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Rollenspiele verändern Sichtweisen

Aula mit Prüflingen und Prüfungsaufsicht
Die Angst vor Prüfungen kann das Studium zur Hölle machen. Doch psychosoziale Beratungsstellen der Hochschulen und Studierendenwerke können dabei helfen, Prüfungsangst zu bezwingen.
Foto: Hans-Martin Issler

Prüfungsangst – Beratungsprotokoll

Rollenspiele verändern Sichtweisen

Vorsicht Prüfung: Wenn aus ein bisschen Lampenfieber panische Angst wird, sind Leute wie Birgit Rominger gefragt. Die Diplom-Psychologin und psychologische Psychotherapeutin, berät seit vielen Jahren Studierende am Studierendenwerk Berlin – und schildert für abi», welche Wege es aus der Angstspirale gibt.

Eine 25-Jährige Linguistik-Studentin kam mit massiver Prüfungsangst zu mir – ich notierte mir: Bei dem Gedanken ans Lernen wird sie fast panisch, verwirrt, die Hände werden kalt, der Mund trocken, sie bekommt extremes Herzklopfen, bereits Monate vor der Prüfung. Deshalb zieht sie sich aus dem sozialen Umfeld zurück.

Dieser Studierenden riet ich, in meine Prüfungsangst-Gruppe zu kommen. Sechs bis neun Betroffene tauschen sich hier meist in Form eines zweitägigen Kompaktworkshops am Wochenende aus. Die Schilderungen der anderen sorgen dafür, dass sich Betroffene verstanden und nicht mehr allein mit ihrem Problem fühlen.

Techniken zur körperlichen Entspannung

Ich arbeite an drei Aspekten, die eng zusammenhängen: der körperlichen Seite, der gedanklichen und der Verhaltensseite. Für die körperliche Seite übe ich verschiedene Entspannungsverfahren mit den Betroffenen ein, da nicht eines für jeden gleichermaßen passt. Dabei halte ich Entspannungsarten, die nach innen gerichtet sind, für weniger geeignet als solche, die nach außen orientiert sind, um aus dem Gedankenkarussell herauszukommen.

Portrait Birgit Rominger

Birgit Rominger

Foto: Jana Judisch

Für die Verhaltensseite mache ich Spiele mit den Studierenden. So fordere ich sie auf, sich auf verschiedene Arten hinzusetzen, mal so wie ein prüfungsängstlicher Student und mal wie eine kompetente Studentin. Zweiter wichtiger Baustein ist, dass jeder die Situation nachspielt, in der er Angst hatte. Oder jemand anderes spielt die Situation nach. So sieht sich der Betroffene von außen und kann sich selbst ein Coach sein. Diese Spiele lösen etwas anderes aus, als wenn betroffene Studierende mir nur davon erzählen.

Prüfungsablauf gedanklich durchspielen

Ich gehe mit den Betroffenen den Ablauf der Prüfung genau durch: Wie stehe ich in der Tür, wie gehe ich hinein, was denke ich. Wir machen auch Visualisierungsübungen: Man stellt sich bildlich vor, wie man konzentriert etwas schreibt, wie man mit Fragen umgeht, auf die man nicht gefasst war und so weiter. Um beispielsweise in der mündlichen Prüfung nicht wegzugleiten, ist es hilfreich, mit den Prüfenden immer wieder Blickkontakt zu halten und zum Nachdenken etwas nach oben zu schauen. Ein weiterer wichtiger Tipp: Vorher bestimmte Formulierungen üben, Fachbegriffe laut aussprechen und wiederholen. Sich selber Fragen stellen, leichte, mittelschwere, ganz schwere.

So ging ich das auch bei der 25-jährigen Linguistik-Studentin an. Ihr wurde sehr deutlich, wieviel sie über sich selbst nachdenkt und wie sehr sie es allen recht machen möchte. Wenn man an den eigenen Fähigkeiten zweifelt, hat man keine Chance, selbstbewusst in eine Prüfung zu gehen. Am Ende des Workshops hatte sie mehr Vertrauen in sich bekommen und die Prüfung geschafft!

abi>> 28.06.2019