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Die lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten

Studentin macht sich während der Vorlesung Notizen.
Vielen Studierenden hilft es, den Lernstoff während oder nach einer Vorlesung schriftlich zusammenzufassen.
Foto: Sonja Trabandt

Lernen im Lehramtsstudium

Die lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten

Benedikt Ickerodt (23) ist angehender Grundschullehrer. Er studiert Bildungswissenschaften, katholische Religion, sprachliche und mathematische Grundbildung sowie als Zusatzqualifikation Sport an der Universität Siegen. Bei den aufwendigen Literaturrecherchen für Seminar- und Hausarbeiten haben ihm spezielle Workshops der Lernwerkstatt Lehrerbildung geholfen.

Bis zur zehnten Schulklasse hat sich der 23-Jährige keine großen Gedanken über das Lernen machen müssen. Es lief einfach. In der Oberstufe investierte er dann doch mehr Zeit, aber das war kein Vergleich zu dem, was ihn im Studium erwartete. „An der Universität muss man erst einmal lernen, sich komplett selbst zu organisieren. Das fängt schon mit dem Zusammenstellen des Stundenplans an“, sagt er.

Auch seine erste Vorlesung hinterließ einen bleibenden Eindruck: „Der Dozent hat angefangen zu reden und gefühlt erst wieder nach 90 Minuten Luft geholt.“ Es spielte sich aber doch alles recht zügig ein. Beim Stundenplan half ihm eine WG-Mitbewohnerin, und auch den Fachjargon des Dozenten konnte er mit der Zeit entschlüsseln.

Nicht zu schnell aufgeben

„Ich habe mir sehr schnell angewöhnt, das Gehörte gleich nach den Vorlesungen zusammenzufassen“, berichtet Benedikt Ickerodt. Den Stoff hatte er somit gleich für die Klausuren aufbereitet. Für das Fach „Psychologie für Lehrämter“ und für die soziologischen Fächer legte er Karteikarten an, lernte viel auswendig. Auf die Matheklausuren bereitete er sich mit einer Lerngruppe vor.

Nachdem er im zweiten Semester sieben Prüfungen in vier Tagen absolvierte hatte, zweifelte er kurzfristig, ob das Studium zu ihm passt. „Unter Druck punktuell Wissen abzurufen, liegt mir nicht“, weiß er.

Was Benedikt Ickerodt jedoch liegt, das sind Literaturrecherchen, Schreiben und Lesen: „Ich kann mir Wissen am besten durch das Arbeiten mit Texten aneignen.“ Und genau das war ab dem zweiten Semester verstärkt gefragt.

Studienleistungen gezielt auswählen

Von da an reichte er hauptsächlich Haus- und Seminararbeiten ein und suchte Veranstaltungen gezielt nach den zu erbringenden Prüfungsleistungen aus.

Ein Porträt-Foto von Benedikt Ickerodt

Benedikt Ickerodt

Foto: Katharina Vähning

Das Schreiben von wissenschaftlichen Arbeiten will jedoch gelernt sein: „Wir mussten in der elften Klasse mal eine Hausarbeit schreiben, an der ich grandios gescheitert bin“, erinnert sich der 23-Jährige. Dass es ihm an der Universität ganz anders ergangen ist, verdankt er unter anderem der freiwilligen Lernwerkstatt Lehrerbildung, einer Einrichtung des Zentrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung an der Universität Siegen. „Im ersten Semester haben wir gelernt, wie man wissenschaftlich schreibt, eine Präsentation hält oder etwa einen Praktikumsbericht erstellt“, schildert er.

Freiwillige Angebote nutzen

Die Themen der Lernwerkstatt reichen von „Die lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“ bis hin zu „Was bedeutet das eigentlich, Lehrer sein?“. Um eine gute Hausarbeit schreiben zu können, sind fachspezifische Bibliotheksführungen eine wertvolle Hilfe: „Eine Unibibliothek ist etwas anderes als eine Schulbücherei. Für eine Literaturrecherche muss man erst einmal wissen, wo man was findet“, betont Benedikt Ickerodt.

In Kleingruppen nachgestellte Prüfungssituationen halfen den Teilnehmern der Lernwerkstatt bei der Vorbereitung von mündlichen Prüfungen. „Wenn man versucht, seinem Gegenüber in eigenen Worten etwas verständlich zu erklären, merkt man erst, ob man es selbst verstanden hat“, erklärt er.

Mittlerweile ist der Student im zweiten Mastersemester und selbst als Tutor und Mitarbeiter in der Lernwerkstatt aktiv. Aus Überzeugung gibt er sein Wissen weiter an Studierende, die sich in ähnlichen Situationen befinden wie er noch vor einigen Jahren selbst.

abi>> 19.10.2015