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Mietfrei dank Babysitten

Ein Bauernhof
Landleben statt Studentenstadt: Teresa Klein ist für das Projekt "Wohnen für Hilfe" auf einen Bauernhof nahe Freiburg gezogen und unterstützt ihre Vermieterin durch Babysitten.
Foto: privat

Wie wohnst du im Studium? Wohnen für Hilfe

Mietfrei dank Babysitten

Teresa Klein hat sich für eine besondere Wohnform entschieden: „Wohnen für Hilfe“. Hier helfen Studierende ihren Vermietern auf freiwilliger Basis und wohnen dafür günstiger. Die 28-Jährige verschlug es daher auf einen Bauernhof nahe Freiburg, wie sie abi>> erzählt.

Bevor ich nach Freiburg kam, hatte ich drei Semester in Trier studiert. Da ich erst im Nachrückverfahren einen Studienplatz für mein Lehramtsstudium an der Pädagogischen Hochschule Freiburg bekam, war ich auch mit der Wohnungssuche spät dran. Zum Glück konnte ich erstmal bei einer Schulfreundin wohnen und von dort aus suchen.

Freiburg ist eine wahre Studentenstadt. Da ist es gar nicht so einfach, ein Zimmer zu finden, obwohl ich es über mehrere Kanäle versuchte. Beim Studentenwerk entdeckte ich dann Angebote in der Kategorie „Wohnen für Hilfe.“ Die Grundlage des Konzepts ist, dass man bei jemandem wohnt, der bei etwas Unterstützung braucht – die Hilfeleistung ist ganz individuell und freiwillig. In der Regel zahlt man dafür weniger Miete. Aber man geht mit „Wohnen für Hilfe“ ein großes Vertrauensverhältnis ein.

Aus den Anzeigen des Projektes ging auch hervor, ob das jeweilige Angebot für Wochenendpendler geeignet ist. Ich war nicht sicher, wie oft ich nach Hause fahren wollte und habe nur die Angebote herausgesucht, bei denen ich am Wochenende frei war.

Von der Studentenstadt aufs Land

Ein Porträt-Foto von Teresa Klein

Teresa Klein

Foto: privat

Im Angebot meiner Vermieterin stand, dass sie einen Bauernhof hat, der acht Kilometer von Freiburg entfernt liegt. Ich rief dort an und vereinbarte mit ihr einen Termin zur Wohnungsbesichtigung. Tatsächlich hat sie einen Bio-Rinderzuchtbetrieb als Nebengewerbe sowie zwei Pferde, einen Hund, Katzen und eine kleine Schafherde auf dem Einsiedlerhof. Wir haben uns sofort gut verstanden und ohne richtiges Bewerbungsgespräch bekam ich die eigene Wohnung auf dem Hof.

Erst dachte ich, ich solle statt Miete zu zahlen im Kuhstall die Mistgabel schwingen. Stattdessen half ich ihren drei Kindern ab und zu bei den Hausaufgaben und passte manchmal am Abend auf sie auf. Dann aß ich mit den Kindern nach den Hausaufgaben zu Abend, brachte sie ins Bett und las ihnen noch eine Geschichte vor. Manchmal machten wir auch einen Filmabend. Gegen Ende meines Studiums, als ich viel lernen musste, haben wir den Arbeitsumfang reduziert und es noch flexibler gehandhabt.

Kein klassisches Studentenleben

Der Hof, auf dem ich lebe, liegt südlich von Freiburg in einem 300-Seelen-Dorf. Der Bus fährt nur dreimal am Tag, der letzte um 17 Uhr. Ich konnte das Angebot daher nur annehmen, weil ich ein Auto hatte. In den ersten Semestern übernachtete ich manchmal bei Freunden in Freiburg, aber dann war ich dafür zu bequem. Ich orientierte mich in Richtung Dorfleben, ging etwa mit meiner Vermieterin in den Chor. So bildete sich eine Clique von zwölf Leuten und ich hatte dann auf dem Land meinen Freundeskreis. Ein klassisches Studentenleben hatte ich deshalb allerdings nicht.

Jetzt, fünf Jahre später, bin ich fertig mit dem Studium und wohne immer noch auf dem Hof – allerdings mit meinem Freund, in einer größeren Wohnung und nicht mehr über „Wohnen für Hilfe.“ Ob man sich für dieses Konzept entscheidet und mit den jeweiligen Bedingungen arrangieren kann, ist Typsache. Mit meiner Vermieterin hatte ich jedenfalls großes Glück!

abi>> 10.09.2018