Logo Bundesagentur für Arbeit
Logo Bundesagentur für Arbeit
  • Drucken
  • Versenden
  • PDF (Öffnet sich in neuem Fenster)

Kategorien

Auf dem Weg zum Online-Bachelor?

Ein Mann lernt in einer Cafeteria
Ob am heimischen Schreibtisch, in der Bibliothek oder im Café - dank virtueller Lernplattformen können Studierende heute überall lernen.
Foto: Burkhardt Hellwig

Neue Studienformen

Auf dem Weg zum Online-Bachelor?

Ob im Präsenz- oder Fernstudium – bis vor wenigen Jahren lernte man noch fast ausschließlich mit gedruckten Materialien. Heute können Studierende neben virtuellen Lernplattformen auch Kurse an virtuellen Hochschulen sowie MOOCs (Massive Open Online Courses) als Ergänzung zu ihrem Studium nutzen. Das Fernstudium selbst spielt sich zum Großteil bereits „online“ ab. abi» gibt einen Überblick über den Wandel hin zu neuen Studienformen.

Stift und Notizblock bereitlegen, Computer anschalten, los geht’s. Was sich nach einem Rechercheauftrag im Internet anhört, ist für Diana Siegler Studienalltag. Die 39-Jährige absolviert gerade neben ihrem Job als Assistentin des Vorstands einer privaten Reha-Gruppe in Süddeutschland den Online-Bachelorstudiengang „Management von Gesundheitseinrichtungen“ an der WINGS, dem Fernstudienzentrum der Hochschule Wismar. „Mit dem Bachelorstudium möchte ich mir betriebswirtschaftliche Zusatzkenntnisse aneignen, um beruflich aufsteigen zu können“, erklärt sie.

Ein Porträt-Foto von Diana Siegler

Diana Siegler

Foto: Privat

Videovorlesungen, Skripte zum Ausdrucken, interaktive Multiple-Choice-Übungsaufgaben sowie Musterklausuren mit Lösungen – sämtliche Studieninhalte werden mit Hilfe eines Onlineportals vermittelt. „Das Praktische dabei ist: Ich kann mir meine Zeit frei einteilen und nach der Arbeit den relevanten Lernstoff lesen. Am Wochenende absolviere ich dann die zugehörigen Onlinevorlesungen auf der Lernplattform“, erklärt Diana Siegler. Daneben sind auf der Onlineplattform alle wichtigen Informationen zum Studium zu finden, beispielsweise über einzelne Module und Kapitel, aber auch die Kontaktdaten der Dozenten und Antworten auf häufig gestellte Fragen.

Online- oder klassisches Fernstudium?

Abgesehen von solchen Onlinestudiengängen bietet die WINGS auch klassische Fernstudiengänge an. Doch welche Unterschiede bestehen zwischen diesen beiden Studienformen überhaupt? Das weiß Sascha Lauckner, Studiengangskoordinator Online-Fernstudium an der WINGS: „Bei einem klassischen Fernstudium erhalten die Studierenden jedes Semester ein Semesterpaket mit gedruckten Studienbriefen und Skripten sowie der entsprechenden Fachliteratur zugesandt, die sie anschließend zu Hause am Schreibtisch bearbeiten.“

Zusätzlich nehmen sie in jedem Semester einige Präsenztermine wahr, die am Wochenende an der Hochschule oder in einem der regionalen Studienzentren abgehalten werden. Dort finden dann Präsenzveranstaltungen mit anschließender Klausur statt. Da mittlerweile auch in klassischen Fernstudiengängen Präsenzphasen mit Online-Angeboten verknüpft sind, spricht man von „Blended Learning“. (Lies hierzu eine Reportage über das Fernstudium an der FernUniversität Hagen: „Beruf und Studium unter einem Hut“)

Reine Online-Fernstudiengänge wie der von Diana Siegler sind hingegen anders aufgebaut: „Studierende bereiten sich bei einem Onlinestudium mit Hilfe von virtuellen Vorlesungen, Onlinetutorien und Übungsaufgaben vor“, berichtet Sascha Lauckner. Hier gibt es keine Präsenzveranstaltungen mehr, die Studierenden müssen nur zu den Prüfungen an vier Prüfungstagen pro Semester anreisen. Die zugehörigen Tutorien finden etwa eine Woche vor den Klausuren statt. „Dort habe ich die Möglichkeit, im virtuellen Klassenzimmer meine Fragen mit Hilfe eines Chatmoduls direkt an meine Dozenten zu stellen. Zudem kann ich mich in unserer Online-Lerngruppe mit meinen Kommilitonen austauschen“, erklärt Diana Siegler. Das Onlinestudium ist dadurch noch etwas flexibler als das Fernstudium.

