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So gelingt der Hochschulwechsel

Junge läuft mit einem Umzugskarton die Treppe hoch.
Etwa 40 Prozent der Masterstudierenden in Deutschland haben ihren Studienstandort nach dem Bachelor gewechselt.
Foto: Julien Fertl

Hochschulwechsel – Hintergrund

So gelingt der Hochschulwechsel

Den fachlichen Horizont erweitern, neue Kontakte knüpfen, andere Forschungsmethoden ausprobieren – es gibt viele Gründe dafür, nach dem Bachelor an eine andere Hochschule zu gehen. Doch ein Wechsel für das Masterstudium oder die Promotion bedeutet oft auch einen gewissen Aufwand.

Als Michaela Buchheister vom Masterstudiengang Wirtschaftspädagogik hörte, wusste sie: Das will sie studieren. „Früher wollte ich Grundschullehrerin werden, aber der Numerus Clausus für das Bachelorstudium lag damals bei 1,6 – so gut war meine Abiturnote leider nicht“, schildert sie. „Also entschied ich mich für Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Dortmund, weil man damit viele Richtungen einschlagen kann.“ Doch die Vorstellung, zu unterrichten, behielt für sie auch nach dem Bachelorabschluss ihren Reiz. „Mit einem Master in Wirtschaftspädagogik kann ich zukünftig an Wirtschaftsberufsschulen lehren“, sagt die 25-Jährige.

Von der Fachhochschule an die Uni

Für ihr Wunschstudium musste sie allerdings die Hochschule wechseln, denn die Fachhochschule Dortmund bietet dieses nicht an. Also bewarb sich Michaela Buchheister an der Universität Duisburg-Essen. Das bedeutete gleich eine zweite Hürde: Speziell der Wechsel von einer Fachhochschule (FH) an eine Universität kann sich schwierig gestalten – obwohl ein FH-Bachelor grundsätzlich zu einem Masterstudium an einer Universität berechtigt. In der Praxis müssen FH-Absolventen jedoch häufig Scheine nachholen, um die Anforderungen der Unis zu erfüllen. Das kann übrigens auch für Bachelorabsolventen gelten, die von einer Uni an eine andere wechseln – auch sie müssen gegebenenfalls Leistungen für den Master nachholen, die nicht Teil ihres Bachelorstudiums waren.

Auch Michaela Buchheister, die jetzt im zweiten Semester ihres Masterstudiums ist, musste Pädagogikmodule belegen, die andere Kommilitonen bereits im Bachelorstudium absolviert hatten. „Deshalb benötige ich für den Master zwei Semester mehr“, sagt sie. Dennoch wurde sie an der Uni Duisburg-Essen direkt angenommen – das lag vor allem an ihrer guten Bachelor-Abschlussnote von 1,3. „Der Studiengang war zu dem Zeitpunkt im Umbruch, deshalb kann es sein, dass Bewerber heute noch mehr Voraussetzungen erfüllen müssen. Aber ich habe damals nur der zuständigen Person eine E-Mail mit dem Leistungsnachweis geschickt und wurde kurz darauf zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen“, schildert die Studentin.

Gespräch mit Fachberater suchen

Michaela Buchheister ist eine von zehntausenden Studierenden in Deutschland, die nach ihrem akademischen Abschluss an eine andere Hochschule wechseln. Etwa 40 Prozent der Masterstudierenden hatten ihren Bachelor zuvor anderswo absolviert, ermittelten das Institut für Hochschulforschung und die Uni Halle mittels Zahlen des Wintersemesters 2011/2012. Bei zuletzt etwa 100.000 Masterabschlüssen pro Jahr – ausgenommen solche auf Lehramt – haben demnach etwa 40.000 Studierende für den Master gewechselt. Außerdem hat das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) 2015 eine Tendenz verzeichnet, wonach jeder vierte FH-Bachelorabsolvent für den Master an eine Universität wechselte – von der Uni an die FH lag die Quote dagegen bei nur wenigen Prozent.

Wer nach seinem Bachelorabschluss über einen Hochschulwechsel nachdenkt, sollte sich an die Studienfachberater für die jeweiligen Masterstudiengänge wenden, empfiehlt Bernadett Greiwe, Leiterin der Zentralen Studienberatung der Universität Münster. Dort erfahren sie mehr über den Studieninhalt und -aufbau sowie über die Zulassungsvoraussetzungen. „Bachelorabsolventen sollten sich rechtzeitig über die Anforderungen an der neuen Hochschule informieren, da sie gegebenenfalls zusätzliche Leistungsnachweise erbringen müssen und keine Fristen verpassen wollen“, gibt die Studienberaterin zu bedenken. (Wichtige Tipps erhältst du auch in der Checkliste „An alles gedacht für den Hochschulwechsel?“)

