Welche Gap Year-Optionen gibt es?

Kompass auf einer Weltkarte
Einige der zahlreichen Optionen, die Zeit zwischen Bachelor und Master sinnvoll zu nutzen, führen dich auch ins Ausland.
Foto: Ann-Kathrin Hörrlein

Gap Year zwischen Bachelor und Master – Übersicht

Welche Gap Year-Optionen gibt es?

Wer sich für ein Gap Year zwischen Bachelor und Master interessiert, findet eine breite Palette an Möglichkeiten. Mit der Hilfe von Nelli Wagner vom Career Service der Universität Potsdam hat abi» einige der Optionen zusammengetragen.

Gap Year-Programm

Einige Unternehmen bieten spezielle Programme für die Zeit zwischen Bachelor und Master an und ermöglichen es den Teilnehmern so, Einblick in verschiedene Arbeitsbereiche er gewinnen. Ein Beispiel ist das Programm „The Power of 4“, welches vier verschiedene Unternehmen in Kooperation anbieten. „Recherchieren Sie im Internet nach freien Plätzen oder suchen Sie in Stellenbörsen danach“, rät Nelli Wagner.

Praktikum

Praktika bieten die Möglichkeit, erste Arbeitserfahrungen zu sammeln, Unternehmensluft zu schnuppern und wertvolle Kontakte zu knüpfen. „Aktuelle Ausschreibungen sind mitunter beim Career Service der jeweiligen Hochschule zu finden. Aber auch Initiativbewerbungen sind möglich“, betont Nelli Wagner. Und mit Erasmus+ können Hochschulabsolventen für Praktika auch ins Ausland gehen. Hier sind die jeweiligen Regelungen im Gastland zu beachten, da in manchen Ländern eine Immatrikulation an einer Hochschule vorgeschrieben ist, um ein Praktikum zu absolvieren.

Portrait von Nelli Wagner

Nelli Wagner

Foto: Nina Tschirner

Freiwilligendienst

Angebote wie der Bundesfreiwilligendienst (BFD), das Freiwillige Soziale oder Ökologische Jahr (FSJ/FÖJ) und Auslandsprogramme wie „weltwärts“ oder „kulturweit“ bieten die Möglichkeit, sich für einen guten Zweck einzusetzen und dabei wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Nelli Wagner rät, hierbei auf die Bewerbungsfristen zu achten.

Work & Travel

Wer die Arbeit mit Reiseeindrücken verbinden möchte, kann sich für ein Work & Travel-Programm entscheiden. Es gibt zahlreiche Anbieter, die Komplettpakete für eine solche Auslandszeit in ihrem Portfolio haben. Abenteuerlustige können diese Art des Auslandsaufenthalts auch auf eigene Faust planen.

Sprachreisen, Sommerkurse & Co.

Neben Praktika und Freiwilligendiensten gibt es viele weitere Möglichkeiten, Auslandserfahrungen zu sammeln. Nelli Wagner verweist für Informationen dazu auf die Website des Deutschen Akademischen Auslandsdienstes (DAAD), wo spezielle Angebote für Studierende zu finden sind. 

 

Gap Year - Praktikant bei den Vereinten Nationen

Einstieg in eine internationale Karriere

Zwischen seinem Bachelor- und Masterstudium verbrachte Markus Rafael Paffhausen (23) ein sechsmonatiges Praktikum in einem Büro der Vereinten Nationen in New York, um sich beruflich weiter zu orientieren. Organisiert und finanziert wurde dieser Auslandsaufenthalt über das Carlo-Schmid-Programm des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD).

Markus Rafael Paffhausen träumte schon lange von einer Zukunft in der Entwicklungszusammenarbeit. Während seines Bachelorstudiums der Regionalstudien Lateinamerika mit Volkswirtschaftslehre an der Universität Köln absolvierte er daher ein einmonatiges Praktikum bei einer NGO in Kolumbien. Doch das reichte ihm nicht. „Ich wollte gerne für eine längere Zeit bei einer Institution wie der giz arbeiten, der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit. Aber solche Praktika setzen in der Regel einen Bachelorabschluss voraus“, erinnert er sich.

Über seine Schwester erfuhr der Student schließlich vom Carlo-Schmid-Programm für Praktika bei internationalen Organisationen und EU-Institutionen. Dieses Programm wird vom DAAD in Zusammenarbeit mit der Studienstiftung des deutschen Volkes und der Stiftung Mercator durchgeführt und fördert Praktikumsaufenthalte bei EU-Institutionen, internationalen Organisationen und NGOs. Voraussetzung für die Teilnahme an dem Programm sind mindestens zwei Semester Studienerfahrung im Bachelor. Ein Bachelor- oder Masterabschluss darf bei der Bewerbung nicht länger als zwei Jahre zurückliegen.

