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Vom „Hotel Mama“ in die eigene Wohnung

Ein Mann putzt sich die Zähne
Bei den Eltern zu wohnen, hat oft pragmatische Gründe: Studiert man in der Nähe, spart man sich die Wohnungssuche und nebenbei auch bares Geld.
Foto: Swen Reichhold

Wie wohnst du im Studium? Bei den Eltern

Vom „Hotel Mama“ in die eigene Wohnung

Wer den Wohnort für das Studium nicht verlassen muss, kann bei den Eltern wohnen bleiben. Florian Prinz (26) studiert im Bachelor Weinbau und Oenologie in Geisenheim, in seiner Heimatregion Rheingau. Er arbeitet im Winzerfamilienbetrieb und wohnte mehrere Semester bei den Eltern, bevor er mit seiner Freundin zusammenzog. abi>> berichtet er von seinen Erfahrungen.

Bei uns im Rheingau ist Wohnen relativ teuer. Es gibt neben der Hochschule Geisenheim University, an der ich Weinbau und Oenologie studiere, eine weitere private Universität im Nachbarort. Es müssen also viele Studierende hier unterkommen und sogar WG-Zimmer kosten 400 bis 500 Euro im Monat. Da ich mich mit meinen Eltern gut verstehe, bin ich erst mal daheim wohnen geblieben. Ausziehen wollte ich erst, wenn ich mir selbst eine Wohnung leisten kann, die mir gut gefällt.

Im Betrieb der Eltern arbeiten

Ein Porträt-Foto von Florian Prinz

Florian Prinz

Foto: Thomas Herner

Für mich hatte die Entscheidung, bei meinen Eltern zu bleiben, auch ganz pragmatische Gründe: Mittags steht das Essen auf dem Tisch und meine Mutter hat meine Wäsche gewaschen. Ich arbeite dafür im Betrieb meiner Eltern mit und habe meinen Lohn teilweise ausbezahlt bekommen, der andere Teil war für Wohnen und Essen. Wir sind eine Winzerfamilie und lieben den Weinbau. Von unseren etwa neun Hektar kann eine Familie leben. Und wir können das Gut alleine bewirtschaften.

Nach dem Abitur begann ich nicht sofort mit dem Studium. Zunächst arbeitete ich ein Jahr lang, um mit dem verdienten Geld auf Reise gehen zu können. Anschließend machte ich eine Ausbildung zum Winzer, arbeitete ein weiteres Jahr im Rheingau und in Südtirol, bevor ich mit dem Studium begann.

Mehrheit stammt aus der Region

Der Großteil meiner Kommilitonen kommt aus dem Rheingau und die meisten von ihnen bleiben im Studium weiterhin bei ihren Eltern. Die Auswärtigen wohnen natürlich nicht zu Hause. So gruppiert sich das auch an der Uni: Wer in der Heimat bleibt, hat bereits Anschluss. Viele meiner Freunde kenne ich noch aus der Schulzeit von verschiedenen Freizeitaktivitäten. Meine Kommilitonen, die mit anderen Studierenden zusammenwohnen, sind dagegen eher untereinander befreundet. Aber es mischt sich natürlich trotzdem bei uns an der Uni – unabhängig vom Wohnen.

Irgendwann stand im Raum, mit meiner Freundin zusammenzuziehen. Weil es aber so gut gepasst hat bei meinen Eltern, habe ich erst gezögert. Inzwischen wohne ich seit einem dreiviertel Jahr mit ihr in unserer gemeinsamen Wohnung und bin sehr glücklich darüber. Weil sie eine Halbtagsstelle hat, macht sie mehr im Haushalt als ich, aber im Großen und Ganzen teilen wir uns die Arbeit und ich koche gerne und häufig. Klar zoffen wir uns auch mal – genauso, wie ich es mit meinen Eltern getan habe. Aber im Vergleich gefällt mir das Zusammenleben mit meiner Freundin in unserer eigenen Wohnung besser.

abi>> 10.09.2018