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Wartezeiten bieten große Chancen

Wartezimmerschild
Aus der Not eine Tugend machen: Wenn es mit dem Studienplatz nicht gleich klappt, können Wartesemester sinnvoll genutzt werden.
Foto: Ria Kipfmüller

Wartesemester sinnvoll nutzen

Wartezeiten bieten große Chancen

Wer sich für einen zulassungsbeschränkten Studiengang bewirbt, muss damit rechnen, dass es nicht auf Anhieb mit einem Studienplatz im Wunschfach klappt. Die Wartezeit lässt sich jedoch sinnvoll überbrücken. abi» zeigt, welche Möglichkeiten es gibt.

Als Berufsberaterin für Abiturienten in der Agentur für Arbeit Stuttgart kennt sich Tanja Löffler mit Wartesemestern aus. Des Öfteren sitzen ihr enttäuschte Abiturienten gegenüber, die nicht zu ihrem Wunschstudienfach zugelassen wurden. „Studiengänge sind immer dann zulassungsbeschränkt, wenn sich erfahrungsgemäß mehr Leute bewerben, als es Plätze gibt, und die Hochschulen auswählen müssen“, erklärt Tanja Löffler. Ausgewählt wird nach Note und nach Wartezeit, manche Hochschulen ziehen weitere Kriterien zur Bewerberauswahl heran. „Wer nicht über die Note zugelassen wird, hat aber die Möglichkeit, auf seinen Studienplatz zu warten. Wartesemester werden nämlich bei Bewerbungen für zulassungsbeschränkte Studiengänge als eigene Kategorie mit berücksichtigt“, weiß die Berufsberaterin.

Jedes Halbjahr zählt

Ein Porträt-Foto von Tanja Löffler

Tanja Löffler

Foto: Privat

Ein Teil der Plätze in zulassungsbeschränkten Studiengängen wird über eine Wartezeitquote vergeben. Als Wartesemester zählen die vollständig verstrichenen Halbjahre, die seit dem Erwerb der Hochschulzugangsberechtigung – also zum Beispiel seit dem Abitur – vergangen sind, ohne dass ein Studium an einer Hochschule aufgenommen wurde.

„Wer Wartezeit sammelt, sollte sich jedes Semester erneut darüber informieren, wie hoch die Wartezeit im Wunschstudiengang bei der letzten Bewerbungsrunde war: Waren es wieder zwei Semester oder schwankt der Wert zwischen zwei und vier? Dementsprechend können Abiturienten einschätzen, wann es mit einem Studienplatz klappen könnte“, erläutert die Berufsberaterin. „Allerdings kann es sich lohnen, sich jedes Mal wieder zu bewerben, denn man weiß nie, ob man nicht doch schon früher als erwartet zugelassen werden kann.“

Man muss jedoch nicht an jeder Bewerbungsrunde teilnehmen oder sich auf eine Warteliste setzen lassen, damit die verstrichene Zeit als Wartezeit zählt. Die wird bei einer erneuten Bewerbung nämlich einfach entsprechend neu berechnet.

Freiwilligendienst, Au-pair, Work & Travel

„Selbst wenn man während der Wartezeit nicht studieren darf, gibt es viele Möglichkeiten, die Zeit sinnvoll zu überbrücken“, sagt Tanja Löffler. „Wer beispielsweise voraussichtlich nur zwei Semester warten muss, kann etwa für ein Jahr ins Ausland gehen. Hier bieten sich Work & Travel, eine Au-pair-Tätigkeit oder ein Freiwilligendienst an. Wer mit längeren Wartezeiten rechnen muss, kann über eine Berufsausbildung nachdenken.“ Weitere Optionen bestehen etwa in einem Freiwilligendienst im Inland – zum Beispiel Freiwilliges Soziales Jahr oder Bundesfreiwilligendienst – oder einem Praktikum.