Erfahrungen für die Karriere sammeln

Markus Rafael Paffhausen beschloss, sich zu bewerben, um nach dem Bachelorabschluss eine Studienpause für ein längeres Praktikum einzulegen. Sein Ziel: Erfahrungen sammeln, die für den Berufseinstieg nach dem Master nützlich sind.

Porträtfoto von Markus Rafael Paffhausen

Markus Rafael Paffhausen

Foto: Markus Rafael Paffhausen

Er interessierte sich für eine Stelle im Büro für Lateinamerika und Karibik des International Trade Centers in Genf und lud seine Unterlagen auf dem Bewerberportal des DAAD hoch. Nach einem telefonischen Vorstellungsgespräch und einem Auswahltag in Bonn teilte man ihm allerdings mit, dass er die Stelle nicht bekommen habe. Er bekam jedoch die Möglichkeit, sich auf eine andere Position zu bewerben.

Praktikum bei der UN

So landete Markus Rafael Paffhausen schließlich nach einem viertägigen Vorbereitungsseminar in Bonn im UN Development Operations Coordination Office (UNDOCO) in New York, wo er ein halbes Jahr lang in einem dreiköpfigen Team als Praktikant für vielfältige Aufgaben zuständig war. „Ich bereitete zahlreiche Meetings vor und nach, schrieb E-Mails und hielt meinen Chef auf dem aktuellen Informationsstand, wenn sich die Planung mancher Themen über mehrere Wochen erstreckte“, erzählt er.

Darüber hinaus bearbeitete der Praktikant eigenständig ein kleines Projekt, bei dem er viel über die Organisationskultur und das Arbeiten im interkulturellen Kontext lernte. Schließlich arbeitete der 23-Jährige auch am Abschluss eines gemeinsamen Projekts von UN und Weltbank mit, in dem es um die Verteilung von Geldern in fragilen Staaten ging.

Weiteres Praktikum in Aussicht

Inzwischen absolviert Markus Rafael Paffhausen an der Universität Göttingen seinen Master in International Economics. Ein Gap Year zwischen Bachelor- und Masterstudium empfiehlt er absolut weiter. Das nächste längere Praktikum möchte er noch vor Abschluss seines Masterstudiums machen – diesmal vielleicht bei einer Organisation in Deutschland.

 

Gap Year zwischen Bachelor und Master – Hintergrund

Sinnvoll genutzte Zwischenzeit

Praktikum, Freiwilligendienst oder spezielles Gap Year-Programm – es gibt viele Möglichkeiten, die Zeit zwischen Bachelor und Master sinnvoll zu nutzen. Im Idealfall sind die Erfahrungen mit Blick auf den späteren Berufseinstieg nützlich. Welche finanziellen und rechtlichen Aspekte es dabei zu beachten gilt, erklären unsere Experten.

Nach dem Bachelorabschluss kann man nahtlos in ein Masterstudium übergehen oder direkt ins Berufsleben einsteigen. Einige Studierende entscheiden sich allerdings dafür, zunächst eine Studienpause einzulegen. Die Gründe dafür sind vielfältig. „Der eine braucht nach der anstrengenden Prüfungsphase einfach eine Auszeit vom Studium. Die nächste ist noch unsicher, wie es weitergehen soll. Und der Dritte hat noch keinen Masterplatz bekommen und möchte die Wartezeit überbrücken“, erzählt Nelli Wagner vom Career Service der Universität Potsdam.

Portrait von Nelli Wagner

Nelli Wagner

Foto: Nina Tschirner


In einem sogenannten „Gap Year“, also Lückenjahr, können Studierende zum Beispiel ein Praktikum oder einen Freiwilligendienst absolvieren (siehe die Übersicht „Welche Gap Year-Optionen gibt es?“).

Der frühe Vogel …

„Welche Option für wen sinnvoll ist, hängt mitunter vom Studiengang, der individuellen Situation und den weiteren beruflichen Plänen ab“, betont Nelli Wagner. Manche Unternehmen bieten spezielle Programme für die Zeit zwischen Bachelor und Master an, die Einblicke in verschiedene Arbeitsbereiche gewähren. Ein Beispiel ist das Programm „The Power of 4“, das Audi, Bain & Company, die Deutsche Telekom sowie der FC Bayern München in Kooperation anbieten. Es richtet sich an Bachelorabsolventen aller Fachrichtungen. Während des Gap Years absolvieren die Teilnehmer mehrwöchige Praktika in den teilnehmenden Unternehmen.

