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Die beste Lernstrategie für sich entdecken

Student bereitet mit seinem Tutor eine Probe für ein Bombenkalorimeter vor.
Vorlesungen, Seminare, Tutorien oder Laborpraktika: Im Studium warten neue Lernformen auf die Studienanfänger.
Foto: Thorsten Ulonska

Richtig lernen an der Hochschule

Die beste Lernstrategie für sich entdecken

Wer von der Schule an die Hochschule wechselt, wird schnell zahlreiche Unterschiede feststellen: Unterrichtsstunden weichen Vorlesungen, Seminaren und Übungen. Klassenarbeiten und Schulaufgaben werden durch Haus- und Seminararbeiten sowie Klausuren ersetzt. Andere Prüfungsformen, mehr Lernstoff: Zeit für angehende Studierende, sich über den eigenen Lernstil Gedanken zu machen.

Christian Stark (24) studiert im vierten Semester Elektro- und Informationstechnik an der Technischen Universität (TU) Ilmenau. „Vor dem Studium hatte ich sehr viel Respekt vor Mathe und Physik“, sagt er. Als er von dem Projekt „BASIC- Basic Engineering School“ der TU Ilmenau erfuhr, hat er sich ganz bewusst für ein Studium an dieser Hochschule entschieden. „Zum Glück“, sagt er heute, denn das Projekt bietet den Studierenden neue Lehr- und Lernformen in der Ingenieurausbildung an. „Insbesondere in der Studieneingangsphase soll eine bessere Verankerung des Ingenieurgrundwissens, eine höhere Studienmotivation sowie eine Reduzierung der Abbrecherquote erreicht werden“, erklärt Silke Augustin, geschäftsführende Referentin der Fakultät Maschinenbau.

Christian Stark kann das nur bestätigen und erklärt, wie das im Studienalltag konkret aussieht: „Wir haben kleine Lerngruppen und somit engen Kontakt zu den Dozenten. Bei Unklarheiten kann man gleich nachfragen.“

Praxisbezug vom ersten Semester an

Ein Porträt-Foto von Christian Stark

Christian Stark

Foto: Privat

Neben den kleinen Gruppen und dem engen Kontakt zu Dozenten liegt ein weiterer Schwerpunkt des Projekts darauf, den theoretischen Stoff von Beginn an mit Leben zu füllen. „Ich habe zum Beispiel mit zwei Kommilitonen, einem Fahrzeug- und einem Maschinenbauer, ein Gefährt konstruiert, angefangen von der Handskizze über den CAD-Entwurf am Rechner bis hin zum fahrtüchtigen Modell. Wir haben ausgerechnet, welcher Belastung eine Schraube standhalten muss oder wie wir die Steuerung am besten einbauen und programmieren“, erklärt Christian Stark.

Motivierend fand er nicht nur den hohen Praxisbezug, sondern auch die eigenverantwortliche Arbeit im Team: „Wir haben alles selbst übernommen, von der Zeitplanung über die Aufgabenverteilung bis hin zur Ausführung in den Metallwerkstätten.“

Die Frage nach dem Lerntyp

Wie man am besten lernt, ist individuell verschieden. Während Christian Stark Praxisnähe und den Austausch mit anderen schätzt, kommen andere vielleicht besser damit zurecht, sich zunächst alleine die Theorie anzueignen. In der Lernpsychologie wird zwischen verschiedenen Lerntypen unterschieden. Da ist zum einen der visuelle Typ, der sich Dinge am besten merken kann, wenn er sie bildlich vor Augen hat, Formeln in Zeichnungen umsetzt oder komplexe Zusammenhänge in einer Mind-Map veranschaulicht. Anders der auditive Typ, der Gehörtes am leichtesten aufnehmen und behalten kann. Beim sogenannten haptisch-motorischen Typ funktioniert das Lernen am effektivsten, wenn es mit einer Handlung oder Bewegung verknüpft ist. Hingegen ist der kommunikative Lerntyp diskussionsfreudig und lernt am besten im direkten Austausch mit anderen.

Aber: „Das Lerntypen-Konstrukt ist nicht der Weisheit letzter Schluss“, erklärt die Psychologin Brigitte Reysen-Kostudis, die an der Zentraleinrichtung Studienberatung und Psychologische Beratung der Freien Universität Berlin arbeitet. „Unterschiedliche Lernpräferenzen lassen sich nicht eindeutig voneinander abgrenzen. In der Regel haben sich bei einer Person nicht nur eine, sondern mehrere Lernvorlieben herausgebildet“, erklärt die Psychologin. (Tipps, wie man die eigenen Lernpräferenzen ermitteln kann, gibt es im Interview)