Kurse an virtuellen Hochschulen

Mittlerweile werden übrigens auch in vielen Präsenzstudiengängen –darunter auch duale Studienangebote – neben den regulären Vorlesungen ergänzende Module im World Wide Web angeboten. Wird die Prüfung in solchen Onlinekursen an der Hochschule abgelegt, können die erbrachten Leistungen oft auf das Studium angerechnet werden. Auskünfte hierzu erteilt die zuständige Prüfungskommission der jeweiligen Hochschule.

Ein Beispiel ist die Virtuelle Hochschule Bayern (vhb). Alle Studierenden, die an einer der Trägerhochschulen eingeschrieben sind, können das vielfältige E-Learning-Angebot kostenlos nutzen. Im Wintersemester 2015/16 stehen den Studierenden Kurse aus 16 verschiedenen Fachbereichen zur Verfügung – von Gesundheitswissenschaften bis Wirtschaftsinformatik. Virtuelle Hochschulen sind gemeinsame Einrichtungen mehrerer Hochschulen, die gemeinsam Studienmodule oder gar komplette Studiengänge über das Internet anbieten. Neben der vhb gibt es unter anderem die Virtuelle Fachhochschule (vfh) oder den Virtuellen Campus Rheinland-Pfalz. (Lies auch die Reportage „Ab in den Hörsaal – oder an den PC?“)

Zukunftsvision Online-Hochschule?

Inzwischen bieten sich Studierenden jedoch noch weitere Möglichkeiten, im World Wide Web zu lernen. Seit der Jahrtausendwende werden verstärkt kostenfreie Kurse ohne Teilnehmerbegrenzung im Internet angeboten – sogenannte Massive Open Online Courses (MOOCs). Vorreiter ist hierbei die US-amerikanische „Online-University“ Udacity, die 2012 von zwei Professoren der Stanford University gegründet wurde.

Auch in Deutschland gibt es unterdessen einige Anbieter von MOOCs. Einer davon ist das Hasso-Plattner-Institut (HPI), das 2012 die MOOC-Plattform openHPI startete. Alle, die an IT-Themen interessiert sind, können sich dort zu verschiedenen Kursen anmelden und vom heimischen Computer aus teilnehmen. „Mittlerweile lernen rund 100.000 Menschen aus 150 Nationen am openHPI“, berichtet Stefanie Schweiger, Referentin für Kommunikation und Relationship-Management am HPI.

Durch die regelmäßige Abgabe von Hausaufgaben sowie die Teilnahme an der Abschlussklausur kann zudem ein Zertifikat des openHPI erlangt werden. Bisher kann dieses aber noch nicht auf das Studium angerechnet werden, da nicht überprüft werden kann, ob wirklich der angemeldete Teilnehmer vor dem PC sitzt. In Zukunft könnte sich dies jedoch ändern: „Unsere Entwickler arbeiten an einem System, mit dem wir die Prüflinge am heimischen PC verifizieren können“, erklärt Stefanie Schweiger. Dazu soll in regelmäßigen Abständen ein Foto mit Hilfe der Webcam aufgenommen werden.

Ist die Möglichkeit der Anerkennung der Kurse erst einmal gegeben, sieht Stefanie Schweiger gute Chancen für MOOCs: „Gerade durch die hohe Flexibilität und die Nutzerfreundlichkeit werden MOOCs immer wichtiger für die Weiterbildung in Studium und Beruf.“

An wen richten sich Fernstudiengänge?

