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Rechnen, Versuche, Praktika

Eine dreiköpfige Lerngruppe arbeitet ein Skript durch.
Feste Lerngruppen gehören für viele Studierende zum Hochschulalltag.
Foto: Hans-Martin Issler

Lernen im Ingenieurstudium

Rechnen, Versuche, Praktika

Stefanie Wiedersatz (22) studiert Bauingenieurwesen an der Hochschule Coburg. „In unserem Studienalltag wird wenig auswendig gelernt, dafür umso mehr gerechnet“, sagt sie.

„A uswendiglernen habe ich nie gerne gemocht. Mir haben in der Schule Mathe und Physik gefallen: Wenn man etwas einmal verstanden hatte, konnte man damit arbeiten“, lautet ihre Erfahrung. Deshalb hat sich die 22-Jährige für das Studienfach Bauingenieurwesen entschieden. An der Hochschule Coburg fand sie den Schwerpunkt „Energieeffizientes Gebäudedesign“: „Die Kombination aus Bauingenieurwesen und Fächern wie Wärme- und Feuchteschutz, Bauklimatik, Schallschutz und Raumakustik hat mich überzeugt.“ Die Regelstudienzeit beträgt in Coburg sieben Semester, das fünfte ist ein Praxissemester.

Zu Beginn des Studiums stehen die Fächer Baukonstruktion und Bauphysik, Baustoffkunde und Tragwerkslehre an. Später kommen Gebäudetechnik, Bauleitplanung und Baubetrieb hinzu.

Jeder fängt mal klein an

Ein Porträt-Foto von Stefanie Wiedersatz

Stefanie Wiedersatz

Foto: Privat

Mittlerweile ist sie im siebten Semester, kann sich aber noch gut an den Anfang erinnern. Vor Mathe und Physik hatte sie vor Studienbeginn Respekt, da viele ihr erzählt hatten, wie schwierig das ist. Bewahrheitet hat sich das meiste dann aber nicht: „Dazu haben auch die Tutoren, also Studierende aus höheren Semestern, beigetragen, die als Ansprechpartner immer zur Verfügung standen. Wir sind ein kleiner Studiengang, sodass man sich schnell kennenlernt und anfreundet. Die Hemmschwelle, bei Problemen einfach jemanden zu fragen, ist niedrig“, erzählt die 22-Jährige.

Die Lehrformen sind anders als im Schulalltag: „Frontalunterricht gibt es zwar auch in der Schule, aber bei einer Vorlesung geht es nicht um Mitarbeit.“ Die ist in den Übungen zu den Vorlesungen und in den Praktika gefordert. In den Übungen werden Aufgaben gerechnet: „Man bekommt eine Aufgabe und die Lösung. Den Weg dorthin muss man sich erarbeiten.“

Die passende Lerngruppe finden

In der Schule hat Stefanie Wiedersatz allein gelernt und sich mal von anderen abfragen lassen. Anders sieht ihr Lernalltag an der Hochschule aus, wo sie vorwiegend in festen Lerngruppen arbeitet: „In den ersten beiden Semestern kristallisiert sich heraus, mit wem man am besten lernen kann, wer das gleiche Tempo hat“, lautet ihre Erfahrung.

Pro Semester gibt es zudem zwei bis drei Praktika, etwa in Vermessung oder Baustoffkunde, in denen zum Beispiel im Labor Versuche durchgeführt werden: „Man arbeitet sehr viel freier als etwa im Physikunterricht. Es steht kein Lehrer daneben und erklärt die einzelnen Schritte. Man bekommt eine Praktikumsanleitung. Für Fragen ist ein Laborassistent anwesend, aber Ziel ist es, die Aufgabe selbst auf die Reihe zu bekommen.“ Der hohe Praxisanteil entspricht ihrem Lerntyp. „Wenn ich etwas selbst gemacht habe, vergesse ich es auch nicht mehr“, weiß Stefanie Wiedersatz.

Mit Eigenverantwortung zu guten Ergebnissen

Während die Übungen verpflichtend sind und die Studierenden auch Aufgabenblätter abgeben müssen, besteht für andere Veranstaltungen keine Anwesenheitspflicht. „Es gibt keinen Lehrer, der die Lernfortschritte kontrolliert. Man muss eigenverantwortlich lernen, vor allem mit Blick auf die Prüfungen“, erläutert Stefanie Wiedersatz. Diese verteilen sich nicht wie in der Schule über das gesamte Jahr, sondern konzentrieren sich auf das Semesterende. „Hier ist es ratsam, das ganze Semester über am Ball zu bleiben.“

Mit Blick auf ihren Abschluss sind zudem die Exkursionen wertvoll: „Wir besichtigen jedes Semester unterschiedliche Baustellen, auch mal in Hamburg oder Köln, und besuchen Firmen. Das hilft, eine Idee zu bekommen, wo man später arbeiten möchte beziehungsweise worauf man sich im Master spezialisieren könnte.“

abi>> 13.10.2015