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Studienbewerbung leicht gemacht

Gebäude der Hochschul- und Landesbibliothek auf dem Campus der Hochschule Fulda.
Abitur geschafft und ab an die Hochschule? Ganz so einfach ist es leider nicht immer. Viele Studiengänge sind zulassungsbeschränkt – hier gilt es, die Bewerbungsfristen zu beachten und sich rechtzeitig über die Anforderungen zu informieren.
Foto: Hans-Martin Issler

Wie bekomme ich einen Studienplatz? – Hintergrund

Studienbewerbung leicht gemacht

Über 42 Prozent aller Studienplätze in Deutschland sind zulassungsbeschränkt. Damit die eigene Bewerbung reibungslos abläuft, sollten Abiturienten die verschiedenen Zulassungsmodi kennen. abi>> hat die wichtigsten Infos gesammelt.

Im Fachbereich Wirtschaftswissenschaft der Uni Tübingen werden drei Bachelorprogramme angeboten: Economic Business Administration (EcoBA), International Business Administration (IBA) und International Economics (IEco). Im Wintersemester 2017/18 bewarben sich mehr als 2.130 Interessierte um einen der rund 250 Studienplätze des Fachbereichs – ein Rekord. Einer der begehrten Plätze ging an Thomas Hawighorst. Seit Oktober studiert der 25-Jährige International Business Administration. „Ich hatte mich an mehreren Hochschulen beworben, wobei Tübingen weit oben auf meiner Wunschliste stand“, erzählt er.

Bei manchen Hochschulen konnte er sich direkt über ein Onlineportal bewerben, für Tübingen musste er sich bei hochschulstart.de registrieren. Das Portal der Stiftung für Hochschulzulassung unterstützt die Hochschulen bei der Durchführung ihrer örtlichen Auswahlverfahren mit dem Dialogorientierten Serviceverfahren (DoSV). „Ich musste mich bei hochschulstart.de registrieren und bekam eine Bewerber-ID sowie eine Bewerber-Authentifizierungs-Nummer, die ich bei der anschließenden Bewerbung im Onlineportal der Uni Tübingen angeben musste“, erläutert Thomas Hawighorst.

Online abgefragt wurden der Abiturschnitt sowie Einzelnoten. Das Abizeugnis schickte er per Post nach. „Man kann zusätzlich noch Belege über Praktika oder etwa ein Freiwilliges Soziales Jahr einschicken. Dafür gibt es Bonuspunkte.“ Besonders wichtig war es, die Bewerbungsfrist einzuhalten: Bewerbungen, die zu spät bei der Hochschule ankommen, werden nicht berücksichtigt.

Während ihm die Zusagen von zwei Hochschulen bereits vorlagen, wartete Thomas Hawighorst noch auf eine Antwort aus Tübingen. Die kam spät. In der Zwischenzeit war die Rückmeldefrist eines anderen Angebots verstrichen. „Man muss einfach gut abwägen, ob das Warten Sinn macht“, ergänzt der Student.

Zentrale Bewerbung für bis zu zwölf Plätze

In vielen Fällen läuft die Bewerbung für einen Studienplatz wie in Thomas Hawighorsts Fall ab. Die Stiftung für Hochschulzulassung koordiniert mithilfe des Dialogorientierten Serviceverfahrens mittlerweile die Vergabe der Plätze für mehr als 1.000 örtlich zulassungsbeschränkte Studiengänge an rund 130 Standorten im Auftrag der Hochschulen. Von einer örtlichen Zulassungsbeschränkung spricht man, wenn diese nur für den jeweiligen Studiengang an der jeweiligen Hochschule gilt.

Wenn eine Hochschule am DoSV teilnimmt, müssen sich Studieninteressierte zunächst im Bewerbungsportal von hochschulstart.de registrieren. Im Anschluss erfolgt die Bewerbung je nach Vorgabe der Hochschule entweder über hochschulstart.de oder – wie bei Thomas Hawighorst – über die Hochschule. Studieninteressierte können sich für bis zu zwölf Studiengänge bewerben und jederzeit prüfen, ob sie bereits an einer oder mehreren Hochschulen zugelassen wurden.

„Ziel des DoSV ist es, frei bleibende Studienplätze und Mehrfachzulassungen zu vermeiden“, sagt Studien- und Berufsberaterin Maria Altenbuchinger-Dick von der Agentur für Arbeit Freising. Nach Abschluss aller Nachrückverfahren finden in zulassungsbeschränkten Studiengängen, in denen noch freie Studienplätze vorhanden sind, Losverfahren statt. „Für die Teilnahme am Losverfahren ist eine gesonderte Bewerbung erforderlich. Zwar sind die Chancen in der Regel gering, da es nur um einzelne Studienplätze geht. Allerdings ist es die letzte Chance, in dem laufenden Bewerberturnus noch einen Platz zu bekommen“, erklärt die Beraterin.

Begrenzte Auswahl bei zu vielen Bewerbern

Bundesweit sind laut dem aktuellen Numerus-clausus-Check 2017/18 des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) 42,4 Prozent aller Studiengänge zulassungsbeschränkt. „Übersteigt die Nachfrage das vorhandene Angebot der Hochschule für das jeweilige Studienfach, können nicht alle Bewerber einen Studienplatz erhalten. Es wird nur eine begrenzte Auswahl, eben ein ‚Numerus clausus‘ für den Studiengang zugelassen“, erklärt Diana Ebert, Referentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK).