An Fernstudiengängen nehmen derzeit vor allem Berufstätige teil, die sich weiterentwickeln und für Aufstiegspositionen qualifizieren möchten. Fern- und Onlinestudienangebote eignen sich zudem gut für Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen. Hierfür wurden übrigens auch die Prüfungsräume in den Studienzentren barrierefrei gestaltet – was zunehmend auch an vielen regulären Hochschulen passiert. Aber auch Abiturienten, die direkt nach ihrem Schulabschluss mit einem virtuellen Studium beginnen möchten, sind willkommen.

Was muss ich beachten?

Wer überlegt, ein Fernstudium zu absolvieren, sollte sich bereits im Vorfeld Gedanken zu einigen wichtigen Punkten machen: „Wenn man ein hohes Maß an Selbstmotivation, Ausdauer und Disziplin hat, ist man für ein Onlinestudium durchaus geeignet“, sagt Sascha Lauckner. Wer sich dessen unsicher ist und herausfinden möchte, ob ein Fernstudium zu ihm passt, kann etwa an der WINGS ein Schnupperstudium absolvieren. Ein Fern- oder Onlinestudium spart auch keine Zeit: In Vollzeit muss mit rund 40 Arbeitsstunden pro Woche gerechnet werden, in Teilzeit mit etwa 20.
Ein weiterer Punkt sind die Kosten, die sich an verschiedenen Faktoren orientieren, etwa am Umfang der bereit gestellten Arbeitsmaterialien. An der FernUniversität Hagen zum Beispiel belaufen sich die Gesamtkosten auf circa 1.500 bis 2.400 Euro je Fernstudiengang. Es ist jedoch möglich, BAföG zu beantragen. Jedoch müssen Fern- und Onlinestudierende dafür im Vorfeld unbedingt abklären, ob sie Studierendenstatus haben oder nicht.

Recherchetipp

Ob Präsenz-, Fern-, Onlinestudium oder duales Studium: Einen passenden Studiengang kannst du im Portal studienwahl.de recherchieren. Die erweiterte Suche bietet dir die Möglichkeit, gezielt auch nach Fernstudiengängen oder dualen Studienangeboten zu suchen.

 

Weitere Informationen

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen suchen und die Ergebnisse nach deinen Wünschen filtern. Wenn du gezielt nach Fernstudiengängen suchst, kannst du in der erweiterten Suche bei Studienform „Fernstudiengang“ auswählen.
www.studienwahl.de

Weitere Informationen speziell zum Thema „Fern- und Onlinestudium findest du unter www.studienwahl.de/de/studieren/besondere-studienformen/fernstudium-online-studium.htm.

Arbeitsgemeinschaft für das Fernstudium an Hochschulen (AG-F)

Zusammenschluss von Fernstudienanbietern in Deutschland und dem benachbarten Ausland
dgwf.net/arbeitsgemeinschaften

Arbeitsgemeinschaft für lebenslanges Lernen

www.fernstudium-net.de

Bildungsportal Sachsen

E-Learning-Initiative der sächsischen Hochschulen

www.bildungsportal.sachsen.de

FernUniversität Hagen

einzige staatliche Fernuniversität in Deutschland
www.fernuni-hagen.de

Hochschulverband Distance Learning (HDL)

bundesweites Netzwerk von Hochschulen und Einrichtungen mit Fernstudienangeboten
www.aww-brandenburg.de

Virtueller Campus Rheinland-Pfalz (VCRP)

wissenschaftliche Einrichtung aller Hochschulen in Rheinland-Pfalz
www.vcrp.de

Virtuelle Fachhochschule

Verbund von neun Hochschulen aus sechs Bundesländern und einer Schweizer Hochschule
www.vfh.de

Virtuelle Hochschule Bayern (vhb)

Verbundinstitut aller staatlichen sowie einiger kirchlicher Hochschulen in Bayern
www.vhb.org

Verbund der nordrhein-westfälischen Fachhochschulen

Angebot, das sich in erster Linie an Berufstätige richtet
www.verbundstudium.de

Zentralstelle für Fernstudien an Fachhochschulen (ZFH)

Wissenschaftliche Einrichtung der Bundesländer Rheinland-Pfalz, Saarland und Hessen.
www.zfh.de

 

abi>> 11.01.2016