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„Wo habe ich die besten Chancen?“

Herz-Modell
Bevor er sich im Studium mit der Anatomie von Tieren auseinandersetzen konnte, musste Tobias Raum die Bewerbungshürden meistern.
Foto: Heusel

Wie bekomme ich einen Studienplatz? – Bundesweite Zulassungsbeschränkung

„Wo habe ich die besten Chancen?“

Tobias Raum (24) studiert im sechsten Semester Tiermedizin an der Freien Universität (FU) Berlin. Für ihn kam kein anderer Studiengang in Frage. Einen Plan B hatte er bei der Studienplatzsuche nicht, dafür eine zielgerichtete Strategie. Wie diese im Detail aussah, berichtet er für abi>>.

Ich habe 2012 mein Abitur gemacht und wollte unbedingt Tiermedizin studieren. Mit dem Bewerbungsverfahren hatte ich mich schon früh, also weit vor dem Abitur, auseinandergesetzt und wusste, dass die Vergabe der Studienplätze bundesweit über hochschulstart.de koordiniert wird. Die Registrierung ging schnell und war unkompliziert: Ich füllte ein Formular aus, bekam die Zugangsdaten und hätte dann als Erstbewerber bis zum 15. Juli Zeit gehabt, die Unterlagen wie etwa das Abiturzeugnis einzuschicken. Ich habe mich allerdings für einen anderen Weg entschieden.

Wartezeit sinnvoll überbrücken

Ein Porträt-Foto von Tobias Raum

Tobias Raum

Foto: privat

Um direkt über die Abiturnote einen Studienplatz zu bekommen, hätte ich damals je nach Universität mindestens einen Schnitt von 1,3 bis 1,5 haben müssen. Da das nicht der Fall war, hätte ich über die Abiturbestenquote also keinen Erfolg gehabt. Daher habe ich auf eine Ausbildung gesetzt, um die Wartezeit sinnvoll zu überbrücken. Zudem kann die Ausbildung im Auswahlverfahren der Hochschulen Bonuspunkte bringen.

An der Tierklinik am Nordring in Nürnberg habe ich einen Ausbildungsplatz als Tiermedizinischer Fachangestellter bekommen. Als Abiturient konnte ich die Dauer von drei auf zwei Jahre verkürzen. Voraussetzung waren ein gutes Abschneiden bei der Zwischenprüfung, eine Bewertung vom Vorgesetzten oder alternativ sehr gute Leistungen im ersten Ausbildungsjahr.

Bewerbung über Wartezeit und Auswahlverfahren

Tiermedizin wird in Deutschland nur an fünf Universitäten angeboten. Ich habe mich jedes Jahr aufs Neue über hochschulstart.de beworben – zum einen über die Wartezeit, zum anderen über das Auswahlverfahren der Hochschulen. Dabei habe ich überlegt, bei welcher Universität ich die größten Chancen hatte. Berlin war für mich die beste Option. An den anderen Universitäten kann man Bonuspunkte für Einzelnoten in Chemie, Biologie und Physik bekommen. Ich hatte in der Oberstufe nur Biologie als Prüfungsfach durchgehend bis zum Abitur belegt, Chemie lediglich ein Jahr.

In Berlin gibt es zudem einen studieninternen Test, bestehend aus einem Online-Fragebogen mit 180 Fragen, den man an einem PC des Fachbereichs vor Ort bearbeiten muss. Das ist kein Wissenstest: Abgefragt werden Persönlichkeitsmerkmale, Interessen und Neigungen. Es geht zum Beispiel darum, in welche Sparte man arbeiten möchte, etwa als Kleintierpraktiker oder in der Forschung, oder ob man sich vorstellen kann, eine Praxis zu gründen. Für jede Bewerbungsrunde macht man den Test neu. Ich habe ihn insgesamt dreimal absolviert.

Vom Ausbildungsbetrieb an die Hochschule

Nach zwei Jahren habe ich meine Ausbildung erfolgreich beendet. Als Altbewerber musste ich bis zum 31. Mai bei hochschulstart.de meine Unterlagen aktualisieren. Da mein Ausbildungsende erst im Juli war, habe ich die Universitäten angeschrieben und gefragt, ob ich das Zeugnis nachreichen kann, damit es in die laufende Bewerbungsrunde miteinfließt. In Berlin war das möglich.
Anschließend habe ich noch zwei Monate in der Klinik gearbeitet, bevor im September die Zusage von hochschulstart.de per E-Mail und wenig später der Bescheid aus Berlin kamen.
Die Berufsausbildung hat mich in vielerlei Hinsicht nach vorne gebracht – nicht nur im Bewerbungsverfahren. Der Lernstoff ist eben nicht mehr nur Theorie. Das hilft beim Verstehen. Viele meiner Kommilitonen haben vor dem Studium ebenfalls eine Ausbildung absolviert.

abi>> 28.11.2017