Hier gibt es große Unterschiede zwischen den Fächern. Die höchste Numerus-clausus-Quote (NC-Quote) im Wintersemester 2017/18 hatte laut CHE die Gruppe der Rechts-, Wirtschafts-, Gesellschafts- und Sozialwissenschaften mit gut 53 Prozent. „Auch bei den klassischen Psychologie-Studiengängen ist der Zugang beschränkt. In den Sprach- und Kulturwissenschaften hingegen gibt es in rund 70 Prozent aller Studiengänge keine Beschränkung“, sagt Maria Altenbuchinger-Dick.
Von Belang ist aber nicht nur was, sondern auch wo man studieren will: Den größten Anteil zulassungsbeschränkter Studiengänge gab es im Wintersemester 2017/18 in Hamburg mit 75,5 Prozent. In Mecklenburg-Vorpommern hingegen sah es mit einer NC-Quote von 20,1 Prozent ganz anders aus.

Drei Quoten für einen Studienplatz

Bei bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengängen werden die Bewerbung sowie die Vergabe der Studienplätze im Rahmen eines zentralen Verfahrens von hochschulstart.de durchgeführt. Zu diesen Studiengängen gehören Medizin, Pharmazie, Tiermedizin und Zahnmedizin.

Die Plätze in diesen vier Fächern werden anhand von Quotierungen vergeben: 20 Prozent nach der Abiturnote, 20 Prozent nach Wartezeit. Die restlichen 60 Prozent besetzen die Hochschulen durch eigene Auswahlverfahren, in denen neben der Abiturnote auch Kriterien wie berufspraktische Qualifikationen, Eignungstests oder Auswahlgespräche eine Rolle spielen können. Mehr über die Zulassung zu den bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengängen erfährst du im Artikel „Bewerbung in drei Quoten“.

Abiturnote und Wartezeit

Ob bundesweit oder örtlich beschränkt: Die wichtigsten Kriterien bei der Vergabe der Studienplätze sind die Abiturnote und die Wartezeit. Motivationsschreiben, Auswahlgespräch, Testergebnisse oder Vorpraktika bringen häufig Bonuspunkte. „Was oft falsch verstanden wird: Die Wartezeit wird nicht auf den Abi-Schnitt angerechnet. Die Hochschulen müssen einen bestimmten Teil der Plätze in NC-Studiengängen nach Wartezeit vergeben. Mit welcher Wartezeit man einen Platz bekommt, ergibt sich jedes Semester neu“, erklärt Maria Altenbuchinger-Dick. Ein Studium in Deutschland gilt nicht als Wartezeit, eine Ausbildung dagegen schon.

Die Eignungsprüfung

In den Studienfächern rund um Sport sowie im Bereich Architektur, Kunst und Design sind Eignungsprüfungen üblich. Die Bewerber müssen etwa Tests absolvieren oder – in künstlerischen Studiengängen – eine Mappe mit Arbeitsproben einreichen.

Aber auch andere Fächergruppen prüfen die Eignung der Studieninteressierten. Ein Beispiel hierfür sind etwa die Bachelorstudiengänge der Fakultät für Informatik der TU München – Informatik, Wirtschaftsinformatik und Games Engineering. „Wir setzen ein zweistufiges Eignungsfeststellungsverfahren ein“, erklärt Dekan Prof. Hans Joachim Bungartz. In Stufe 1 werden die Bewerber direkt zugelassen, die bestimmte Kriterien erfüllen. Bei der Auswahl zählt eine ganze Reihe von Faktoren, etwa die fachliche Qualifikation, die durch die Abiturnote und Noten in Schlüsselfächern wie Mathe, Deutsch, Englisch und Informatik belegt wird. Auch die Motivation sowie die realistischen Vorstellungen von den Anforderungen des Studiums, vom Fach und von den Berufszielen spielen eine Rolle. Nicht zuletzt sind die Fähigkeit zum abstrakten, logischen und systemorientierten Denken sowie fachspezifische Zusatzqualifikationen wichtig.

Wer in Stufe 1 eine bestimmte Punktzahl nicht erreicht, wird in Stufe 2 zu einem Gespräch eingeladen. Man wolle keine negative Entscheidung nur aufgrund der Papierlage treffen, wie der Dekan betont.

Weitere Informationen

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Im „Finder“ kannst du nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

Stiftung für Hochschulzulassung

Portal für die Registrierung zum Dialogorientierten Serviceverfahren oder für die Bewerbung auf bundesweit zulassungsbeschränkte Studiengänge
www.hochschulstart.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studienangebote, Ansprechpartner und internationale Kooperationen
www.hochschulkompass.de

Studienplatzbörse

https://www.hochschulkompass.de/studienplatzboerse.html

Hochschulrektorenkonferenz (HRK)

www.hrk.de

Reststudienplatzbörse

der Stiftung für Hochschulzulassung und der Hochschulrektorenkonferenz
www.freie-studienplaetze.de

abi>> 04.12.2017