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Damit Lernen nicht zum Stress wird

Anschrieb über Zeitmanagement auf einer Tafel
Kurse zu Zeitmanagement und wissenschaftlichen Arbeiten können Studienanfängern helfen, die richtige Lerntechnik zu finden.
Foto: Jörg Moritz

Richtig lernen an der Hochschule: Interview

Damit Lernen nicht zum Stress wird

Die ersten Klausuren sind missglückt, man ist verunsichert und fühlt sich gestresst. Was tun, wenn es mit dem Lernen im Studium nicht so läuft, wie geplant? Diplom-Psychologin Brigitte Reysen-Kostudis, die in der Studienberatung und Psychologischen Beratung der Freien Universität (FU) Berlin arbeitet, kennt solche Probleme und hilft Studierenden, Lösungswege zu finden.

abi>> Frau Reysen-Kostudis, gibt es eine Methode, wie man „richtig“ lernen kann?

Brigitte Reysen-Kostudis: Nein, die eine, optimale Lerntechnik für alle gibt es nicht. Lernen ist etwas sehr individuelles. Mit welchen Lernmethoden man erfolgreich ist, ist daher auch ganz unterschiedlich.

abi>> Woher weiß ich, wie ich am besten lerne?

Ein Porträt-Foto von Brigitte Reysen-Kostudis

Brigitte Reysen-Kostudis

Foto: Privat

Brigitte Reysen-Kostudis: Jeder von uns hat Lernerfahrungen abgespeichert und muss diese reflektieren. Ganz wichtig ist hier die Schulerfahrung: Wie habe ich mir Dinge gut merken können? Manche müssen sehr viel aufschreiben, um es behalten zu können. Andere sind visuell veranlagt und können sich Schaubilder gut merken. Wieder andere lernen besonders gut, wenn sie über den Lernstoff reden. Man sollte sich aber nicht auf eine Methode festlegen, sondern über mehrere Kanäle lernen. Denn je breiter die Informationen aufgenommen werden, desto besser kann man sich die Inhalte merken.

abi>> Gibt es unter Studienanfängern typische Lernprobleme?

Brigitte Reysen-Kostudis: Es sind nicht einzelne Lerntechniken, die Studienanfängern Probleme bereiten, sondern vor allem der Stressaspekt. Vor dem Studium ist man einfach nur froh über den Studienplatz. Je nach Studiengang zählen die Noten jedoch bereits ab dem ersten Semester. Der Druck, von Anfang an gute Leistungen zu bringen, ist deshalb sehr hoch. Manche haben das Gefühl, nur noch lernen zu müssen. Wenn ihnen dann etwas nicht auf Anhieb gelingt, kommt die Angst, zurückzufallen.

abi>> Wie können Sie Studierenden helfen?

Brigitte Reysen-Kostudis: Erst einmal geht es darum, den Druck rauszunehmen. Wir ermuntern die Studierenden zum Beispiel dazu, sich mit anderen über ihre Probleme auszutauschen. Viele glauben, es gehe nur ihnen so. Es ist gut zu merken, dass andere die gleichen Schwierigkeiten haben und man nicht alleine dasteht.

Manchmal sind auch Planungsfehler beim Lernen die Ursache, zum Beispiel zu wenig Pausen oder zu wenige Wiederholungen. Hier kann ich die Kurse für Studienanfänger empfehlen, in denen es um wissenschaftliches Arbeiten und um Zeitmanagement geht.

abi>> Gibt es Studiengänge, in denen das Lernen anders organisiert ist als in der Schule und somit auch mehr Probleme auftauchen?

Brigitte Reysen-Kostudis: In den Naturwissenschaften beispielsweise ist das Studium am Anfang eher verschult. Die Art des Lernens kommt dem Lernen in der Schule recht nahe. Anders ist es in den Sozial-, Rechts- und Geisteswissenschaften. Hier müssen oft in mehreren Fächern vier bis fünf Hausarbeiten parallel erstellt werden, die viel Literaturrecherche erfordern. Dies wird in der Schule oft nur ansatzweise vermittelt. Hinzu kommt das Zeitproblem. Vielen fällt das Arbeiten mit langfristigen, komplexen Zielen zunächst schwer. Eine gute Planung ist das A und O, um nicht in einen „Aufschiebemechanismus“ zu verfallen.

abi>> Spielt die Art und Weise, wie man lernt, eine Rolle bei der Wahl des Studiengangs und der Hochschule?

Brigitte Reysen-Kostudis: In den geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern wird generell sehr viel geschrieben und gelesen. Das reine Interesse am Fach reicht nicht. Die Lust am Lesen und Schreiben kann man sich nicht aneignen. Auch mit Mathematik ist das so. Wer in der Schule Probleme mit Mathematik hatte, sollte im Modulhandbuch nachprüfen, wie hoch der Matheanteil im Wunschstudiengang ist.

Heutzutage bewerben sich Abiturienten oft bei mehreren Hochschulen. Obwohl man nicht wissen kann, wo man letztendlich einen Platz bekommt, sollte die Wahl nicht beliebig sein. Sinnvoll ist es, die Schnupper- und Orientierungsangebote zu nutzen, oder sich einfach mal in eine Vorlesung reinzusetzen, um das Klima zu erleben.

abi>> 19.10.2015