Angebote der Hochschule nutzen

Als Studienanfänger verschiedene Lernmethoden zu kennen und auszuprobieren ist sinnvoll, denn Hochschule funktioniert anders als Schule: „Der Stoff ist umfangreicher und der Schwierigkeitsgrad höher“, sagt Paul Rapp, Berater für akademische Berufe bei der Agentur für Arbeit Potsdam. „Während in der Schule die Lehrer den Stoff aufbereiten, verlangt das Lernen an der Hochschule ein deutlich höheres Maß an Eigeninitiative. Hinzu kommen neue Lehrformen wie etwa Vorlesungen, Seminare, Tutorien oder Laborpraktika.“ (Siehe auch den Überblick über die Lehr- und Lernformen)

Um den Übergang von der Schule ins Studium zu erleichtern, haben die Hochschulen eigens Veranstaltungen für Studienanfänger konzipiert, angefangen von Bibliotheksführungen über Einführungen in das wissenschaftliche Arbeiten bis hin zu Seminaren zu Präsentationstechniken und Zeitmanagement. Vielfach werden auch – etwa in Mathematik oder Informatik – Brückenkurse vor Studienbeginn angeboten, um in der Schule Gelerntes aufzufrischen und zu vertiefen. „Es ist wichtig, solche Veranstaltungen zu besuchen, um das eigene Lernverhalten zu verbessern“, sagt der Berufsberater.

Orientierung schon vor Studienbeginn

Bereits vor dem Studium können sich Abiturienten mit Hilfe von Self-Assessments über die Lernanforderungen in einem Studiengang informieren. Mit Hilfe des Online-Studienfachwahl-Assistenten (OSA) der Freien Universität (FU) Berlin können Interessierte zum Beispiel im Fachbereich Rechtswissenschaften kleine Fälle lösen und so in die Arbeitsweise von Rechtswissenschaftlern hineinschnuppern. Auch andere Hochschulen bieten Orientierungsangebote dieser Art für Studieninteressierte an. Ein Überblick über studienbezogene Self-Assessments, sortiert nach Fachbereichen, findet sich im abi>> Portal.

Zu der Vielzahl an Orientierungsmöglichkeiten gehören auch Orientierungssemester oder Sommerunis für Schüler. Informationen hierzu erhält man auf den Internetseiten oder über die Studienberatungen der Hochschulen. Auch die Berater für akademische Berufe der Arbeitsagenturen helfen weiter.

Multimediales Lernen

Ebenso schafft die Weiterentwicklung multimedialer Lernmöglichkeiten neue Formen des Lernens. Die Entscheidung für ein Fern- oder Onlinestudium etwa lässt sich nicht eindeutig an einem bestimmten Lerntyp festmachen, erläutert Claudia Grüner von der Fernuniversität Hagen. „Fernstudierende legen beispielsweise viel Wert auf das zeit- und ortsunabhängige Lernen sowie auf die hohe Flexibilität. Das geht einher mit einer generellen Tendenz zur Unabhängigkeit und zu selbstbestimmtem und selbstgesteuertem Lernen“, erklärt sie.

Diese Vielfalt der Lernangebote spreche unterschiedliche Lerntypen an: „Die Fähigkeit, sich Informationen selbstständig aus Texten zu erschließen oder generell auch gerne mit Texten zu lernen, ist sicher eine Hilfe im Fernstudium, gerade am Anfang. Es werden aber auch andere Kanäle angesprochen, etwa auditives und visuelles Lernen durch die Verwendung von Podcasts und Lernvideos oder durch die Visualisierung von Lerninhalten in der virtuellen Lernumgebung.“

Genauso wächst das Angebot internetbasierter Lernformen auch in Präsenzstudiengängen. So bieten einige Hochschulen zum Beispiel Vorlesungen als Videostream zur Nachbereitung oder Lernplattformen mit zusätzlichen Lernmaterialien an. Während manche noch Karteikarten bevorzugen, um sich Begriffe einzuprägen, nutzen viele bereits interaktive Computerprogramme, die beim Lernen helfen.

Weitere Informationen

studienwahl.de

Infoportal der Bundesländer in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „Finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

abi>> Infomappen Studienberufe

Diese Infomappen von abi>> zeigen in zahlreichen Porträts, wie Berufseinsteiger arbeiten sowie Studierende, die über ihren Studiengang berichten.
www.biz-medien.de/abi

Buchtipps

Leichter lernen: Für ein erfolgreiches Lernmanagement in Studium und Beruf
von Brigitte Reysen-Kostudis
mvg Verlag, 2007
264 Seiten, 14,90 Euro
www.m-vg.de

Bestnote: Lernerfolg verdoppeln, Prüfungsangst halbieren
von Martin Krengel
Eazybookz/Midas Management Verlag, 2012
256 Seiten, 15,95 Euro
www.studienstrategie.de

Studieren kann man lernen: Mit weniger Mühe zu mehr Erfolg
von Kira Klenke
Springer Gabler Verlag, 2014
164 Seiten, 19,99 Euro
www.springer.com

abi>> 19.10.2015