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Heimvorteil mit Hindernissen

Schlafzimmer einer Jugendlichen
Zu Hause zu wohnen, bringt für Studierende Vor- und Nachteile. Oft ist es vor allem eine Frage des Geldes.
Foto: Verena Westernacher

Studentische Wohnformen: Bei den Eltern wohnen

Heimvorteil mit Hindernissen

Bettina Reitmeir (19) studiert Ingenieurwissenschaften im zweiten Semester an der Munich School of Engineering und wohnt bei ihren Eltern. „Mit Bequemlichkeit hat das nichts zu tun“, berichtet sie.

An der Munich School of Engineering sind mehrere Fakultäten der Technischen Universität München (TUM) beteiligt, der Campus liegt in Garching. Ich habe mich nach meinem Abitur für Ingenieurwissenschaften eingeschrieben, war mir zunächst aber nicht sicher, ob ich dabei bleiben würde. Also bin ich erst einmal bei meinen Eltern im Münchner Norden wohnen geblieben. Bis zum Campus brauche ich von zu Hause aus mindestens 40 Minuten, wobei ich je nach U-Bahnlinie ein- oder zweimal umsteigen muss.

„Wir nehmen Rücksicht aufeinander“

Ein Porträt-Foto von Bettina Reitmeir

Bettina Reitmeir

Foto: privat

Zu Hause zu wohnen, bringt Vor- und Nachteile. Das Verhältnis zu meinen Eltern ist nicht mehr so wie zu Schulzeiten – wir begegnen uns mehr auf Augenhöhe. Trotzdem steckt man noch in der Familienstruktur. Natürlich beteilige ich mich an Hausarbeiten wie Putzen, Einkaufen und Kochen. Dennoch fühlt es sich nicht so selbstständig an, wie ich gerne wäre. Wir nehmen auch Rücksicht aufeinander und ich lade nicht einfach spontan Freunde ein. Wenn ich eine eigene Wohnung hätte, wäre ich da sicherlich unbefangener.

Dafür habe ich ausreichend Platz, muss nicht alleine einen Haushalt führen und werde gefragt, ob ich zu den Essenszeiten daheim bin und mitessen möchte. Gerade in lernintensiven Phasen ist das ein Luxus. Ich bin zudem noch im Sportverein sehr aktiv. Da dieser ganz in der Nähe liegt, ist das Training für mich gut erreichbar.

„Ein Auszug will gut überlegt sein“

Mittlerweile bin ich mir sicher, dass ich den richtigen Studiengang gewählt habe, und es wäre schön, eine eigene Wohnung zu haben. Ich würde gerne mit einer Freundin zusammenziehen, aber bezahlbaren Wohnraum innerhalb des U-Bahnbereichs zu finden, ist schwierig. Weiter aufs Land zu ziehen, wo die Mieten eventuell günstiger wären, ist auch keine Alternative. Dadurch hätte ich wenig gewonnen.

Als Münchner ist es erfahrungsgemäß schwierig, ein Zimmer in einem Studentenwohnheim zu bekommen: Bei der Vergabe durch die Studentenwerke haben Studierende von außerhalb Vorrang, bei privaten Wohnheimen muss man mit langen Wartezeiten rechnen. Die meisten Studierenden aus München, die ich kenne, haben das gleiche Problem und wohnen daher noch zu Hause.

Wenn ich mehr als 400 Euro Miete im Monat bezahlen wollte, hätte ich bessere Aussichten. Dann müsste ich aber nebenbei arbeiten. Mein Studiengang ist sehr arbeitsintensiv – um Studium, Arbeit und Sport unter einen Hut zu bekommen, müsste ich einen sehr flexiblen Arbeitgeber finden. So kann ich nebenbei ein wenig Nachhilfe geben oder Babysitten. Aber um einen regulären Job anzunehmen, fehlt mir einfach die Zeit. Da muss man genau abwägen, ob sich das lohnt – ein Auszug will gut überlegt sein.

abi>> 08.08.2016