bewerbungsverfahren, den Fristen und der Anzahl der Studienplätze aus, wenn man an einer privaten Hochschule oder bei der Bundeswehr Medizin studieren möchte. Jedes Jahr werden maximal 220 Studienplätze in Humanmedizin für Sanitätsoffizier-Anwärter der Bundeswehr vorgehalten. Bewerbungen dafür sind an das Personalstammamt der Bundeswehr in Köln zu richten. Die Anzahl der Plätze an privaten Einrichtungen ist eher überschaubar. So hat etwa die Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane – neben der Uni Witten/Herdecke aktuell die einzige private Hochschule, die ein Medizinstudium anbietet – jährlich nur 48 Studienplätze zu vergeben. Für die Zulassung bewirbt man sich direkt bei den Hochschulen.

abi>> 03.10.2016

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