Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

„Ein gutes soziales Umfeld ist elementar“

Eine junge Mutter hilft ihrem Sohn beim Rutschen auf dem Spielplatz.
Studieren mit Kind ist eine große Herausforderung. Alleinerziehende Studierende sind daher umso mehr auf ein starkes soziales Umfeld und Unterstützung angewiesen.
Foto: Julien Fertl

Alleinerziehende Studentin

„Ein gutes soziales Umfeld ist elementar“

Maxi Müller studiert an der Humboldt-Universität in Berlin Deutsch und Philosophie auf Lehramt. Die 24-Jährige hat eine vierjährige Tochter – und meistert den Spagat zwischen Hörsaal und Kita alleine.

Für die Zeit nach dem Abitur hatte Maxi Müller große Pläne: Schauspielerin wollte sie werden, sich an einer renommierten Schule in Berlin bewerben. Doch dann erfuhr die damals 19-Jährige, dass sie schwanger ist – und orientierte sich neu. „Ich habe trotzdem keinen Moment damit gezögert, ein Studium zu beginnen. Nur wählte ich daraufhin ein Berufsziel, dass sich vermutlich besser mit meiner Mutterrolle vereinbaren lässt: Pädagogik. Das hatte mich ohnehin ebenfalls sehr interessiert.“

Maxi Müller schrieb sich für Deutsch und Philosophie auf Lehramt ein – und startete nach einem Jahr Elternzeit mit dem Studium. Ihr kleine Tochter Marlie hat einen Kita-Platz in ihrem Wohnviertel im Wedding, sodass die Vierjährige tagsüber versorgt ist, wenn ihre Mutter an die Hochschule muss. Von dem Vater der Kleinen hat sich die 24-Jährige noch vor der Geburt getrennt. Er lebt im Ausland und spielt im Leben der beiden keine Rolle.

Wichtig dagegen sind die Freunde der Wahlberlinerin, die immer dann einspringen, wenn sie viel für die Uni erledigen muss oder mal eine Pause braucht. „Eine befreundete, ebenfalls alleinerziehende Studentin und ich teilen uns zum Beispiel gelegentlich die Betreuung unserer Kinder“, erklärt sie. Auch ihre Mutter hilft, so gut sie kann. Allerdings lebt sie 300 Kilometer entfernt in Niedersachsen. „Ein gutes soziales Umfeld zu haben, auf das man sich auch in Notsituationen verlassen kann, ist für alleinerziehende Studierende elementar“, weiß Maxi Müller aus Erfahrung.

Nachteilsausgleich für studierende Mütter

Ein Bild von Maxi Müller und ihre Tochter Marlie

Maxi Müller und ihre Tochter Marlie

Foto: privat

Dass der Spagat zwischen Hörsaal und Kita manchmal trotzdem anstrengend ist, daraus macht die junge Mutter keinen Hehl. Das liegt auch daran, dass sie keinen Unterhalt vom Vater ihres Kindes erhält und darum zweimal die Woche nebenbei in der Anzeigenakquise zweier Hochschulzeitschriften tätig ist. „Glücklicherweise bekomme ich zusätzlich finanzielle Unterstützung von meiner Mutter und das Kindergeld für Marlie“, erzählt sie.

Studium, Kind, Nebenjob – manchmal kommt auch Maxi Müller an ihre Grenzen. Dann fährt sie einen Gang zurück: „Ich musste lernen, mich nicht unter Druck zu setzen. Wenn ich einen Schein weniger mache im Semester als ich es ursprünglich geplant habe, ist das kein Drama. Es ist klar, dass man als alleinerziehende Mutter länger für das Studium braucht als viele Kommilitonen.“

Für den Notfall bietet die Humboldt-Universität – wie viele andere Hochschulen – die Möglichkeit des sogenannten Nachteilsausgleichs. Studierende mit Familienaufgaben können dadurch beispielsweise für eine einzureichende Arbeit eine Fristverlängerung beantragen. Die 24-Jährige hat die Erfahrung gemacht, dass es oft ausreicht, ein persönliches Gespräch mit den verantwortlichen Dozierenden zu führen: „Viele Lehrende haben selbst Kinder und können meine Situation nachvollziehen. Bisher habe ich immer Verständnis erfahren, wenn meine Tochter zum Beispiel krank war und ich darum an einem Seminar nicht teilnehmen konnte.“

Auch bei ihren Kommilitonen hat Maxi Müller bisher keine Ablehnung erlebt, wenn sie Marlie einmal aus Organisationsgründen mit in eine Veranstaltung nehmen musste. Im Gegenteil: „Die meisten zollen mir großen Respekt, dass ich beides unter einen Hut bekomme.“

Abenteuer Auslandssemester mit Kind

Sogar ein Auslandssemester haben die Studentin und ihre Tochter zusammen erlebt: Sechs Monate verbrachten die beiden im Rahmen des Erasmus-Programms im spanischen Salamanca und lebten bei einer Familie, die selbst zwei Kinder hat. „Marlie gehörte richtig dazu, die Eltern haben sich mit um sie gekümmert. Sie besuchte außerdem eine spanische Vorschule und so hatte ich die Möglichkeit, die Stadt ab und zu ohne die Kleine zu erkunden.“ Denn auch das ist Maxi Müller wichtig: die Zeit des Studiums genießen, sich Ruhephasen und Auszeiten gönnen, abends feiern gehen – oder auch einfach mal aus reinem Interesse Veranstaltungen an der Uni belegen, auch wenn das zu mehr Semestern führt.

Aktuell ist die Lehramtsstudentin im siebten Semester. Spätestens Ende 2019 will sie ihren Abschluss erlangen und als Lehrerin arbeiten. Marlie kommt dann in die Grundschule – dann beginnt für beide, Mutter und Tochter, ein neuer Lebensabschnitt.

abi>> 07.03.2018