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Praktische Erfahrung zahlt sich aus

Tiermedizinische Fachangestellte mit Hund
In einer Ausbildung praktische Erfahrungen zu sammeln, kann für das spätere Studium Vorteile haben.
Martin Rehm

Wartesemester sinnvoll nutzen: Erfahrungsbericht

Praktische Erfahrung zahlt sich aus

Als Luisa Basler in Dresden das Abitur geschafft hatte, wurde sie nicht auf Anhieb zum Studium der Tiermedizin zugelassen. Die Wartesemester hat sie mit einer Ausbildung zur Tiermedizinischen Fachangestellten überbrückt. Heute ist die 26-Jährige der Meinung, dass ihr gar nichts Besseres passieren konnte.

Ich wollte schon immer Tierärztin werden. Deshalb kam für mich auch nichts anderes in Frage als Tiermedizin zu studieren. Aber als es dann aufs Abitur zuging, habe ich mir bereits gedacht, dass es mit dem Studium nicht auf Anhieb funktionieren wird: Mein Abischnitt betrug 2,2 und ich hätte eine Eins vor dem Komma haben müssen. Laut Internetseite der Stiftung für Hochschulzulassung beträgt die Wartezeit meist zehn bis zwölf Semester.

Vom Praktikum zum Ausbildungsplatz

Ein Porträt-Foto von Luisa Basler

Luisa Basler

Foto: Privat

Um die Wartezeit sinnvoll zu nutzen, habe ich mich frühzeitig um einen Ausbildungsplatz als Tiermedizinische Fachangestellte bemüht. Allerdings war es gar nicht so einfach, einen Ausbildungsplatz zu finden. Tierkliniken wollen ihre Auszubildenden später ja in der Regel übernehmen – ich wollte aber unbedingt studieren. Also habe ich erst einmal vier Monate ehrenamtlich im Tierheim gearbeitet und danach mehrere Monate ein Praktikum in einer Tierarztpraxis gemacht. Während meiner ehrenamtlichen Tätigkeit wohnte ich nach wie vor zu Hause und während des Praktikums unterstützten mich meine Eltern finanziell. Die Miete für meine Unterkunft übernahm die Tierarztpraxis. Dort klappte es schließlich auch mit dem Ausbildungsplatz.

Die Ausbildung hat mir auf Anhieb gefallen, denn ich habe direkt mit den Tieren gearbeitet und sammelte dabei sehr viel praktische Erfahrung. Darüber hinaus gewann ich Einblicke in den Arbeitsalltag eines Tierarztes, beispielsweise im Hinblick auf Arbeitszeiten, Aufgabengebiete und Verdienst. Ich habe schnell gemerkt, dass ich von dem Gelernten später im Studium sehr profitieren würde. Das hat sich im Nachhinein auch bestätigt.

Zusage nach acht Wartesemestern

Als meine Ausbildung vorbei war, klappte es immer noch nicht mit einem Studienplatz. Zum Glück konnte ich so lange als Tiermedizinische Fachangestellte in meiner Ausbildungspraxis weiterarbeiten, bis ich schließlich nach acht Wartesemestern von der Uni Gießen eine Zusage bekam. Auf diese Weise konnte ich auch ein bisschen Geld fürs Studium zurücklegen.

Insgesamt habe ich nach dem Abitur also vier Jahre auf meinen Studienplatz gewartet. Mittlerweile bin ich aber der Meinung, dass die Ausbildung das Beste ist, was mir passieren konnte. Die Noten auf dem Papier nützen nämlich gar nicht so viel, wie man immer denkt. Was eben auch zählt, ist die praktische Erfahrung. Allen, die mit Wartesemestern konfrontiert sind, kann ich nur empfehlen, erst mal eine Ausbildung zu machen und Erfahrung im Berufsalltag zu sammeln. Das zahlt sich aus. Auch meinen Nebenjob als studentische Hilfskraft in einer Klinik für Wiederkäuer habe ich beispielsweise bekommen, weil ich schon viel Erfahrung in der direkten Arbeit mit Tieren vorweisen konnte.

Bis zu meinem Studienabschluss fehlen mir noch fünf Semester. Danach werde ich als angestellte Tierärztin in meine Ausbildungspraxis zurückkehren. Auch das ist ein Pluspunkt, der sich durch meine Ausbildung ergeben hat: Die Aussicht auf eine Arbeitsstelle, die auf mich wartet.

abi>> 14.10.2015