„Das Gesamtpaket muss stimmen“

Ein Porträt-Foto von Bernadette Greiwe

Bernadette Greiwe

Foto: privat

Doch warum überhaupt das Ganze auf sich nehmen? Ein Hochschulwechsel könne unter anderem aus privaten oder fachwissenschaftlichen Gründen erfolgen, weiß Bernadett Greiwe aus Erfahrung: „Zum Beispiel bietet die bisherige Hochschule nicht immer Masterstudiengänge mit der gewünschten Spezialisierung an.“ Außerdem können Studierende andere Forschungsmethoden kennenlernen und neue Kontakte knüpfen. „Und sie lernen, sich in einer neuen Umgebung zurechtzufinden“, ergänzt die Studienberaterin. Sinnvoll sei ein Wechsel auch dann, wenn Absolventen an ihrer bisherigen Hochschule keine Chance auf einen Masterstudienplatz haben, fügt die Beraterin hinzu: „An einer anderen Hochschule können ihre Chancen gegebenenfalls deutlich besser sein.“

Doch nicht zuletzt sollten auch die äußeren Umstände passen: „Es ist sinnvoll, die Hochschule und den zukünftigen Fachbereich vorher persönlich zu besuchen“, fügt Bernadett Greiwe hinzu, denn „das Gesamtpaket muss stimmen – nicht nur fachwissenschaftliche Aspekte sind wichtig, Studierende sollten sich auch in der neuen Stadt wohlfühlen.“ Auch finanziell kommen nicht für jeden Städte wie München oder Hamburg infrage. (Um den fachlich wie persönlich bereichernden Wechsel geht es im Porträt „Neue Vielfalt, neue Stadt“.)

Hochschulwechsel für die Promotion

Ein Porträt-Foto von Dr. Jan Schmidt

Dr. Jan Schmidt

Foto: privat

Masterabsolventen, die für ihre Promotion an eine andere Hochschule wechseln wollen oder müssen, sollten sich viel Zeit nehmen, betont Dr. Jan Schmidt, der am Graduate Centre der Uni Münster Doktoranden und Postdocs berät: „Externe Bewerber haben oft einen schweren Stand, da die Mehrzahl der Promovenden am eigenen Lehrstuhl rekrutiert wird.“ Er empfiehlt, bereits vor dem Masterabschluss die Suche nach einem passenden Doktorvater oder möglichen Betreuern zu beginnen. „Manche renommierten Professoren erhalten jedes Jahr mehr als 100 Anfragen, deshalb muss man sich früh sichtbar machen“, erläutert er und ergänzt: „Angehende Doktoranden können alternativ prüfen, welches Graduiertenkolleg zu ihrem Promotionsthema passt und sich dort bewerben.“ Übrigens: Laut Statistischem Bundesamt haben 41 Prozent der rund 196.000 Promovierenden im Wintersemester 2014/2015 für die Promotion die Hochschule gewechselt. (Ein Beispiel findest du im Porträt „Für den Doktor von Marburg nach Würzburg“.)

Zur Vorbereitung für Wechsler gehöre auch, sich mit der Promotionsordnung der Wunschhochschule zu befassen: „Angehende Doktoranden sollten rechtzeitig klären, ob sie alle Voraussetzungen für die Promotion erfüllen oder ob sie eventuell noch Leistungsnachweise erbringen müssen“, schildert der Berater. (Weitere Tipps zur Finanzierung erhältst du im Interview „Hindernisse rechtzeitig erkennen“.)

Besonderheiten im Lehramtsstudium

Lehramtsstudierende müssen für einen Hochschulwechsel zusätzliche Bedingungen beachten, betont Dr. Claudia Bendick vom Zentrum für Lehrerbildung der Uni Münster. „Lehrerbildung ist in den Bundesländern unterschiedlich strukturiert – dies spiegelt sich auch in der Struktur der Lehramtsstudiengänge an den Universitäten wider.“ Ein Beispiel: Einige Bundesländer vergeben den Master of Education als Abschluss der universitären Lehrerbildung, andere das erste Staatexamen.

„Aus diesem Grund ist es sinnvoll, dass sich Studierende in den Lehramtsstudiengängen frühzeitig über die Zugangs- und Zulassungsordnungen für die Master of Education Studiengänge an den Wunschuniversitäten informieren und sich im Zweifelsfall mit den zuständigen Ansprechpartnern der Unis in Verbindung setzten“, erläutert Claudia Bendick. So könne zum Beispiel geklärt werden, wann ein Studienortwechsel sinnvoll und möglich ist. „Dies kann unter Umständen auch vor dem Abschluss des Bachelors der Fall sein.“

Weitere Informationen

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.

www.studienwahl.de

Hochschulkompass

Ein Angebot der Hochschulrektorenkonferenz in dem Hochschulen tagesaktuelle Informationen über ihre Studien- und Promotionsmöglichkeiten veröffentlichen.
www.hochschulkompass.de

Graduate Centre

Beratungsstelle der Uni Münster für Doktoranden
www.uni-muenster.de/GraduateCentre/GraduateCentre/index.html

Stipendienlotse

Stipendiendatenbank des Bundesministeriums für Bildung und Forschung
www.stipendienlotse.de

BAföG

Alle Informationen rund um das BAföG
www.bafög.de

abi>> 20.11.2017