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„Man sollte kompromissbereit sein“

Zwei junge Frauen stehen gemeinsam an einem Waschbecken und waschen Salat.
Egal, ob Hausarbeit oder Badezimmerplan: Wenn man in einer WG wohnt, muss man auf seine Mitbewohner Rücksicht nehmen.
Foto: Julien Fertl

Studentische Wohnformen: Wohnen in einer WG

„Man sollte kompromissbereit sein“

Clara von den Driesch studiert Stadt- und Regionalplanung an der Universität Kassel und ist mittlerweile im vierten Semester. Die 22-Jährige wohnt in einer WG – aus Überzeugung, wie sie berichtet.

Vor meinem Studium bin ich für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) nach Leipzig gezogen. Da ich nicht allein wohnen wollte, habe ich nach einem WG-Zimmer gesucht und über ein Onlineportal eine Fünfer-WG gefunden. Ich hatte gehofft, über eine Wohngemeinschaft leichter Leute kennenzulernen und schnell Anschluss zu finden. Und das hat auch funktioniert.

Auf unterschiedliche Menschen treffen

Ein Porträt-Foto von Clara von den Driesch

Clara von den Driesch

Foto: privat

Natürlich ist es auch eine Kostenfrage: WG-Zimmer sind in der Regel günstiger als eine eigene Wohnung. Mir gefällt an einer WG aber auch, dass man in einem Mietshaus mit ganz unterschiedlichen Nachbarn lebt, und sich nicht nur unter Studierenden bewegt wie etwa im Studentenwohnheim. Außerdem hat man genug Platz – neben dem eigenen Zimmer gibt es ja auch das gemeinsame Wohnzimmer und die Küche. Auch das bunte Sammelsurium finde ich gut, das sich ergibt, weil jeder etwas mitbringt: vom Mixer über die Stühle und Teller bis hin zur Waschmaschine.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Als ich zum Studium nach Kassel gezogen bin, war der Ansturm auf WGs sehr groß, sodass ich länger suchen musste. Man sollte Absagen auf keinen Fall persönlich nehmen, weil es manchmal sehr viele Bewerber gibt. Man braucht Glück und muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Ich würde empfehlen, auf die Anzeigen in den Portalen nicht immer mit dem gleichen Text zu antworten, sondern auch mal etwas zu schreiben, mit dem man sich abhebt – sei es, dass man nachts gerne Kuchen bäckt.

Es bringt außerdem nichts, sich bei der Suche an seinen Idealvorstellungen festzubeißen: Eine Altbauwohnung mit Stuck und großer Wohnküche im angesagten Stadtviertel und mit den passenden Bewohnern zu finden, könnte schwierig werden. Wichtig ist, dass man erst einmal vor Ort ist. Ich selbst bin nach einem Jahr noch einmal umgezogen. Mittlerweile wohne ich zehn Gehminuten von der Uni entfernt. Es ist kein hochsanierter Altbau, dafür bezahlbar. Mein Zimmer hat etwa 14 Quadratmeter – das ist nicht groß, dafür haben wir ein rund 30 Quadratmeter großes Wohnzimmer, in dem das Leben stattfindet. Mein Mitbewohner und ich laden gelegentlich den ganzen Freundeskreis zu einem langen Frühstück oder treffen uns spontan mit Freunden zum Weintrinken, Diskutieren und Unterhalten.

„Nicht alle haben den gleichen Rhythmus“

Da mein Mitbewohner und ich im selben Fachbereich studieren, ähnelt sich unser Tagesablauf und die Prüfungszeiten sind identisch. Das erleichtert das Zusammenwohnen. Wegen organisatorischer Dinge gab es bei uns bisher keinen Stress. Da wir auch befreundet sind, wissen wir, wenn die andere Person gerade keine Zeit für die Hausarbeit hat.

Miete und Nebenkosten teilen wir durch zwei, da unsere Zimmer gleich groß sind. In unserer Küche hängt ein Zettel am Kühlschrank mit den Ausgaben für Lebensmittel oder Haushaltswaren – etwa Mehl, Kaffee oder Waschmittel. Wenn der Zettel voll ist, wird abgerechnet und die eine Person gleicht die Mehrkosten der anderen aus.

Ich denke, man sollte generell kompromissbereit sein, wenn man in einer WG wohnen will. Nicht alle haben die gleichen Standards und den gleichen Rhythmus. Man muss miteinander reden, wenn einem etwas nicht passt.

abi>> 02.08.2016