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Meine erste Veranstaltungswoche

Studierende in einem Hörsaal
Damit man den richtigen Hörsaal auf Anhieb findet, lohnt sich ein Blick auf den Lageplan.
Foto: Julien Fertl

Erfahrungsbericht

Meine erste Veranstaltungswoche

Sonja Haselbach (23) studiert an der Universität Köln Sozialwissenschaften im zweiten Semester. Für abi>> schildert die Bachelorstudentin, wie sie die erste Zeit an der Hochschule erlebt hat.

Schon bei der Immatrikulation habe ich gemerkt, dass an der Universität alles anonym abläuft. Zuvor hatte ich ein erstes Bachelorstudium in Journalismus und Medienkommunikation an der kleineren, privaten Fachhochschule des Mittelstands in Köln absolviert – dort kannte jeder jeden beim Namen. Bei der Anmeldung im Immatrikulationsamt an der Uni hingegen stand ich eine halbe Stunde lang an, weil so viele andere gewartet haben. Auch meine erste Klausur schrieb ich später mit hundert weiteren Studierenden. Im Mathe-Vorkurs, den ich vor Semesterbeginn belegte, lernte ich aber bereits einige Kommilitonen kennen und war erleichtert, als ich merkte, dass es den anderen ähnlich ging wie mir: Auch sie hatten Angst, auf sich allein gestellt zu sein, und waren unsicher wegen der Studienorganisation. Denn auch wenn es einige Infoveranstaltungen gibt, müssen die Studierenden letztendlich das meiste selbst organisieren und sich zum Beispiel früh genug in einem Onlineportal für die Kurse anmelden.

Anschluss finden

Ein Porträt-Foto von Sonja Haselbach

Sonja Haselbach

Foto: privat

In unserem Studiengang sind sehr viele Leute eingeschrieben, an den Vorlesungen können bis zu 1.000 Studierende teilnehmen. Ich bin froh, dass ich bereits im Vorkurs nette Kommilitonen kennengelernt habe, mit denen ich mich auch zum Lernen treffe. Wer später dazu kommt, hat dagegen schlechtere Chancen, Kontakte zu knüpfen, weil sich schnell feste Grüppchen bilden. Darüber habe ich mich vor Kurzem mit einer Kommilitonin unterhalten, die später nachgerückt ist: Sie hatte anfangs Probleme, Anschluss zu finden. Aber in der Orientierungswoche hat sich die Fachschaftsvertretung der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät (WiSo) sehr darum bemüht, den Studienanfängern den Start an der Uni zu erleichtern. Zum Beispiel wurden wir zu einem Kneipenbummel eingeladen, an dem etwa 150 Sozialwissenschaftler und BWLer teilnahmen.

Mehr Eigeninitiative

Als das Semester losging, war es manchmal schwierig, den richtigen Hörsaal oder Raum zu finden. Zwar sind alle hilfsbereit, aber auf dem großen Unigelände weiß nun mal nicht jeder, wo speziell der Hörsaal ist, den man gerade sucht. Geholfen hat der Leitfaden mit den wichtigsten Informationen, den alle Erstsemester bei der Immatrikulation erhielten. Neben einem Lageplan war darin zum Beispiel auch erklärt, bis wann wir uns für die einzelnen Kurse anmelden müssen.

Auch das Lernsystem war zunächst ungewohnt. Im Gegensatz zur Schule und zur privaten Hochschule muss ich mir an der Universität sehr viel Wissen selbst aneignen. In den Vorlesungen wird der Stoff zwar ausführlich erklärt, aber in manchen Modulen – etwa in Statistik – wird besonders viel Eigeninitiative gefordert. Das Pensum ist sehr hoch – es reicht nicht, eine Woche vor der Klausur mit der Vorbereitung zu beginnen; man sollte schon von Semesterbeginn an den Stoff regelmäßig nachbereiten.

Den Stundenplan frei gestalten

Ein weiterer Unterschied zur Schule besteht bei der Gestaltung des Stundenplans. Ich konnte bereits im ersten Semester weitestgehend selbst entscheiden, in welcher Reihenfolge ich die Veranstaltungen belege. Außerdem besteht für die Vorlesungen keine Anwesenheitspflicht. Ich kann mir die Zeit deshalb so einteilen, dass ich neben dem Studium auch noch für das Kölner Studierendenwerk arbeiten und mich ehrenamtlich engagieren kann. Dabei ist jedoch wichtig, dass man sich selbst gut organisieren kann.

Inzwischen habe ich einen guten Lernrhythmus entwickelt. Bei Modulen, für die ich viel auswendig lernen muss, bleibe ich lieber für mich. Bei Mathe und Statistik haben ich und andere Kommilitonen hingegen oft noch Verständnisprobleme, die wir dann gemeinsam in Lerngruppen besprechen. Die ersten Klausuren haben wir bereits im Februar geschrieben – die liefen im Großen und Ganzen gut, auch wenn es nicht leicht war, sehr viel Stoff in kurzer Zeit abzurufen. Zur Schulzeit fiel es mir noch schwerer, mich zum Lernen zu motivieren. Anders ist das im Studium an der Universität: Hier macht mir das Lernen Spaß.

abi>> 06.09.2016