Natürlich können sich Bachelorstudierende auch selbst überlegen, bei welchen Unternehmen oder Einrichtungen sie ein oder mehrere Praktika absolvieren wollen, um sich mit Blick auf den Berufseinstieg weiter zu orientieren (siehe die Reportage „Einstieg in eine internationale Karriere“).

„In jedem Fall sollten Studierende sich frühzeitig mit dieser Frage beschäftigen, weil ‚Gap Year‘-Programme in Unternehmen teilweise an Bewerbungsfristen gebunden sind, die noch in die Zeit des Studiums fallen.“ Wer das Gap Year im Ausland verbringen will, muss zudem vielleicht noch Zeit für die Beantragung eines Visums einplanen. Unter Umständen kann es auch sinnvoll sein, frühzeitig einen finanziellen Puffer anzusparen. Will man beispielsweise seine Sprachkenntnisse im Ausland verbessern, benötigt man Geld für Sprachkurse, die Anreise und den Lebensunterhalt vor Ort. Auch bei Work & Travel-Programmen müssen Anreise, Visum und die Auslandskrankenkassenbeiträge in der Regel selbst gezahlt werden.

In welchen Fällen gibt es Kindergeld?

Ob man während des Gap Years noch Kindergeld bekommt, hängt davon ab, wie alt man ist, ob man schon eine Ausbildung abgeschlossen hat und was man in dieser Zeit macht. Gute Chancen auf Kindergeld haben diejenigen, die sich für einen anerkannten Freiwilligendienst entscheiden.

Anders ist es bei denjenigen, die während des Gap Years einfach nur reisen wollen. Wer sich für ein Work & Travel-Programm entscheidet, sollte frühzeitig bei der zuständigen Familienkasse nachfragen, ob er mit Unterstützung rechnen kann.

Eingeschrieben bleiben?

In vielen Fällen lohnt es sich, während des Gap Years immatrikuliert zu bleiben. Bei kürzeren Praktika oder Auslandsaufenthalten kann es sinnvoll sein, ein Urlaubssemester zu beantragen. Darüber hinaus bietet eine Immatrikulation während des Gap Years die Möglichkeit, relativ preiswert krankenversichert zu sein.

Portrait Michael Hümmer

Michael Hümmer

Foto:privat

„Wer auf die Immatrikulation verzichten möchte, sollte prüfen, ob er in die Familienversicherung zurückkehren kann und mit welchen Krankenversicherungsbeiträgen er ansonsten zu rechnen hat“, rät Michael Hümmer, Berufsberater der Agentur für Arbeit Fürth. Unter Umständen ist auch eine Versicherung über den Praktikumsgeber oder Freiwilligendienstanbieter möglich. Unterstützung bei Fragen rund ums Gap Year bieten unter anderem die Hochschulberatungsfachkräfte der Agenturen für Arbeit sowie die Career Services der Hochschulen.

Mehr Informationen

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du dich über das Studieren im Ausland informieren und im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Das Hochschul- und Studiengangsinformationssystem der Hochschulrektorenkonferenz bietet Informationen über deutsche Hochschulen und internationale Kooperationen.
www.hochschulkompass.de

rausvonzuhaus

Das Internetangebot der Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V. (IJAB) hält Beratungsangebote rund um das Thema Auslandsaufenthalte für dich bereit.
rausvonzuhaus.de

Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD)

Diese Gemeinschaftseinrichtung der deutschen Hochschulen und Studierendenschaften ist die größte Förderorganisation für den internationalen Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern. Hier erhältst du Infos rund ums Studium im Ausland: Studien- und Fördermöglichkeiten, Praktika, Sprachkurse etc.
www.daad.de

Carlo Schmid Programm (CSP)

Das Stipendienprogramm vermittelt Praktika im internationalen Verwaltungsbereich an Studierende und Absolventen. Betreut wird das Programm vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und der Studienstiftung des deutschen Volkes und finanziert mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sowie der Stiftung Mercator.
www.studienstiftung.de/carlo-schmid

The Power of 4

Das Gap Year-Programm ist ein gemeinsames Angebot der Unternehmen Audi, Bain & Company, Deutsche Telekom und des FC Bayern München. Es richtet sich an Bachelorabsolventinnen und -absolventen aller Fachrichtungen. Während des Gap Years absolvierst du mehrwöchige Praktika in den einzelnen Unternehmen.
www.joinbain.de/the-power-of-4-gap-year-programm-2019

 


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Stand: 19.09.2019