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Das Lernen neu lernen

Ein Student macht sich Notizen.
Wichtige Passagen farblich hervorheben, eigene Zusammenfassungen schreiben oder gleich während der Vorlesung Notizen machen - probiere verschiedene Methoden aus, wie du dir den Stoff am besten merken kannst.
Foto: Jo Simon

Richtig lernen an der Hochschule – Hintergrund

Das Lernen neu lernen

Das Abitur ist geschafft, doch der Start an der Hochschule kann manchmal etwas holprig verlaufen. Jede Menge neuer Stoff in so unterschiedlichen Lehrveranstaltungen: Viele Studienanfänger müssen mit der neuen Situation erst klarkommen – und vor allem ihr Lernverhalten überdenken.

An der Schule sind die Anforderungen meist klar. Die Lehrer geben Hausaufgaben auf oder die Themen für Klausuren bekannt und sagen oft ziemlich genau, was sie erwarten. An den Hochschulen dagegen sieht die Situation anders aus. In unterschiedlichen Veranstaltungen strömen enorm viele Informationen ein. Die Literaturliste ist lang, die Anforderungen der Dozenten hoch. „Wie soll ich das alles lernen, um das Studium erfolgreich absolvieren zu können?“, fragen sich vor allem Studienanfänger.

Verschiedene Voraussetzungen und Anforderungen

„Die Unterschiede zwischen Schule und Hochschule werden von jedem anders wahrgenommen“, gibt Simone Schober-Wischkony, Berufsberaterin der Agentur für Arbeit Braunschweig, zu bedenken. „Es ist auch von Bedeutung, an welche Hochschule man geht.“ Das Wissen an Fachhochschulen wird oft verschulter vermittelt als an Universitäten, etwa durch mehr Pflichtveranstaltungen oder weniger Wahlmöglichkeiten bei den Fächern, und der Bezug zur Praxis ist höher. An Unis müssen sich die Studierenden ihren Stundenplan selbst zusammenstellen und in den Veranstaltungen lernen mehr Teilnehmer miteinander.

Außerdem bestehen zwischen den Studienfächern teils deutliche Unterschiede; so stehen in der Medizin zum Beispiel Multiple-Choice-Prüfungen an, während bei Jura das Lösen von praxisnahen Fällen gefragt ist und in den Naturwissenschaften Laborarbeiten wichtig sind.

Zeitmanagement spielt wichtige Rolle

Ganz grundsätzlich spielt das Zeitmanagement im Studium eine entscheidende Rolle. Denn wer einen guten Überblick über das Lernpensum hat und sich einen machbaren Plan erstellt – den er dann auch einhält – erfüllt eine zentrale Voraussetzung für den erfolgreichen Studienabschluss. Dazu gehört eine gehörige Portion Eigenverantwortung: Statt Hausaufgaben und Klassenarbeiten stehen nun mehrseitige Hausarbeiten, Referate, Projektarbeiten und Klausuren an, die man eigenständig bearbeiten muss. Außerdem finden sich unterschiedliche Veranstaltungen wie Vorlesungen, Seminare, Blockveranstaltungen und Exkursionen (Eine Übersicht findest du in „Vorlesung, Übung, Projekt und Co.“) auf dem Stundenplan wieder.

Angesichts dieser vielen Neuerungen können Studienanfänger ins Straucheln geraten – einige sogar gehörig: Das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) fand kürzlich heraus, dass fast jeder dritte Bachelorstudierende sein Studium abbricht. An Universitäten liegt die Quote im Jahr 2017 bei 32 Prozent, an Fachhochschulen bei 27 Prozent. Der mit 30 Prozent häufigste genannte Grund für den Abbruch: „unbewältigte Leistungsanforderungen im Studium“.

Nicht den Kopf in den Sand stecken

„Ein häufiger Grund für Studienmisserfolge sind fehlende Lernstrategien“, bestätigt Simone Schober-Wischkony. Niemand solle aber den Kopf in den Sand stecken, wenn anfangs nicht alles glatt läuft: „Das ist völlig normal und kein Drama.“ Stattdessen sollte man sich mit dem Problem aktiv auseinandersetzen. „Unabhängig von der Schulform muss jeder Studienanfänger sein bisheriges Lernverhalten reflektieren“, rät die Expertin: Wie habe ich in der Schulzeit gelernt? War ich damit erfolgreich? Und wie kann ich es jetzt schaffen, mehr Stoff in kürzerer Zeit zu lernen?

„Man muss ein Gefühl für das eigene Lernverhalten bekommen“, betont die Beraterin. Manche lernen besser alleine, andere in Gruppen. Manchen fällt es leicht, sich durchs Zuhören viel zu merken. Andere müssen den Stoff nacharbeiten und aufschreiben. Dabei gibt es ebenfalls verschiedenste Techniken: die relevantesten Sätze im Lehrbuch anstreichen, die Inhalte von Kapiteln und Vorlesungen zusammenfassen, Karteikarten anlegen, Power-Point-Skripte nachbearbeiten oder Online-Vorlesungen zu einzelnen Themen anschauen. Die Auswahl ist groß – meist dauert es daher einige Zeit, bis man die für sich passenden Lerntechniken und -methoden gefunden hat und gezielt anwenden kann (Drei Studierende berichten von ihren Lernmethoden in der Umfrage „So lerne ich erfolgreich“).

Mit Kombination von Lernmethoden zum Erfolg

Um herauszufinden, welche Lernstrategie gut für einen selbst ist, lohnen sich laut Simone Schober-Wischkony neben Gesprächen mit Studienberatern auch Orientierungsangebote an Hochschulen (siehe auch das Interview „Fang rechtzeitig an, zu lernen“). In mehrtägigen Kursen vor oder zum Studienbeginn werden Schulabsolventen unter anderem Tipps zum Lernen und dem Schreiben von Hausarbeiten gegeben. Aber auch hierbei gilt: Alle Studierenden müssen selbst ausprobieren, wie sie am besten lernen. Dabei lohnt es sich, offen für neue Ansätze zu sein, denn oft führt eine Kombination verschiedener Lernmethoden zum Erfolg.

Ein weiterer Aspekt ist der Studienberaterin aber ebenso wichtig: „Man muss auch lernen, sich nicht ständig ablenken zu lassen.“ Die Verlockung, auf eine WhatsApp-Nachricht sofort zu reagieren oder im Internet schnell die neuesten Nachrichten zu lesen, sei zwar groß. „Doch man kann einzelne Lerntechniken noch so gut beherrschen: Wer sich nicht abgrenzen kann, kommt trotzdem nicht weiter. Die Konzentration auf das Lernen ist ein entscheidender Faktor auf dem Weg zum Lernerfolg!“

Weitere Informationen

BERUFENET

Das Netzwerk für Berufe der Bundesagentur für Arbeit mit über 3.000 aktuellen Berufsbeschreibungen in Text und Bild.
www.berufenet.arbeitsagentur.de

studienwahl.de

Infoportal der Stiftung für Hochschulzulassung in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit. Hier kannst du im „finder“ nach Studiengängen in ganz Deutschland suchen.
www.studienwahl.de

Lernbörse der Bundesagentur für Arbeit

www.arbeitsagentur.de/lernboerse

Initiative „Besser lernen“ der Hochschule Worms

www.hs-worms.de/studieren/unterstuetzung-und-beratung/studium/initiative-besser-lernen/

abi>> 02.11.2017