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Wer die Wahl hat, hat die Qual

Das WG Zimmer eines Studenten.
WG, Wohnheim oder eigene Bleibe? Vor dem Studienstart sollte man sich gut überlegen, welche Wohnform zu einem passt.
Foto: Verena Westernacher

Studentische Wohnformen

Wer die Wahl hat, hat die Qual

Auf geht’s zur Uni: Die Vorfreude ist groß, denn mit dem Studium fängt auch ein neuer Lebensabschnitt an. Die ersten Schritte in die Selbstständigkeit beginnen dabei schon mit der Suche nach der passenden Bleibe und der Frage: Welche Wohnform ist überhaupt die richtige für mich? Will ich allein oder in einer Wohngemeinschaft leben – oder ist es sogar sinnvoller, vom Elternhaus zur Hochschule zu pendeln? abi>> beschäftigt sich mit den Vor- und Nachteilen der jeweiligen Wohnmöglichkeiten.

Auch das Deutsche Studentenwerk in Berlin hat sich mit diesen Fragen auseinandergesetzt und dabei im Rahmen der 20. Sozialerhebung interessante Fakten herausgefunden. So leben 29 Prozent der befragten Studierenden und damit rund ein Drittel in einer Wohngemeinschaft. Mit 23 Prozent bleibt fast ein Viertel noch bei den Eltern wohnen und rund 20 Prozent ziehen mit dem Partner zusammen. In einer eigenen Wohnung leben knapp 17 Prozent, gefolgt von zehn Prozent der Befragten, die sich in einem Wohnheim einmieten. Nur etwa ein Prozent wohnt zur Untermiete.

Detlef Rujanski  hat dunkelblondes Haar. Er trägt eine rote Krawatte und ein blaues Hemd.

Detlef Rujanski

Foto: Privat

Bei der Suche nach einem Dach über dem Kopf ist es weniger entscheidend, welche Wohnform gerade angesagt ist – viel wichtiger ist es herauszufinden, was genau zu einem passt. Das weiß auch Detlef Rujanski, Geschäftsführer des Studierendenwerks Siegen. „Wir erklären den angehenden Studierenden kurz die einzelnen Möglichkeiten mit den jeweiligen Vor- und Nachteilen und erstellen so gemeinsam ein individuelles Profil. Denn der junge Mensch soll sich ja in seiner Unterkunft vor allem wohlfühlen – getreu dem Motto ‚Damit Studieren gelingt‘.“

Die WG

Die Vorzüge einer WG liegen für Detlef Rujanski dabei ebenso klar auf der Hand wie mögliche Konfliktpotenziale. „Man ist nie allein und es ist immer etwas los. Das kann allerdings auch von Nachteil sein. Die gemeinsame Nutzung von Bad und Küche kann schon mal zum Problem werden, denn oft gibt es unterschiedliche Vorstellungen von Hygiene.“ Oder wenn die Ruhe zum Lernen fehlt. Dass das WG-Leben insbesondere die persönliche Entwicklung positiv beeinflussen kann, weiß Astrid Brandenburger, Abteilungsleiterin für Kommunikation und Studierendenservice des Studierendenwerks Mannheim. „Im täglichen Miteinander einer WG kann man sicherlich ‚Social Skills‘ erwerben und lernen, sich auf unterschiedliche Charaktere und Bedürfnisse einzustellen“, sagt sie (siehe Artikel „Man sollte kompromissbereit sein“).

Die eigene Bleibe

Für diejenigen, die es etwas ruhiger mögen, bietet sich ein eigenes Apartment an. Aber auch diese Wohnform bringt Vor- und Nachteile mit sich, insbesondere für Studienanfänger. „Das Leben in der eigenen Wohnung kann auch dazu führen, dass man sich gerade als Neuankömmling in einer fremden Stadt schnell einsam fühlt“, erläutert Astrid Brandenburger. Daneben spielt natürlich auch der finanzielle Aspekt eine Rolle, weiß Detlef Rujanski. „Im Gegensatz zu anderen Wohnformen ist ein eigenes Apartment oft nicht so preisgünstig und aufgrund der individuellen Ausrichtung auch häufig nicht möbliert. Dafür kann man sich die Wohnung nach eigenen Vorstellungen gestalten und hat Küche und Bad für sich allein“, sagt er (siehe Artikel „Die eigenen vier Wände“).

Das Wohnheim

Daneben besteht natürlich auch die Möglichkeit, ein Zimmer in einem Wohnheim zu mieten, wo man die Chance hat, beim Kochen in der Gemeinschaftsküche oder im Aufenthaltsraum neue Leute kennenzulernen, sich aber genauso in die eigenen Räumlichkeiten zurückziehen kann. Oft haben die Wohnheime auch einen Standortvorteil: „Durch die Campusnähe sind die Wege zur Hochschule meist nicht weit. Zudem sind die Zimmer kostengünstiger als Einzelapartments. Allerdings sind die Bewerberlisten oft sehr lang, was zu Wartezeiten führen kann“, erklärt Detlef Rujanski. Nach Angaben des Deutschen Studentenwerks bieten die 58 Studierendenwerke bundesweit rund 189.500 Wohnheimplätze an, die Mehrheit davon möbliert. Die Wohnfläche liegt in der Regel zwischen 18 und 25 Quadratmetern, die Warmmiete beträgt im Durchschnitt 234 Euro (siehe Artikel „Von der Not zum Kleinod“).

