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Selbstbedienung am Fächer-Büfett

Einige Studenten sitzen im Hörsaal verteilt und stützen ihre Köpfe auf den Händen ab.
Zusammen mit anderen Studieninteressierten schnuppert Hannah Holländer ein Jahr lang in verschiedene Studienbereiche.
Foto: André Braun

Studium generale am Leibniz Kolleg

Selbstbedienung am Fächer-Büfett

Medizin? Klingt interessant. Jura? Auch spannend. Wer wie Hannah Holländer (19) unsicher ist, für welches Studium er sich entscheiden soll, ist im Studium generale, wie es das Leibniz Kolleg in Tübingen anbietet, gut aufgehoben. Teilnehmer können hier zwei Semester lang in ganz verschiedene Fachrichtungen schnuppern.

Dass Hannah Holländer studieren will, stand außer Frage – aber was bloß? „Aufgrund meiner vielseitigen Interessen konnte ich mich einfach nicht entscheiden“, erzählt sie. Im Radio hörte die heute 19-Jährige zufällig vom Studium generale am Leibniz Kolleg in Tübingen, das Einblick in natur-, geistes-, rechts- und sozialwissenschaftliche Fächer gewährt. Passt wie die Faust aufs Auge, dachte sie, und kurz darauf landete ihre Bewerbung im Briefkasten.

Zusammen wohnen und studieren

Ein Porträt-Foto von Hannah Holländer

Hannah Holländer

Foto: Privat

Jährlich bewerben sich über 200 Abiturienten auf einen der 53 Plätze. Die Anwärter müssen nicht mit guten Abiturnoten glänzen, sondern sich vielmehr durch ihr Motivationsschreiben und bei einem persönlichen Gespräch vor Ort beweisen. Eine Kommission entscheidet, wer als neuer „Keks“ – so nennen die Teilnehmer sich untereinander – in das im Universitätsviertel gelegene Gebäude des Leibniz Kollegs einziehen darf.

Hier wohnen alle unter einem Dach – in Einzel- oder Doppelzimmern untergebracht, inklusive Gemeinschaftsküche. Hannah Holländer, die seit drei Monaten ein „Keks“ ist, findet das klasse: „Ich habe schnell Anschluss gefunden und genieße das Gemeinschaftsleben. Überhaupt herrscht am Leibniz Kolleg eine sehr persönliche Atmosphäre.“

Von Architektur bis Zivilrecht

Die 19-Jährige kann auf eine riesige Auswahl an Seminaren, diverse Sprachkurse sowie künstlerisch und musisch ausgerichtete Arbeitsgruppen wie Theater, Fotografie oder kreatives Schreiben zugreifen. Im naturwissenschaftlichen Bereich stehen zum Beispiel Chemie, Medizin und Astronomie zur Wahl. Germanistik, Philosophie und Rhetorik etwa sind innerhalb der Geisteswissenschaften im Angebot, während die Rechts- und Sozialwissenschaften unter anderem die Fächer Jura, VWL/BWL, Architektur sowie Politik und Psychologie umfassen.

Zensuren und Scheine gibt es nicht. Einziges Muss: Mit mindestens zwölf Wochenstunden sollten alle drei Wissenschaftsbereiche abgedeckt sein. „Ich finde es gut, dass wir auch über den Tellerrand schauen und ganz ohne Druck in viele Fächer reinschnuppern können“, sagt die 19-Jährige, die Seminare unter anderem in Architektur, Physik und Kunstgeschichte belegt.

Stipendium des Kollegs möglich

Die Kosten für das Studienjahr, das von Oktober bis Juli beziehungsweise drei Trimester dauert, belaufen sich auf 4.900 Euro: 1.400 Euro Grundmiete, 800 Euro Nebenkosten, 2.700 Euro Hörgeldpauschale. Direkt beim Leibniz Kolleg kann ein „Stipendium leibnitianum“ beantragt werden, wodurch es Nachlässe auf die Hörgeldpauschale gibt. BAföG-fähig hingegen ist das Studium generale in Tübingen nicht.

Hannah Holländer, die von ihren Eltern finanziell unterstützt wird, legt es allen Unentschlossenen ans Herz: „Ich bin froh, nicht direkt ins kalte Wasser des Unilebens gesprungen zu sein. Am Ende hätte ich mich noch für das falsche Fach entschieden. Hier kann ich in Ruhe Klarheit gewinnen und mir nötiges Rüstzeug wie wissenschaftliches Arbeiten aneignen.“ Momentan kann sich die 19-Jährige noch immer nicht zwischen den ganzen interessanten Studiengängen entscheiden, da ihr vieles Spaß macht. Dafür hat sie aber auch noch ein halbes Jahr Zeit.

abi>> 26.01.2016