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Umsichtiges Miteinander

Vier Studierende spielen Tischkicker in einer WG.
In den meisten WGs werden gemeinsame Aktivitäten groß geschrieben, ob Kickern, Essen oder Feiern.
Foto: Thomas Lohnes

Wie wohnst du im Studium? Wohngemeinschaft

Umsichtiges Miteinander

Wohngemeinschaften sind so individuell wie ihre Mitbewohner. Die Zweier-WG von Sarah Reim (25) profitiert davon, dass sich beide gut verstehen und aufeinander Rücksicht nehmen. Wie das funktioniert, berichtet sie abi>>.

Ich studiere im Master Chemie an der Freien Universität Berlin und meine Mitbewohnerin Lea Szenisches Schreiben an der Universität der Künste. Als wir beschlossen hatten, zusammenzuziehen, wohnte Lea zeitlich befristet in einer anderen WG und ich bei meinen Eltern. Allerdings haben wir fünf Monate lang nach einer bezahlbaren Wohnung in Berlin gesucht.

Beide hielten wir täglich auf Portalen wie WG-gesucht, ebay-Kleinanzeigen und Immobilienscout Ausschau, um das passende Angebot zu finden. Im Schnitt kamen wir auf zwei Wohnungsbesichtigungen pro Woche. Unsere Suche wurde jedoch erschwert, weil unser Einkommen keinesfalls das Dreifache der Monatsmiete übersteigt – für viele Vermieter ist das aber Voraussetzung. Auch Elternbürgschaften halfen uns nicht weiter, weil Vermieter dann keine Kaution mehr verlangen können – eine Pattsituation. Am Ende unterschrieb Leas Vater mit ihr zusammen den Mietvertrag für unsere jetzige Wohnung.

Kosten und Vereinbarungen

Ein Porträt-Foto von Sarah Reim.

Sarah Reim (25) gefällt das WG-Leben.

Foto: privat

Lea und ich kennen uns seit dem Abitur, waren mehrfach gemeinsam zelten und haben schon vor unserer WG-Gründung einmal in der Woche zusammen gekocht. Es war deshalb schon im Voraus klar, dass unser Zusammenleben gut funktionieren würde.
Seit anderthalb Jahren wohnen wir in Berlin-Moabit in einer Zweizimmerwohnung mit Balkon. Lea hat das größere Zimmer und zahlt mehr Miete als ich. In den Nebenkosten sind die Heizkosten bereits enthalten und den Vertrag für Strom und Internet hat Lea abgeschlossen. Ich überweise ihr monatlich meinen Kostenanteil für alles.
Eine Haushaltskasse haben wir nicht. Das, was wir täglich essen, kauft jeder für sich. Gemeinsam Genutztes wie Waschmittel, Toilettenpapier, Mehl, Zucker und Co. kaufen wir zusammen ein. Wir achten darauf, dass wir etwa gleichviel ausgeben, und ich denke, im Jahresmittel kommt das ziemlich gut hin.

Botschaft per Tür

Es ist wichtig, dass wir gegenseitig Rücksicht nehmen. Wir schmeißen keine Partys außer Geburtstagspartys, bei denen die andere selbstverständlich mit dabei ist. Wer Besuch bekommt, sagt Bescheid. Wer über Nacht Besuch bekommt, fragt vorher. Hätte eine einen festen Freund, der öfter da wäre, müsste das besprochen werden, weil die Wohnung mit 55 Quadratmeter doch recht klein ist. Wir kommunizieren unter anderem über offene und geschlossene Türen: Ist die Tür zu, heißt das: Bitte nicht stören. Ist sie einen Spalt geöffnet, besteht eine Bereitschaft zum Gespräch. Und steht sie ganz offen, bedeutet das: Komm ruhig herein!

Auch putzen ist kein Problem bei uns: Jede putzt das, was sie als dreckig empfindet. Geschirr wäscht jede für sich ab. Wäsche machen wir getrennt, nur bei Wolle oder weißer Wäsche sprechen wir uns manchmal ab.

Überdurchschnittlich viel Gemüse

Wir haben einen Kühlschrank, den ich zum Geburtstag bekommen habe, einen Staubsauger, den Lea zum Geburtstag bekommen hat, eine Waschmaschine, die wir gemeinsam gebraucht gekauft haben, sowie drei Klappstühle, die wir ebenfalls kostenmäßig geteilt haben. Die anderen Möbel haben wir teils mitgebracht, teils gratis oder günstig über Kleinanzeigen erworben.

Für eine WG haben wir überdurchschnittlich viel Gemüse im Kühlschrank, meint Lea – und keine Tiefkühlpizza. Sie lebt vegan und ich vegetarisch. Wir kochen beide gern, in der Regel jeden Tag. Gemeinsam sind wir aber nur donnerstags zum Kochen verabredet. Dann besprechen wir vorher, was wir kochen und kaufen im Wechsel ein.

abi>> 04.09.2018