Das Elternhaus

Viele Studierende wohnen weiterhin zu Hause, was natürlich den Geldbeutel schont, denn für Miete, Nebenkosten und Essen kommen meistens die Eltern auf. Allerdings muss man so oft weite Wege zur Hochschule in Kauf nehmen und die Möglichkeit, in der fremden Stadt schnell Anschluss zu finden, ist dementsprechend geringer als bei einem Umzug in eine WG oder in ein Wohnheim (siehe Artikel „Heimvorteil mit Hindernissen“).

Wer sich für einen Umzug entscheidet, egal ob in eine WG, in ein Wohnheim oder in die eigenen vier Wände, muss im Vorfeld viele Dinge berücksichtigen. Zunächst einmal gilt es, am Studienstandort eine Bleibe zu finden. Besonders wichtig dabei ist, nicht erst zwei Wochen vor Semesterstart mit der Suche zu beginnen. Der Grund dafür: Mittlerweile stellt bezahlbares Wohnen eines der größten Probleme für Studierende dar. Insbesondere in Groß- und Studentenstädten ist es schwierig, eine günstige Unterkunft zu finden (siehe Interview „Je eher, desto besser“). Laut einer Untersuchung des Deutschen Studentenwerks ist die Zahl der staatlich geförderten Wohnheimplätze seit 2008 nur um fünf Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Die Zahl der staatlich geförderten Studienplätze erhöhte sich im gleichen Zeitraum um 42 Prozent. „Auf dem studentischen Wohnungsmarkt in Mannheim beispielsweise liegt in den Monaten September bis Dezember jedes Jahr ein Engpass vor“, berichtet Astrid Brandenburger. „Dabei ist das Verhältnis von Erstsemester- zu Einwohnerzahl in Mannheim sogar grundsätzlich günstiger als in den traditionellen Universitätsstädten.“

Alternative Modelle

Für die Suche nach WGs und Wohnungen gibt es Informationsmöglichkeiten in den örtlichen Zeitungen, spezielle Portale im Internet und das klassische Schwarze Brett an den Hochschulen selbst. Um ein Zimmer in einem Wohnheim zu mieten, ist es notwendig, sich mit dem jeweiligen Studentenwerk in Verbindung zu setzen, nach freiem Wohnraum zu fragen und sich auf die Warteliste setzen zu lassen. „Grundsätzlich empfehlen wir den Studierenden, sich unverbindlich und online um einen Wohnplatz zu bewerben, sobald Mannheim als Studienort ins Auge gefasst wird“, ergänzt Astrid Brandenburger. „Bereits sechs Monate vor dem geplanten Studienstart ist die Bewerbung möglich.“

Darüber hinaus bieten einige Projekte Alternativen für Studierende, beispielsweise „Wohnen für Hilfe“. Hierbei vermieten Senioren Zimmer an Studierende oder Auszubildende. Statt Miete zu bezahlen, unterstützen die jungen Menschen ihre Vermieter im Alltag. Von Haushaltshilfe und Gartenpflege über Einkaufen bis hin zu gemeinsamen Unternehmungen ist vieles möglich. Ausgeschlossen sind Pflegeleistungen jeglicher Art. Pro Quadratmeter bezogenen Wohnraum leisten die Mieter eine Stunde Hilfe im Monat.

Ist das richtige Dach über dem Kopf gefunden, muss im Anschluss der Umzug organisiert werden – mit allem, was dazu gehört. Das bedeutet bei einem Wohnortwechsel sowohl die Anmeldung des neuen Wohnsitzes beim örtlichen Meldeamt als auch vertragliche Abschlüsse mit Strom- und Gasanbietern und die Einrichtung eines Internet- und Telefonanschlusses. Hier empfiehlt es sich, Vergleichsportale im Internet zu nutzen, um so günstige Anbieter zu finden. Da einige Abiturienten bei Studienbeginn noch nicht volljährig sind, ist zudem für die Unterzeichnung der Verträge eine Unterschrift der Eltern notwendig.

Weitere Informationen

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.

www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Informationen über deutsche Hochschulen, deren Studienangebote, Ansprechpartner und internationale Kooperationen

www.hochschulkompass.de

Deutsches Studentenwerk (DSW)

Website mit Informationen zur Wohnheimplatzsuche sowie zu Möglichkeiten der Studienfinanzierung und zum Thema Studium und Behinderung. Mit Links zu den Studentenwerken aller deutscher Hochschulstandorte sowie Kontaktadressen der Ansprechpartner.

www.studentenwerke.de

20. Sozialerhebung

Website der aktuellen Studie zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der Studierenden in Deutschland des DSW mit interessanten Fakten rund ums Studienleben

www.sozialerhebung.de

Befreiung von der Rundfunkbeitragspflicht

www.rundfunkbeitrag.de/index_ger.html

Deutsche Post

Umzugstipps

www.umziehen.de/umzugstipps

Portale für die Wohnungssuche (Auswahl)

WG-Gesucht.de

www.wg-gesucht.de

Studenten-WG.de

www.studenten-wg.de

immowelt.de

www.immowelt.de

Immobilienscout24.de

www.immobilienscout24.de

Projekt „Wohnen für Hilfe“

www.wohnenfuerhilfe.info

abi>> 08.08.2016