Welche Überbrückungsmöglichkeit für wen sinnvoll sein kann, ist immer typabhängig und sollte in einem individuellen Beratungsgespräch geklärt werden. „Vor allem von kürzeren Wartezeiten profitiert man, wenn man sie sinnvoll nutzt“, weiß die Berufsberaterin. „Man kann Dinge ausprobieren, Erfahrungen sammeln oder sich eine Basis fürs Studium anlegen, sei es in finanzieller oder fachlicher Hinsicht. Wartezeiten bieten große Chancen, denn so eine Zeit kommt nie wieder im Leben.“

Und wer nicht warten will, kann nach verwandten oder anderen interessanten Studiengängen recherchieren, bei denen die Zulassungshürden nicht so hoch oder die sogar zulassungsfrei sind.

20 Prozent über Wartezeit

Wartezeiten gibt es sowohl bei bundesweit als auch bei örtlich zulassungsbeschränkten Studiengängen. Bundesweit zulassungsbeschränkt sind derzeit Human-, Zahn-, Tiermedizin und Pharmazie. Örtlich zulassungsbeschränkt ist beispielsweise Psychologie.

Mit welchen Wartezeiten man bei den bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengängen rechnen muss, weiß Patrick Holtermann, Pressesprecher der Stiftung für Hochschulzulassung: „Für das Wintersemester 2015/16 betrug die Wartezeit zwischen zwei Semestern bei Pharmazie und 14 Semestern bei Medizin“, erläutert er. „20 Prozent aller zur Verfügung stehenden Studienplätze in diesen Fächern werden über die Wartezeitquote vergeben.“

Wer sich für einen zulassungsbeschränkten Studiengang interessiert, sollte sich zunächst im Portal hochschulstart.de informieren. „Für alle bundesweit und für viele der örtlich zulassungsbeschränkten Studiengänge kann man sich direkt darüber bewerben“, sagt Patrick Holtermann. „Und wer seinen Wunschstudiengang dort nicht findet, kann auf studienwahl.de mögliche Studienorte heraussuchen und sich dann direkt bei den einzelnen Hochschulen bewerben.“

Über Auswahlverfahren informieren

Auch bei einer Bewerbung direkt an den Hochschulen muss man natürlich einiges beachten. „Studienbewerber müssen wissen, wie das Auswahlverfahren der jeweiligen Hochschule funktioniert und nach welchen Kriterien sie auswählen“, erklärt Peter Piolot, Studienberater an der Universität zu Köln. „Viele Universitäten haben spezielle Bewerberseiten, auf denen das genau erklärt ist.“ Außerdem sollten Bewerber nachsehen, welche Auswahlgrenze die Wunschhochschule für den Wunschstudiengang im Vorjahr gezogen hat. „So können sie ihre Zulassungschancen besser einschätzen“, sagt Peter Piolot.

In örtlich zulassungsbeschränkten Studiengängen fällt die Wartezeitquote unterschiedlich hoch aus. An der Universität zu Köln liegt sie zum Beispiel bei 20 Prozent, das heißt, 20 Prozent der zur Verfügung stehenden Plätze werden über Wartezeit vergeben. „An den baden-württembergischen Hochschulen sind es zehn Prozent“, weiß Berufsberaterin Löffler.

Weitere Informationen

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studienangebote, Ansprechpartner und internationale Kooperationen.
www.hochschulkompass.de

hochschulstart.de

Hier stellt die Stiftung für Hochschulzulassung vielseitige Informationen rund um bundesweit und eine ganze Reihe örtlich zulassungsbeschränkter Studiengänge zur Verfügung.
www.hochschulstart.de

Rausvonzuhaus

Wer seine Wartesemester im Ausland überbrücken will, wird hier fündig. Zahlreiche Programme, wie etwa Freiwilligendienste, Au-pair oder Work & Travel, werden vorgestellt, Hintergrundinfos geliefert und Tipps für den Aufenthalt gegeben.
www.rausvonzuhaus.de

Freiwilliges Jahr

Informationen über Freiwillige Soziale Jahre und Bundesfreiwilligendienste.
www.freiwilliges-jahr.de

 

abi>> 14.10.2015